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London

Champagner und Jakobsmuscheln—was isst ein Sugar Baby in London?

Lula ist ein Sugar Baby, das vor gut einem Jahr nach London gezogen ist. Dort macht sie gerade ihren Doktor und lässt sich von Männern großzügig dafür bezahlen, mit ihnen auf Partys zu gehen und dekadent in exklusiven Restaurant Abend zu essen.

von Karley Sciortino
19 Januar 2015, 10:59am

Photo via Flickr user Robert Young

Ein Sugar Baby ist ein junger Mann oder eine junge Frau, die von einem Sugar Daddy oder einer Sugar Mommy finanziell verhätschelt und umsorgt wird und im Gegenzug seine/ihre Gesellschaft anbietet. Willkommen zu Sugar Babies, eine Kolumne über Sugar Babys und darüber, was sie auf ihren Dates so essen.

Lulas Sugar Baby-Story ist anders als die der meisten—es hat eher etwas von einem Märchen. Lula wuchs in Neuseeland auf und zog vor gut einem Jahr nach London, wo sie derzeit ihren Doktor macht. Um ihren Unterhalt zu verdienen, arbeitet sie im Lebensmittelmarketing. Die meisten „Beziehungen zum gegenseitigen Vorteil", wie sie oft genannt werden, entstehen heute über Sugar Daddy-Dating-Websites. Lula hingegen kam aber ganz zufällig zu ihrem Sugary Daddy. In der einen Minute unterhielt sie sich ganz unschuldig mit einem Fremden in einer Kunstgalerie und in der nächsten schicken ihr europäische Geschäftsmänner Designerkleider zu, bezahlen sie dafür, dass sie Partys besucht und versorgen sie mit glamourösem Junk-Food.

Es ist wie eine moderne Cinderella-Story—nur ohne den Dienstmädchen-Teil.

MUNCHIES: Wie genau hast du deinen Sugar Daddy kennengelernt? Lula: Ich war erst seit drei Monaten in London. Ich besuchte mit einer Freundin eine Vernissage und unterhielt mich mit ihr über ein Gemälde von Nelson Mandela. Dieser Mann, ungefähr Mitte 50, kam auf uns zu und schaltete sich ins Gespräch ein. Irgendwann kamen wir darauf zu sprechen, dass ich für ein Unternehmen in der Lebensmittelbranche arbeitete und leidenschaftlich gerne koche, worauf er sagte: „Komm doch mit mir zum Abendessen im Arts Club in der Dover Street." Er sagte, es wäre ein Club nur für Mitglieder, der 1860 gegründet wurde, was sehr interessant klang. Ich dachte mir, das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass er ein komischer Typ ist und ich dann verschwinde. Also bin ich hingegangen.

Kannst du den Arts Club beschreiben? Es ist ein unglaubliches Gutshaus im alten Stil, das zu einem Privatclub umgewandelt wurde. Er nahm mich mit nach unten in den Jazzclub. Dort gibt es ein „Spezialmenü des Kochs", das sich jeden Tag ändert. Als Vorspeise gab es Jakobsmuschel- und Maroni-Dim Sum und Frühlingsrollen mit Ente. Als Hauptspeise bekam ich ein sautiertes Fischfilet. Sie servieren den rohen Fisch auf einem heißen Teller und kochen ihn direkt vor dir; das ist echt ein Erlebnis. Gregory hatte Wachtel, das war so komisch—sie brachten den ganzen Vogel zum Tisch und schnitten dann das Tier auf, sodass die Federn zur Seite fielen und drinnen war perfekt gekochtes Fleisch. Ich dachte mir nur, Oh mein Gott, da ist ein richtiger, ganzer Vogel auf deinem Teller. Die Briten essen sehr viele komische Vögel.

Stimmt. Hattest du Spaß mit Gregory? Fandest du ihn attraktiv? Ja, er ist sehr nett, clever und charmant. Er ist geschieden, leitet sein eigenes Unternehmen und hat eine Tochter, die ungefähr in meinem Alter ist. Er sieht sehr gut aus und ist trainiert. Wenn du ihm auf der Straße begegnen würdest, würdest du dich vielleicht nicht unbedingt nach ihm umdrehen, aber er hat etwas. Es ist ein Klischee, dass Frauen Macht anziehend finden, aber er gibt wirklich den mächtigen Macker, und ich glaube, damit hat er mich rumgekriegt.

Hat er dich dafür bezahlt, dass du mit ihm Abendessen warst? Wann wurde klar, welche Art von Beziehung es ist? Ja, das war sehr merkwürdig. Nach dem Abendessen fuhr er mich nach Hause und drückte mir einfach 500 Pfund (ca. 650 Euro) in die Hand. Ich habe wohl sehr verwirrt und beleidigt ausgesehen und er sagte darauf nur: „Oooh, das ist dein erstes Mal?" Natürlich zog ich sofort voreilige Schlüsse und sagte zu ihm: „Ich schlafe ganz bestimmt nicht mit dir!" Und dann gab ich ihm das Geld zurück. Er sagte nur: „Schau mal, ich bin nicht wahnsinnig—du bist eine schlaue, hübsche, junge Frau. Du musst deine Zeit nicht mit mir verbringen." Er erklärte mir, dass es auf der Suche nach einer Begleitung war (mit Köpfchen), die er zu Abendessen und Veranstaltungen mitbringen könne. Er reise viel und wolle keine richtige Freundin, aber ich glaube, er fühlt sich manchmal einsam. Er sagte zu mir, wenn ich bereit bin, diese Dinge zu tun, würde er mich mit Geld und mit Geschenken belohnen. Dann fragte er mich: „Hast du schon einmal vom Konzept eines Sugar Babys gehört?" Ich verneinte und er sagte im Grunde zu mir, ich solle es googeln.

Das ist so witzig. Es gibt so viele Websites, die diese Art von Beziehung vermitteln und du bist auf so natürlich Weise in diese Situation geraten, ohne überhaupt zu wissen, was ein Sugar Baby ist. Ja, ich weiß! Zwei Wochen später rief er mich an und sagte, „Ich gehe auf eine Kunstveranstaltung im Kensington Palace. Es gibt einen Dresscode, deshalb brauche ich deine Kleider- und Schuhgröße." Am nächsten Tag stellte mir ein Kurier ein bezauberndes Valentino-Kleid und High Heels zu. Die Veranstaltung war unglaublich. Erst da wurde mir klar, wie viel Spaß mir diese Beziehung bringen könnte.

Wie ging es dann weiter? Nachdem ich mich einige Monate mit Greg getroffen hatte, sagte er zu mir, er wolle mir zwei seiner Freunde vorstellen, die auf der Suche nach dem gleichen Service waren. Er organisierte ein Treffen in einem wunderschönen Hotel in Mayfair, im Brown's Hotel. Das Restaurant dort ist fantastisch. Er bestellte Rindfleisch mit Senfkrörnerkruste. Das Menü hatte etwas von einem traditionellen britischen Sonntagsbraten, nur besser—es gab Kartoffeln, Cremespinat und Salat.

Moment mal, Greg vermittelt dich an seine Freunde? Als Partybegleitung, ja. Alle drei arbeiten in unterschiedlichen Branchen, also müssen sie sich keine Sorgen machen, dass sie die gleichen Events besuchen. Einer von ihnen ist Chinese und arbeitet im Finanzwesen, der andere ist ein russischer Ölmagnat. Das Treffen mit ihnen war das eigenartigste Interview aller Zeiten. Sie wollten wissen, was ich studiert habe, meine politische Gesinnung, wie ich aufgewachsen bin. Es war heftiger, als ich mir das vorgestellt hatte.

Wieso müssen diese Typen ein Mädchen dafür bezahlen, damit es mit ihnen ausgeht? Ich weiß es nicht genau. Keiner von ihnen ist besonders attraktiv. Der Russe ist sogar verheiratet. Seine Frau lebt in Moskau und reist nicht gerne, weil sie lieber zu Hause bei den kleinen Kindern bleiben möchte. Komischerweise habe ich mich schon mit ihr unterhalten und sie empfiehlt Kleider für mich, die ich zu Events anziehen soll. Mit ihm fühlt es sich sehr nach einer reinen Arbeitsbeziehung an.

Ist es nicht eigenartig oder gar peinlich für die Ehefrau, wenn ihr Mann mit einer anderen Frau bei Events auftaucht? Er und seine Frau haben eine Art Übereinkommen, aber ich habe ihn nie dazu gedrängt, mir davon zu erzählen. Ich war bisher nur zwei Mal mit ihm aus. Den anderen Typen, denke ich, geht es darum, sich selbst in ein besseres Licht zu rücken, wenn sie eine Begleitung haben, die gut aussieht und sich gleichzeitig in die Unterhaltungen einbringen kann. Ich ging einmal mit dem Chinesen auf eine Party der Asia Society in London und es war ein Witz: Alle Typen hatten eine dieser klischeehaften, osteuropäischen, blonden Eskortladys, die wie Supermodels aussahen und nur gebrochenes Englisch sprachen. Und dann war da ich, die wirklich nicht in dieses Profil reinpasst. Greg sagte einmal zu mir: „Alle meine Freunde und ihre Frauen glauben, du wärst meine richtige Freundin und nicht nur so ein Püppchen, das ich für den Abend gemietet habe." Es kann aber schon unangenehm werden, wenn ein Typ dich zu privateren Events mitbringt und seine Freunde plötzlich zu dir sagen: „Wir gehen über die Weihnachtsferien alle Ski fahren, kommt doch mit!" Dann muss ich mir irgendeine Notlüge überlegen, wie, dass ich über Weihnachten in Neuseeland bin oder so.

Magst du Gregs Freunde so gern wie ihn? Nein, nicht wirklich. Ich respektiere sie, aber sie sind beide ziemlich langweilig. Ein Event, das ich mit dem Chinesen besuchte, war aber wirklich großartig. Es war der Launch eines neuen Produkts von Sony und fand im Shard statt, dem höchsten Gebäude Londons. Im obersten Stock gibt es ein Restaurant, von dem aus man einen Ausblick auf die ganze Stadt hat. Es war eine Silent Disco, also hatten alle diese Kopfhörer auf und tranken Champagner. Im Restaurant hatten mehrere erstklassige Köche ihre eigene Kochstation aufgestellt und sie bereiteten das Essen direkt vor dir zu. Ich ging zum Koch von Zuma, einem fantastischen japanischen Restaurant in Knightsbridge, hin. Eine seiner Spezialitäten ist frittierter Aal in Teriyaki-Sauce in einer riesigen Teigtasche so groß wie meine Hand.

Zahlen dich die Männer für jedes Event? Kaufen sie dir jedes Mal ein neues Kleid? Ja, ich bekomme immer 500 Pfund (ca. 650 Euro). Greg lässt mich mittlerweile meine Kleider selbst aussuchen, aber der Russe besteht darauf auszusuchen, was ich zu den Veranstaltungen trage. Ehrlich gesagt trage ich sonst eher Jeans, T-Shirt und grobe Stiefel. Wenn ich das Kleid also nicht absolut liebe, dann verkaufe ich es einfach auf eBay. Eins von Greg habe ich um 3000 Pfund (ca. 3900 Euro) verkauft.

Wow, du machst also massenhaft Geld damit? Ich konnte mein Doktoratsstudium ohne Kredit im Voraus bezahlen, was super ist. Ich mache das erst seit sieben Monaten und habe ein bisschen mehr als 20.000 Pfund verdient. Ich arbeite nebenbei noch Vollzeit und versuche Geld auf die Seite zu schaffen, um mir eine Immobilie in Neuseeland zu kaufen, die ich dann vermiete.

Wow, das ist clever. Erzähl uns doch von einer der interessantesten Erfahrungen, was Essen betrifft, die du als Begleitung dieser Männer gemacht hast. Ich war einmal mit dem Russen unterwegs, wir verließen gerade eine Party, auf der es nur Fingerfood gab und ich war am Verhungern. Er sagte, er kenne ein Restaurant, das 24 Stunden offen hat, was es in London im Prinzip nicht gibt, also hatte ich so etwas wie McDonalds erwartet. Überraschenderweise fuhren wir zu einem hohen, unauffälligen Bürogebäude hin und nahmen den Lift in den 40. Stock. Plötzlich standen wir in diesem Wahnsinnsrestaurant mit raumhohen Fenstern und einem unglaublich Ausblick über die Stadt. Es heißt The Duck and Waffle und die After-Hour-Karte ist voll von exklusivem, aber fettigem Essen. Wir hatten frittierten Entenschenkel mit Speck und Sirup auf einer Waffel. Es war so lecker.

Das klingt gefährlich. Hattest du schon einmal Sex mit Gregory? Ja. Wir waren auf einer Veranstaltung und es war ein sehr flüssiger Abend. Wir trafen uns seit drei Monaten und er hatte nicht einmal versucht, meine Hand zu halten. Im Taxi auf dem Weg nach Hause sagte ich zu ihm: „Schau, ich muss dich einfach fragen: Bist du schwul? Oder was ist los?" Er sagte darauf: „Naja, du hast mir nach unserem ersten Abendessen gesagt, du willst mit mir nicht schlafen und dafür habe ich Verständnis." Ich sagte: „Kein Mann hat Verständnis, wenn ein Mädchen so etwas zu ihm sagt!" Es war witzig. Dann gingen wir in sein Hotel. Der Sex war gut. Nichts Verrücktes, aber gut. Seitdem war er ein paar Mal mein Booty-Call.

Wirst du ihn noch weiterhin im Rahmen der Arbeit sehen? Ja. Es klingt vielleicht komisch, aber ich sehe ihn wirklich als Freund. Obwohl wir ein Mal gestritten haben. Wir unterhielten uns kürzlich sehr lange beim Abendessen über Feminismus und er sagte zu mir, dass ich offensichtlich keine Feministin sein könne, weil ich ansonsten kein Sugar Baby wäre. Das machte mich sehr wütend. Beim Feminismus geht es nicht darum, Regeln und Richtlinien zu schaffen, es geht um Autonomie. Wenn ich eine Mikrobiologin wäre und dann zur Hausfrau und Mutter werden würde, während mein Mann den Unterhalt verdient, wäre das OK, solange es meine eigene Wahl war. Wenn ich eine niveauvolle Partybegleitung sein möchte, dann kann ich das auch tun, weil es mein Körper ist. Was mich zur Feministin macht, ist, dass ich Entscheidungen treffe, die auf meinen Bedürfnissen und Wünschen beruhen, ohne dass die Gesellschaft, oder Männer, oder irgendjemand mir sagt, was ich tun darf und was nicht.