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Wenn die Russenmafia dein Restaurant finanziert

Zwielichtige Gestalten, Kunden mit latentem Aggressionspotential und mysteriöse Einbrüche: Mit der russischen Mafia sollte man sich nicht anlegen.
Foto mit freundlicher Genehmigung des Autors

Willkommen zurück zu den Restaurant Confessionals, wo wir den Leuten aus der Gastronomie eine Stimme geben, die ansonsten viel zu selten zu Wort kommen. Hier erfährst du, was sich hinter den Kulissen in deinen Lieblingsrestaurants so alles abspielt. Heute erzählt uns ein Restaurantbesitzer, welche Erfahrungen ein Geschäftspartner seiner Eltern mit der russischen Mafia gemacht hat.

Wenn dein Restaurant nicht läuft, greifst du als Besitzer schnell zu verzweifelten Maßnahmen.

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So erging es auch meiner Familie: Ihnen gehörte zusammen mit einem dubiosen Typen ein beliebtes Restaurant im San Fernando Valley im Nordwesten von Los Angeles. Weil sich meine Eltern scheiden ließen, teilten sie sich das Restaurant zur Hälfte mit einem Geschäftspartner—auch die finanzielle Verantwortung. Das war damals ganz schön hart für alle.Mein Vater musste sich zu Wucherzinsen Geld bei privaten Kreditinstituten leihen, wir sind nur knapp über die Runden gekommen.

Der Geschäftspartner meiner Eltern hatte aber bereits jedes Recht auf einen normalen Kredit bei einer Bank oder anderem halbwegs vertrauenswürdigen Kreditgeber verwirkt, weshalb er sich an die russische Mafia wenden musste. Von da an wurde alles nur noch beschissener.

Ich habe damals nicht eins und eins zusammengezählt, erst als ich dann später mein eigenes Restaurant eröffnete, musste ich selbst erfahren, welchen Einfluss die Mafia und Gangs immer noch in Los Angeles haben. Aber die Zeichen waren eigentlich eindeutig: Ich erinnere mich noch, wie damals immer ziemlich düstere Typen zu uns ins Restaurant kamen und mit ihrem russischen Akzent nach dem Geschäftspartner meiner Eltern fragten, der sich irgendwo verkrochen hatte und mir aufgetragen hatte, ich soll einfach sagen, dass er nicht da ist. Das passierte ein paar Mal die Woche.

Dann wurde es richtig abgefahren. Einmal wurde in unser Restaurant eingebrochen ohne irgendwelche Einbruchsspuren. Sie hatten unseren Safe geknackt, der sich in einem Hinterzimmer befand, hinter einem Gitterkasten und überhaupt mit all den ganzen Sicherheitsextras.Kurz danach ist jemand bei unserem Geschäftspartner eingebrochen, hat alles verwüstet, aber nichts geklaut. So als kleine private Nachricht an ihn, um ihm ordentlich Angst einzujagen.

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Zur gleichen Zeit hatten wir im Restaurant zufälligerweise immer wieder Kunden, die gewalttätig wurden. Vielleicht lag das aber einfach nur am schlechten Karma. Ich erinnere mich noch an den Biker, wahrscheinlich Mitglied einer russischen Motorrad-Gang oder so, der für alle Gäste eine Runde Tequila nach der anderen bestellte. Die fälligen 300 Dollar wollte er dann nicht zahlen, sondern zog stattdessen ein Messer und nagelte damit die Rechnung auf dem Tresen fest. Er hat niemanden verletzt, aber sowas ist uns bis dahin noch nie passiert.

Kurz danach ist jemand bei unserem Geschäftspartner eingebrochen, hat alles verwüstet, aber nichts geklaut. So als kleine private Nachricht an ihn, um ihm ordentlich Angst zu machen.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass der Typ all die Scheiße nicht verdient hat. Er war ein schlechter Unternehmer und behandelte seine Angestellten wie ein Stück Dreck—das war dann wohl auch wieder Karma.Ironischerweise hat das Restaurant etliche Auszeichnungen erhalten. Es gab Rezensionen in der LA Times und sogar eine Kritik von Jonathan Gold in der LA Weekly. Das Essen war offensichtlich gut, aber das reicht eben manchmal nicht.

Irgendwann schauten die Russen dann nicht mehr bei uns vorbei. Wie wir rausfanden, musste der arme Schlucker seine Eltern um Geld bitten, um seine Schulden bei der Mafia zu begleichen. Ich schätze mal, dass das irgendwas zwischen 50.000 und 100.000 Dollar waren. Das Restaurant konnte so aber natürlich nicht mehr weiterlaufen und wir haben geschlossen. Vorher hat der Sheriff aber noch den Riegel vorgeschoben: Unser Restaurant war wegen der ganzen Einbrüche (und nicht gezahlter Steuern) schon als Verbrechenshochburg eingestuft worden.

Ihren Ex-Geschäftspartner haben meine Eltern nie wieder gesehen. Das Restaurant ist jetzt übrigens eine russische Teestube.

Aufgezeichnet von Javier Cabral