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Neues Musikvideo

Wir haben den halbstündigen Disstrack von Spongebozz gehört, weil wir unser Leben hassen

SpongeBozz und Sun Diego haben sich anscheinend vorgenommen, sich in Rapdeutschland so richtig unbeliebt zu machen—und es Kollegah heimzuzahlen.

von Noisey Staff
10 Januar 2017, 2:01pm

Fotos: Screenshots von YouTube aus dem Video „SFTB/Apocalyptic Infinity" von SpongeBozzTV

Es gibt in Rapdeutschland einen Typen, der es für eine gute Idee hielt, sich ein Spongebob-Kostüm überzustülpen. Und nicht nur er, auch seine zahlreichen Fans, die sein letztes Album Planktonweed Tape kauften und es auf Platz Eins der deutschen und österreichischen Albumcharts katapultierten, hören der klischeeüberladenen Gangster-Version des gelben Schwammes offensichtlich gerne zu. Wer hinter dem Kostüm steckt, sich SpongeBOZZ nennt und seine Postings gerne mit „HÄHÄÄ" beginnt? Weiß keiner (als ob ... ), aber es wird vermutet (ist so), dass Kollegahs ehemaliger Kumpel Sun Diego diese Nummer abzieht. Jetzt hat der BOZZ sich mit einem fast halbstündigen Musikvideo zurückgemeldet, in welchem jede Menge Rapper beleidigt werden. Wenn uns Kollegahs 18-minütiges „Fanpost 2" eins gelehrt hat, dann, dass absolut niemand Bock auf überlange Wiederholungen der immergleichen Dissphrasen hat. Trotzdem haben wir jetzt bei SpongeBozz' „SFTB/APocalyptic" auf Play gedrückt, weil … Nunja, weil wir unser Leben hassen.

Das Video beginnt wie eine stinknormale Folge Spongebob Schwammkopf: Es werden fröhlich guckende Untergrundbewohner gezeigt. SpongeBOZZ singt aber nicht naiv-kindlich von Krabbenburgern, sondern von seinem harten Aufwachsen im Plattenbau. Warum er plötzlich auf authentisch macht, obwohl er ein verdammtes Schwamkostüm trägt, dadurch ja schon rein optisch in eine andere Rolle schlüpft und das ein Widerspruch ist, bei dem wir unser Gesicht genervt mit beiden Händen verdecken?? HÄHÄÄ! Nebenbei fällt auf, dass er jetzt nicht mehr ganz so quäkig versucht, die Spongebob-Stimme zu imitieren. Ein schwacher Trost.

Es folgt eine Nacherzählung seines steilen Aufstiegs, seine Gewinne beim YouTube-Battle seines Gönners JuliensBlog, dass alle sagen, er rappe wie Sun Diego, dass er es trotzdem gegen alle Widerstände geschafft hat und ... Dies das Ananas-Haus. Dazu tänzelt er vor einem Helikopter, irgendwann geht es plötzlich in eine Großraumdisko, weil da ja Frauenhintern in Nahaufnahme und Zeitlupe gezeigt werden könnten. Immer wieder wird auch ein Typ mit gelbem Tuch vor dem Mund gezeigt, der die Parts des Schwammes mitrappt. Ist das der Sun Diego!?  

Dann beschwert er sich, dass die Indizierung seines Planktonweed Tapes zur Folge gehabt hätte, dass er sich keine goldene Schallplatte an die Wand hängen darf und er jetzt der Polizei den Krieg erklärt: „Auf der Kugel steht dein Name, Polizeichef Berlin." Gut, dass er nebenbei immer wieder betont, ein Koksdealer zu sein. Es folgen wieder selbstreferenzielles Geblubber und ständige Wiederholungen der Drake-samplenden Hook. Plötzlich geht der Beat aus, und der nächste Song „Apocalyptic Infinity" beginnt. 

SpongeBOZZ erhöht das Tempo seines Rumgeblubbers noch mal, nichts bleibt hängen, bis irgendwann der YouTuber ApoRed eine Line abbekommt: „Es ist der G-Schwamm, der Skimaske plus Machineguns in Jeansjacken trägt / An dessen gelber Faust gleich ApoReds Lidschatten klebt." Überhaupt beschwert sich der BOZZ überraschend oft über die deutsche Rapszene, die seiner Meinung nach nur aus „Fakehoes" besteht. Wie heißt es doch so schön? Wer im Pool sitzt, sollte sich jeden Furz gut überlegen? Zum Beispiel, ob man sich wirklich beschweren sollte, dass Rapper wie Drake singen—kurz nachdem man ebendiesen gesampelt und selbst tief in die Autotune-Kiste gegriffen hat, um die Töne zu treffen. Man kann aber auch einfach gleich noch behaupten, Trap und Autotune in Deutschland etabliert zu haben und Julien ins Video holen.

Das Klopfen auf die eigene eckige Schulter geht gefühlt noch stundenlang so weiter, bis ein neuer Beat einsetzt, Kay One eine „Schelle" kassiert, noch ein neuer Beat einsetzt und wieder ein paar Rapper beleidigt werden: „Ich schieß' Karate Andi, 257ers und Genetikk von der Jobbingcentertreppe." Alle drei Acts sind beim erfolgreichen Deutschraplabel Selfmade gesignt und haben voriges Jahr Alben veröffentlicht. Wird also erstmal keine Arbeit fürs Jobcenter geben. Geht aber schon munter weiter, wenn MoTrip als „Flowbiter" bezeichnet wird, der jeden Feature-Part annimmt. Was fällt ihm ein, so fleißig zu sein! Fler, die „Nazicrackhoe" wird vom BOZZ durchsiebt, Sami Slimani auch, die Juice ist doof, Niko Backspin und Falk Schacht „abstoßende Realkeeper", Money Boy ist auch blöd, nur Rooz ist cool. Mies.

Und als wir denken, uns kann nichts egaler sein, taucht plötzlich Sun Diego auf, der irgendwann gegen seinen einstigen Partner Kollegah dichtet. Es ist ja der erste Auftritt des Rappers seit zwei Jahren—und dann noch in einem Video von SpongeBOZZ. Dann KANN er ja gar nicht unter dem Kostüm stecken, oder? Wer sagt denn, dass nicht Kollegah selbst unter dem Kostüm steckt? Hat die beiden jemals einer schonmal in einem Raum gesehen? Na bitte. 

Sun Diego jedenfalls wirft Kollegah vor, den Takt nicht zu treffen, trotz „Fanpost 2" den Beef gegen Fler verloren zu haben, sowieso nicht mehr auf dem Höhepunkt, fake und dazu noch homosexuell zu sein. Dann beschwert er sich noch, nicht fair für seine aktive Mitarbeit an Kollegahs Album Bossaura bezahlt worden zu sein. Ganze sieben Minuten darf Sun Diego alles rauslassen, was er nach eigener Angabe seit 2011 aufgestaut hat—nur leider in einem Video von SpongeBozz.

Das Video ist vorbei und wir lehnen uns erschöpft zurück, während die Ankündigung für das neue SpongeBOZZ-Album eingeblendet wird. Handwerklich war das alles ja gut gemacht, inhaltlich dann aber doch lange nicht so unterhaltsam wie dieser Spongebob-Clip, der das Musikvideo eigentlich auch perfekt zusammenfasst:

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