Ila: Ich arbeite als Account-Managerin in der Werbebranche.Wirklich? Musst du heute nicht arbeiten?
I: Nein! Nein, nein, wir machen hier Urlaub, wir wohnen nicht hier.Woher kommst du?
I: IsraelUnd wie war es im Club?
I: Großartig. Es ist erst unsere erste Nacht—Tag—äh, 24 Stunden in Berlin.Sind die Clubs in Israel anders?
I: Nein, nicht wirklich.Wie lange wart ihr hier?
I: Seit zwei Uhr… Wie spät ist es jetzt? Es ist so halb sieben? Also vier oder fünf Stunden.Bist du auch aus Israel? Was machst du?
Tslil: Ich bin Arzt.Scheiße, wirklich? Feiern Ärzte in Israel oft so lange in Clubs?
T: Ähm … Ja, wahrscheinlich ( lacht). Nicht wirklich.Und du?
Karim: Ich bin der Gastgeber. Aus Deutschland. Ich bin Student.Machst du oft donnerstagsnachts Party?
K: Hmm. Unterschiedlich. Ich habe Semesterferien, also für mich … Ich bin im Prinzip arbeitslos, also … Also nicht arbeitslos, aber ich habe Zeit.Was macht ihr jetzt? Heute?
K: Ich denke, wir gehen zu mir, frühstücken ein wenig und machen ein kleines Nickerchen, schätze ich. Ein Kleines!
Lisa: Ich lebe einfach in Berlin, genieße die Stadt! Einfach … Ich bin Managerin im Stadtzentrum.Musst du jetzt nicht zur Arbeit?
L: Äh, nein. Ich habe im Moment Zeit.Gehst du oft donnerstagsnachts aus?
L: Nicht so oft, manchmal.Gibt es einen bestimmten Grund für den Donnerstag?
L: Ich bin einfach spontan mit Freunden hier.Was hältst du vom Berliner Nachtleben?
L: Das Nachtleben in Berlin ist großartig, das Watergate ist allerdings … OK. Ich gehe nicht so oft hier hin, es ist ein ziemlicher Touristen-Laden. Ich bevorzuge das Berghain und … ja.Du schätzt also, dass da drinnen hauptsächlich Studenten und Touristen sind?
L: Ja. 90%. Definitiv. [ lacht]Lisa geht und zwei recht junge Typen in Lederjacken kommen raus. Sie zeigen mir einen Vogel, als ich mich ihnen nähere. Dann kommen Ivan und Karen und blinzeln in die Sonne, die sich mittlerweile am Himmel zeigt.
Auch THUMP: Wir haben uns mit Jesse Lanza in Barcelona getroffen:

Ivan (35) und Karen (32) (7.10 Uhr)Wo kommt ihr her?
Ivan: Chile
Karen: Kolumbien
I: Ja.Also müsst ihr heute nicht arbeiten!
K: Neeein! Gott sei Dank.Was macht ihr jetzt nach so einer großen Nacht?
K: Zu einer Party gehen. In den Club. Wieder.Wieder?
K: Wieder.Und was macht ihr zu Hause, habt ihr solche Clubs in Chile?
K: NeinIst das euer erstes Mal in dieser Art Club?
I: Nein … in Buenos Aires gibt es ähnliche Partys.
K: Wir leben seit 20 Jahren in Buenos Aires und das ist die Art von Party, die wir mögen. Aber in Chile haben wir sowas nicht.Die nächste Gruppe, die ich anspreche, besteht aus einer Menge Franzosen, die zu betrunken sind, um Englisch zu sprechen. Sie wählen einen Sprecher aus, eine Physiotherapeutin namens Carol, die du auf dem Bild unten siehst. Ihr Englisch ist recht abenteuerlich, aber sie hat sich bereit erklärt, zu sprechen und fotografiert zu werden, also werde ich mich nicht beschweren. Die Franzosen sind vielleicht für die moderne Demokratie verantwortlich, aber nachdem sie Carol als Sprecherin auserkoren haben, brüllen trotzdem alle Antworten auf meine Fragen. Auf Französisch. Aus Gründen der Verständlichkeit finden sich hier hauptsächlich Carols Antworten. Und weil ich kein Französisch spreche.
Gruppe: Ja!Macht ihr hier Urlaub?
Carol: Ja!Seid ihr aus einem bestimmten Grund ins Watergate gegangen?
C: Weil wir in Berlin sind! Wir haben gehört, dass es großartig ist. Die Disconacht war ziemlich gut.
Gruppe: Ja, ja! ( aufgeregtes Geschnatter auf Französisch)Un d wie ist der Vibe da drinnen? Wie sind die Leute so?
C: Großartig. Sehr gute Leute, gute Stimmung, kein Problem, kein Streit. Nichts, außer Eintritt. Leute mit großem Lächeln.Glaubst du, dass es hauptsächlich Touristen da drinnen gibt?
Gruppe: Ja! Franzosen. Viele Franzosen. Halb und halb! Scheiß auf die Franzosen!Den Leuten nach zu urteilen, ist das Watergate nicht wirklich der Lieblingsclub der Einheimischen, eher etwas für Studenten und Touristen. Vor diesem Hintergrund ziehe ich weiter zum Golden Gate, um Leute zu fotografieren, die mein Redakteur „Crusties" nennt. Und die sollte ich finden. Oder besser gesagt, sollten sie mich finden. Ich komme um 8.00 Uhr an und gehe zum Türsteher, der neben der Tür sitzt. Direkt hinter ihm sitzen ungefähr ein dutzend Partygäste, aus dem Inneren brodelt der dumpfe Bass. Ich frage, ob der Club noch geöffnet hat. Ja, 10 Euro sagt, er mir. Ich sage: Nein, ich würde gerne draußen Fotos von Leuten machen, ob das in Ordnung ist. Er lacht und sagt: Nein, natürlich ist das nicht OK. Ich entschuldige mich und gehe um die Ecke. Als ich aufsehe, merke ich, dass einige der Crusties mir gefolgt sind, inklusive diesem Typen:
Er blutet etwas, aber ich habe keine Zeit, zu fragen, warum, weil er bereits mit mir spricht. Ich verstehe nicht, was er sagt. Ich bitte ihn um ein Interview, aber er ignoriert mich und sagt etwas über Fotos. Dann geht er direkt an mir vorbei in Richtung Bahnhof. Es nähert sich ein weiterer Crustie und bittet darum, sich meine Kamera anzusehen. Er ist offensichtlich drauf und trägt Kleidung, die vor einigen Jahren vielleicht Mittelklasse war. Er lehnt sich extrem nah in Richtung meines Gesichts, also zeige ich ihm ein paar Fotos, in der Hoffnung, dass ihn das überzeugt, mich nicht umzubringen und zu fressen. Da stehen wir also im stinkenden Abwasser, der Typ und ich, ich und der Junkie, Wange an Wange unter einer Brücke, um halb neun morgens in Berlin-Mitte, und scrollen durch Fotos. Es ergibt sich folgendes Gespräch:
Unbekannter: … was?Deine Name und dein Alter und was du machst.
U: Warum? Was? Das ist zu persönlich.
U: Für?Äh, VICE?
U: OK. Es ist sehr kompakt, nicht so groß wie andere Clubs.Aber ist es auch gut?
U: Ja, es ist gut.Welche Art von Musik läuft drinnen?
U: Tech, House, Minimal.Was denkst du, wie viele Leute passen rein?
U: Keine Ahnung.Wie lange bleibst du heute hier?
U: ( Macht eine Pause) Meine Zeit ist, äh … dreizehn … ( Er m urmelt irgendetwas Unverständliches.)Sein Gehirn scheint heißgelaufen zu sein, also gehe ich einen Schritt zurück. Da kommt der erste Typ zurück und fragt nach einem Foto, also willige ich ein. Er posiert, und zwar sehr professionell, und geht dann direkt zurück in den Club. Eine Sekunde lang bin ich überzeugt, dass ich gerade Richey Edwards fotografiert habe. Dann taucht dieser Typ auf:
Wir sprechen ein wenig über Fotografie. Anscheinend hat er mal in einem Studio gearbeitet. Als ich ihn frage, ob ich seine Schuhe für ein anderes Projekt fotografieren dürfe, an dem ich arbeite, erhellt sich sein Gesicht—dieser Typ liebt Schuhe und die Idee, dass Schuhe eine Geschichte erzählen. Er erzählt mir, dass die Leute hier immer so tun, als wären sie reich und protzig, aber aufgrund ihrer Schuhe könntest du immer sehen, wer wirklich Geld hat. Wir verbringen fünf Minuten damit, die „perfekte" Aufnahme seiner Schuhe zu machen, und weil er so glücklich ist, erlaubt er mir auch, ein Porträtfoto von ihm zu machen. Er ist nicht zufrieden mit dem ersten Bild (das oben zu sehen ist), also machen wir ein weiteres, bei dem er nachdenklich in die Ferne schaut. Leider war das Foto unscharf. Wenn du das hier liest: Sorry, Kumpel.
Sergio: Wow… naja, leben.
April: Also wir sind Lebenskünstler! ( Sie sprechen Englisch mit mir, verwenden aber das deutsche Wort „Lebenskünstler" dabei.)
S: Ich versuche, Mensch zu sein. Das kann ich besser. Naja, eigentlich scheitere ich. Aber ausgebildet bin ich als Programmierer, künstlerisch gesehen bin ich Autor und was das Leben angeht, so bin ich Fotograf geworden. Also mache ich die drei Dinge als Beruf, weißt du.Ihr habt also letzte Nacht Party im Golden Gate gemacht?
A: Ja.
S: Nein, wir sind eigentlich gerade erst gekommen, wir gehen jetzt hin.
A: Ja, wir gehen hin!
S: Wir gehen nicht raus, wir gehen rein. Wir haben es geschafft, aus dem Haus zu gehen, denn wir haben ein sehr schönes Haus. Es ist schwer, aus dem Haus zu kommen, weißt du.Was denkt ihr, wie lange ihr bleibt?
A: Hängt von der Musik ab.
S: Ich komme gerade von meinem, meinem … Ich war weg aus Berlin. Also komme ich, weil ich die Musik vermisse, und werde sicher lange bleiben.
A: Ich … schaue mal.Im Anschluss an diese Begegnung gehe ich, anders als alle, die ich gerade getroffen habe, zurück ins Büro. Es ist ungefähr neun und mein Kopf tut vom Kontrast der beiden Orte, an denen ich gerade war, weh. Das Büroleben ist scheiße, aber zumindest kann ich einen Bagel essen, ohne zu kotzen, und will mir nicht das Gesicht abnagen, weil ich von den Drogen runterkommen muss.**