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Waffen, Drogen, Dissidenten — Eine Dokumentation über das Darknet

Die weitreichende Anonymität hat das Deepweb zu einem teilweise rechtsfreien, aber für Aktivisten auch überlebenswichtigen Raum gemacht.
16.9.13

Spätestens seit den Snowden-Enthüllungen ist klar, dass potentiell unsere gesamte digital vernetzte Kommunikation durch Geheimdienste in nie vorstellbarem Ausmaß gespeichert, durchsucht und analysiert werden kann. Unsere digitalen Daten können dabei die intimen Details deines Lebens preisgeben und im Extremfall von Regierungen gegen dich verwendet werden können.

Um dieser Überwachungsgefahr zu entgehen gibt es Anonymisierungsnetzwerke wie „Tor", dass es den Usern durch IP-Verschleierung und eine lange Server-Verbindungskette ermöglicht, das Risiko überwacht zu werden drastisch zu minimieren.

Das Darknet erreicht dabei ein kaum absehbares Datenvolumen und viele seiner Seiten können im Vergleich zum „Surface Web" nicht durch Suchmaschinen gefunden werden, weshalb es ein idealer Ort für alle Nutzer ist, die im Verborgenen bleiben wollen.

Dieses Deepweb wird deshalb von Usern auch dafür genutzt, um weitgehend sicher und anonymisiert illegalen Geschäften nachzugehen, Diskussionen über Kindesmissbrauch zu führen oder um sich über zensierte Themen zu informieren. Gleichzeitig finden sich aber auch zahlreiche weniger düstere Seiten im Darknet, dass nicht zuletzt für Dissidenten in Ländern im Angesicht restriktiver Überwachung zu einer entscheidenden Kommunikationsplattform werden kann. Gleichzeitig kann es manchmal schwer zu durchschauen sein, mit wem man in diesen Netzwerken kommuniziert und zu welchem Grad Angebote und Beiträge in Foren auch tatsächlich den Schritt von der digitalen in die physische Welt schaffen.

Wir haben uns auf die Suche nach den zwischen der anonymisierten digitalen Welt und der Realität gemacht. Spätestens als uns ein deutscher Waffenhändler seinen Vertrieb über das Darknet demonstriert hat, zeigte sich, dass dieser Übergang durchaus wohl organisiert und reibungslos funktioniert.

Wir haben außerdem mit dem Kryptospezialisten Karsten Nohl, mit Moritz Bartl, dem Gründer von Torservers.net und mit Ehsan Norouzi, einem iranischen Journalisten der Aktivisten gesprochen, dem Tor dabei hilft sicher mit Oppositionellen zu kommunizieren. Die Ambivalenz eines Raumes, der durch seine Anonymität rechtsfrei geworden ist, konnten wir zwar nicht entschlüsseln—dennoch wurde uns überdeutlich vorgeführt, dass uns die Technologie des Deepwebs im Post-Snowden-Zeitalter noch lange erhalten bleiben wird.