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Kaffeekultur

Mädchen in Südkorea hungern für einen Starbucks-Kaffee

Die Südkoreaner sind verrückt nach Starbucks. In der Hauptstadt Seoul gibt es mehr Filialen als in jeder anderen Stadt. Doch der Kaffee hat seinen Preis.
22.1.15
Photo via Flickr user Neil Conway

Wenn es um Kaffee von Starbucks, mit mehr als 21.000 Standorten in über 65 Ländern, geht, scheint es keine goldene Mitte zu geben. Entweder du liebst die typischen dunkel gerösteten Bohnen oder du holst dir lieber eine Tasse von deinem Coffee Shop um die Ecke. Manchmal manifestieren sich diese persönlichen Vorlieben auf nationaler Ebene: In Australien beispielsweise, wo die Craft Coffee-Bewegung boomt, wird Starbucks immer wieder dankend abgelehnt und folglich mussten zahlreiche schlecht besuchte Filialen schließen. In Südkorea hingegen sind sie verrückt nach Starbucks. Die Hauptstadt, Seoul, hat die meisten Niederlassungen in einer Stadt: 284 waren es letzten Sommer.

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Das ist eine überraschende Zahl für ein Land, dessen Nationalgetränk eigentlich nicht Kaffee, sondern Soju ist. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass die Koreaner sich weitgehend von ihren Traditionen loslösen, wenn es um ihre Ess- und Trinkgewohnheiten geht. Laut International Business Times, die die Ergebnisse der südkoreanischen Studie erklärten, hat Kaffee Kimchi—das Nationalgericht Südkoreas—im Wettlauf um das am meisten konsumierte Nahrungsmittel des Landes überholt. Die Studie zeigte, dass Südkoreaner durchschnittlich 12,2 Mal Kaffee pro Woche trinken, Kimchi, das schon seit dem 16. Jahrhundert Bestandteil der koreanischen Ernährung ist, hingegen nur 11,9 Mal pro Woche essen, weißen Reis sogar nur 6,9 Mal.

Die erste Filiale eröffnete Starbucks in Südkorea im Jahr 1999 auf dem Campus einer angesehen Universität für Frauen. Die Südkoreaner reagierten auf den Kaffee der Kette mit erstaunlicher Gier und als das Unternehmen weitere Filialen eröffnete, entwickelte es sich zu einem Statussymbol. In Seoul ist eine Tasse des Gebräus mit umgerechnet 3,30 Euro für einen kleinen Americano, der in Deutschland nur 2,40 Euro kostet, in Amerika gar nur 2,25 Dollar (1,95 Euro), eine ziemlich teure Angelegenheit. Es scheint also, die Vorliebe der Südkoreaner für dieses Getränk hat mindestens genau so viel mit ihrem Wunsch, modisch zu sein zu tun, als damit, dass es ihnen so gut schmeckt.

„Wenn man die Straße runter läuft, sieht man, dass die Pappbecher von Starbucks und anderen Ketten zu einem Statussymbol geworden sind—ähnlich wie wenn man eine teure Handtasche trägt", sagte Daniel Jong Schwekendiek, ein Professor an der Sungkyunkwan University in Südkorea, zu NBC News in einem Artikel.

Kaffee ist in Südkorea Statussymbol. Daraus hat sich ein Phänomen entwickelt, das als doenjang oder „Bohnenpastenmädchen" bekannt ist. Der Begriff bezeichnet junge Frauen, sie so darauf bedacht sind, sich diesen Luxus leisten zu können, dass sie beim Essen sparen. Doenjang ist eine fermentierte Sojabohnenpaste, aus der man eines der billigsten Gerichte des Landes herstellt, doenjang jjigae, eine Art Eintopf mit allen möglichen Zutaten. Der koreanische Rapper Psy—könnt ihr euch noch an den Typen erinnern?—popularisierte diese Phrase (und machte sich über die soziale Klasse, die sie beschreibt, lustig) Ende 2012 mit seinem Hit „Gangnam Style", der das Internet im Sturm eroberte. „Ein Mädchen mit Klasse weiß, wie man eine Tasse Kaffee genießt", rappt er scheinbar sarkastisch in diesem Song.

Die Kaffee-Besessenheit der Südkoreaner scheint derzeit kein Ende zu haben: Das Land produzierte 2013 657.000 Tonnen Kaffeebohnen, ein riesiger Sprung im Vergleich zu den 255.000 Tonnen zehn Jahre zuvor. Starbucks ist nicht die einzige Wahl, die Seouls Hipster-Jünglinge haben. Auch die amerikanischen Ketten The Coffee Bean und Tea Leaf sowie die italienische Kette Pascucci eröffnen Filialen in der ganzen Stadt. Wenn so viele junge Frauen auf herzhafte Mahlzeiten verzichten, um sich ihren Java-Kaffee leisten zu können, bleibt uns nur zu hoffen, dass es genügend Sojabohnenpaste für alle gibt.