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Dank dieses Programmierers kann jeder in den Niederlanden für 7 € Zug fahren

Wie ein Programmierer mit Fernbeziehung mit einem kleinen Alltagshack die Bahn überlistete.

von David Widen
13 August 2015, 8:34am

Bild: Shutterstock

Wer hat sich noch nie darüber geärgert, dass das volksnahe, umweltfreundliche Bahnreisen oft viel zu teuer ist? Dieses Ärgernis scheint nicht nur die deutsche Bevölkerung umzutreiben, sondern auch die Niederländer. Bis jetzt.

Denn dank des Programmierers Alexandru Bondor können in unserem Nachbarland jetzt alle für schlappe sieben Euro an ihr Ziel gelangen.

Alexandru macht sich dabei die Gruppenticket-Regelungen der staatlichen Eisenbahngesellschaft zunutze, so dass jeder Niederländer nun mit einer Facebook-App über grouptickets.nl die Vorteile der Billigfahrkarte nutzen kann, ohne seine Mitfahrer vorher persönlich zu kennen. Mitterweile sind schon über 25 000 Menschen angemeldet—ein kleiner Alltagshack, der theoretisch auch in Deutschland einfach umzusetzen wäre.

Wir haben den Robin Hood des Bahnfahrens angerufen und über seine Motive ausgefragt.

Technisch gesehen ist es jedoch auch möglich, zusammen zu fahren, obwohl sich keiner kennt, außerdem kann das sowieso niemand kontrollieren

Motherboard: Zunächst mal, wie funktioniert die App eigentlich?

Alexandru Bondor: Du loggst dich bei Facebook ein, wählst Reiseziel und Reisedaten aus und dann werden dir Gruppen von Leuten angezeigt, die am gleichen Tag die gleiche Strecke fahren. Du trägst dich einfach in so eine Gruppe ein und wartest, bis sie mit zehn Personen voll ist.

Dann kauft eine Person über ns.nl das Gruppenticket und schickt die Fahrkahrten an alle Mitglieder, sobald diese mit einem Screenshot bewiesen haben, dass sie die 7 Euro bezahlt haben. [Die niederländische Bahn ist unserer DB schon etwas voraus und stellt bei 10er-Gruppentickets zehn Codes zur Verfügung, mit denen sich jeder sein eigenes Ticket ausdrucken kann]. Dann müssen sie nur noch Namen, Datum und Ort in ihr persönliches Ticket eintragen, um das Gruppenticket zu vervollständigen.

Aber man kennt die Menschen in der Gruppe überhaupt nicht, ist das denn ok?

Natürlich. Die niederländische Bahn bietet jede Menge Rabatte für Gruppenreisende wie zum Beispiel Touristen, Ausflügler, Schulklassen oder Freunden, die das Rijksmuseum besuchen wollen. Nicht jeder steigt an der gleichen Station ein, also ist die einzige Bedingung für so eine Fahrkarte, dass die Personen das gleiche Ziel haben.

Diese Angebote sind natürlich eigentlich für Menschen konzipiert, die sich kennen. Technisch gesehen ist es jedoch auch möglich, zusammen zu fahren, obwohl sich keiner kennt, außerdem kann das sowieso niemand kontrollieren. Es ist ja gut möglich, dass du in Maastricht wohnst und alle deine Freunde aus Randstad kommen.

Und wenn die Bahngesellschaft dahinter kommt?

Sie weiß bereits davon. Ich hatte sie kontaktiert, bevor ich die App programmiert habe und gefragt, ob sie mit mir zusammen arbeiten wollen. Null Reaktion. Bisher wird die App vor allem von Studenten genutzt, doch stell dir mal vor, alle Niederländer machten mit? Das würde ihr ganzes Geschäftsmodell auf den Kopf stellen.

Woher sollen wir wissen, dass du nicht irgendwann überteuerte Gebühren verlangst?

Das werde ich nie machen. Ich habe dieses Projekt ins Leben gerufen, um billig von Zwolle nach Utrecht zu kommen und dort meine Freundin zu besuchen.

Jetzt will ich einfach nur meine Kosten decken und davon das Webhosting bezahlen. Auf der Website gibt es zwar einen Button, über den du 50 Cent für die Vermittlung spenden kannst—doch dabei hatte ich wohl vergessen, dass ich es mit geizigen Holländern zu tun hatte.

Aber ohne Witz, die App funktioniert, sobald sich die Reisenden selbst mobilisieren, da hält sich die Pflege der Web-Anwendung in Grenzen. Und selbst wenn ich Gebühren verlangen würde, kämen die nicht einmal in die Nähe der unmenschlichen Preise einer niederländischen Normalpreis-Fahrkarte.