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Wodka trinken wie ein (polnischer) Profi

Wenn's ums Trinken geht, haben Polen einfach den Dreh raus: Abends ordentlich einen im Tee, morgens kein dicker Kopf. Wie machen sie das?

von Margarethe Honisch
15 April 2015, 2:53pm

Du fragst dich, warum in Polen so viel Wodka getrunken wird? Die Antwort ist ganz einfach: Die Polen wissen einfach, wie man sich am Abend einen schönen Rausch ansaufen kann, ohne am nächsten Tag mit einem dicken Kopf aufzuwachen.

Solltest du einmal die Gelegenheit haben, nach Polen zu reisen und zum Kaffee eingeladen werden, mach dich darauf gefasst, dass sobald du den letzten Tropfen Kaffee genüsslich heruntergeschluckt hast, schon die erste Flasche Wodka auf den Tisch gestellt wird.

Auch wenn dir das Wodkatrinken nicht in den Genen liegen sollte, weil deine Vorfahren lieber zur Bierflasche griffen, kannst du dieses gesellige Besäufnis am Nachmittag mühelos überstehen. Dazu musst du nur ein paar Regeln beachten.

Die wichtigste Regel lautet: Bleib beim Wodka!

In Polen sagt man: „Wodka macht keinen schweren Kopf". Und das stimmt sogar. Denn bei einem qualitativ guten Wodka sind alle Stoffe, außer seinem Alkohol und Wasser, herausgefiltert und destilliert. Ganz im Gegensatz zu anderen Branntweinen wie Whisky oder Cognac, die durch die Fasslagerung geringe Fremdstoffe enthalten. Bleib also bei deinem Wodka und komm nicht auf die Idee, ihn mit Bier oder Wein runterzuspülen. Du wirst keinen Polen sehen, der das macht. Vielmehr wird zum Wodka entweder Wasser oder Saft getrunken.

Um bei einer polnischen Trinkrunde nicht als Erster unterm Tisch zu liegen, kommt es auch auf die passenden Lebensmittel an.

Wie die Franzosen ihren Rotwein am liebsten zu Camembert oder Beaufort genießen, gehört für jeden Polen ebenfalls eine passende kulinarische Begleitung zu ihrem „Wässerchen". Diese mag vielleicht weniger exquisit oder en vogue sein, aber dafür umso effizienter hinsichtlich der Alkoholzähmung.

Spätestens jetzt hört jeder Pole damit auf, an seine Weight-Watchers-Punkte zu denken und stürzt sich auf die reichhaltigen und mundgerechten Häppchen. Die gehören in Polen zum Wodka wie in Bayern die Weißwurst zum Weißbier. Meistens wirst du mehrere polnische Wurstspezialitäten vorfinden: Krakauer, Blutwurst, Graupenwurst, geräucherter Schinken und vieles mehr.

Angeblich sollen ja fetthaltige Lebensmittel die Alkoholzufuhr im Blut verlangsamen. Die Ernährungsexpertin Laura Hagen belehrt uns allerdings eines Besseren: Der einzige Grund für den Irrglauben: „Essen, egal ob Fett oder nicht, verzögert die Aufnahme lediglich, weil sich der Alkohol und die Nahrung im Magen vermischen und dieses Gemisch insgesamt mehr Zeit braucht, um verdaut zu werden und um in die Blutbahn zu gelangen."

Davon hat sich allerdings auch schon Adenauers Staatssekretär Hans Globke täuschen lassen und bestand darauf, dass die gesamte deutsche Delegation bei einem Staatsbesuch in der Sowjetunion vor dem Wodkagenuss einen Teelöffel Speiseöl zu sich nahm. Vorsorglich hatte er gleich einen ganzen Kanister davon mitgenommen.

Zurück zur Wurst: Bevor jetzt alle Vegetarier und Veganer über so viel totes Tier aufschreien, muss man sagen, dass natürlich auch schweinefreundliche Lebensmittel auf dem Tisch stehen. Manchmal. Hintergrund ist vermutlich, dass viele Polen noch etwas traumatisiert sind von den 80er-Jahren, als Wurst und Fleisch knapp waren und sie für ein Paar Wiener am Samstagmorgen um 6 Uhr stundenlang anstehen mussten. Hatte man Pech, hatte der Metzger die gesamte, wenige Ware bereits verkauft, bevor man an die Reihe kam.

Pilze immerhin waren nie Mangelware und jeder Pole, der was auf sich hält, verbringt seine Herbstnachmittage im Wald beim Pilzesammeln. Die stolze Beute wird—wenn nicht direkt verzehrt oder getrocknet—eingelegt und zum Wodka gereicht. Und jeder, der jetzt aufschreit, weil er gehört hat, dass die Kombination aus Pilzen und Alkohol ihn ins jenseits befördern kann, den kann Frau Hagen beruhigen: „Für Alkohol gilt: mit Maß und Ziel genossen, ist er zu Pilzen kein Problem, denn die Dosis macht das Gift!"

Solltest du Vegetarier sein oder immer noch Angst haben beim Herunterschlucken eines schleimigen Steinpilzes tot vom Stuhl zu fallen, kannst du auf salzige Essiggurken zurückgreifen. „Sauer eingelegte Gurken beugen einem Kater vor, indem sie dem Körper Mineralien zuführen, die bei starkem Alkoholkonsum durch gesteigerte Ausscheidung von Wasser dem Körper entzogen werden", erklärt die angehende Pharmazeutin Anna Stich. Optimal wäre es, sowohl Mineralien als auch Wasser zwischendurch aufzunehmen, um den Verlust auszugleichen."

Trotz all dieser Vorkehrungen gehen die Polen allerdings noch mal auf Nummer sicher, den Kater zu umgehen, indem sie bei jedem Gläschen auf die Gesundheit trinken: na zdrowie!

Foto:|Chris Kurbjuhn| Flickr | CC BY 2.0