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Hollywood

Wie ich Party-Machen zur Karriere machte

Bei Partys sollte es nicht nur darum gehen, am Arschloch-Türsteher vorbeizukommen oder auf der Gästeliste zu stehen. Eigentlich sollte nur zählen, dass du locker drauf bist und einfach nur eine gute Zeit haben willst.

von Jeremy Fall
20 Juni 2016, 10:00am

Photo courtesy of Christine Solomon

Pleite zu sein bedeutet Macht, davon war ich immer überzeugt: Je weniger man hat, desto kreativer wird man. Dann kreiert man (meistens) etwas viel cooleres als mit Millionen Dollar in der Tasche und super Connections.

Das trifft vor allem zu, wenn es um Bars, Club oder Restaurants geht. Im Nachhinein kann sich wenig Geld als Segen herausstellen. Mir ging es mit meinen Clubs in Hollywood so, dem Golden Box und dem Genesis. Ohne Geld oder Hilfe von anderen habe ich beide mit ein paar Freunden aus dem Boden gestampft, was unter Anbetracht der Tatsache, dass sie auf einer Touristenmeile mit den höchsten Mietpreisen der Stadt liegen, eine ziemliche Leistung ist.

Viele verstehen das nicht, aber auch in Clubs und Bars—so beschissen wie einige auch sind—geht es um Gastfreundlichkeit. Es sollte sich nicht nur darum drehen, irgendwie am Arschloch-Türsteher vorbeizukommen, seinen Namen auf die Gästeliste zu bekommen oder horrende Eintrittspreise zahlen zu müssen. Es sollte auch nicht darum gehen, ob du jemand bist oder nicht, oder ob der Club einen Flaschenservice anbietet und dir hochwertigen Alkohol direkt an deinen Privattisch bringt, oder dass du nur in den Club kommst, wenn du auch ja ordentlich Geld ausgibst.

Eigentlich sollte nur zählen, dass du locker drauf bist und einfach nur eine gute Zeit haben willst.

Es gibt in Hollywood so eine unsichtbare Grenze, die es verhindert, dass Menschen aller Klassen gemeinsam Spaß haben können, wie diese roten Absperrseile. Die will ich loswerden. Partys müssen keine Diktatur sein,sondern können ganz demokratisch sein, etwas an dem jeder Spaß haben kann.

Das habe ich zusammen mit meiner Leidenschaft für das Nachtlebenund das Gastgewerbe glücklicherweise schon mit 16 erkannt. Damals veranstaltete ich straight-edge Pop-up-Partys an den Abenden, wo in den Clubs in der Gegend eh nicht viel los war. Ein paar Teenager kamen vorbei und es gab alkoholfreie Cocktails mit Red Bull. Das habe ich ein paar Jahre lange im Sommer jeden Montag durchgezogen und es wurde ein echter Erfolg.

Durch meine Mutter, der früher Restaurants gehörten, lernte ich viel über das Gastgewerbe. Aber als ich ihr erzählte, dass ich einen Club aufmachen wollte, flehte sie mich an, es nicht zu tun.

Weil ich für eine demokratischere, eine offenere Clubkultur bin, kommen alle möglichen Leute, die einfach nur mal loslassen und ganz sie selbst sein wollen, weil sie hier, glaube ich, das Gefühl haben, sich nicht verstellen zu müssen und weil sie nicht so tun müssen, als seien sie übermäßig reich. Früher war es so, dass Leute wie Paris Hilton—und andere aus der Zeit von The Hills—in Clubs rumhingen und scheiß viel Geld für riesige Flaschen Alkohol auf den Kopf hauten. Mittlerweile hängen selbst Celebritys lieber in Silverlake und East Hollywood ab—hier ist alles ein bisschen lockerer und es gibt keinen roten Teppich.

nightclub and cops

Die Polizei von L.A. patrouilliert vor dem Golden Box. Foto mit freundlicher Genehmigung von Jeremy Fall

Ironischerweise ist es leider so, dass viele meiner Partys von der Polizei beendet wurden, weil sich vor meinen Clubs richtige Menschentrauben bildeten. Es wollen einfach zu viele Leute Spaß haben. Das ist zum Glück mal ein Problem der angenehmeren Art.

Aufgezeichnet von Javier Cabral