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Der ultimative Leistungsvergleich zwischen nüchternem und bekifftem Videospielen

Die symbiotische Beziehung zwischen Weed und deiner Leistung in Videospielen ist nur mangelhaft systematisch untersucht worden. Bis jetzt.
Bild: Shutterstock

Weed und Videospiele. Eine lang und tiefe Flash-Frendschaft. Viele der großen und kleinen Zocker-Erfolge auf diesem Planeten wurden wohl in dunkler Nacht, eingehüllt in süßlichen Marihuana Duft, errungen. Für manchen World of Warcraft-Spieler ist die Bong zum Eintauchen in virtuelle Welten ein genauso wichtiges Werkzug wie Tastatur und Maus.

Das symbolische Verhältnis von Gras und Games ist dabei nur sehr selten systematisch untersucht worden. Und wenn, dann meist nur im Kontext von Studien zu Drogenmissbrauch und wie dieser in Zusammenhang steht mit dem sogenannten PVP: „problem videogame playing."

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Dabei gibt es doch noch viel größere und allgemeinere Fragestellungen: Was passiert mit unseren Hirnen wenn wir uns diesen beiden Leidenschaften gleichermaßen mit voller Hingabe widmen? Erweitern wir die Grenzen unserer Erfahrung dabei so stark, wie es sich anfühlt, wenn wir im Kiffer-Himmel schwebend Blendgranaten auf irgendwelche Idioten in Call of Duty abfeuern?

Um mich diesen wichtigen Fragen in einem angenehm ausgiebigen Selbstversuch zu widmen, habe ich mich mit ein paar Freunden zusammengetan. Wir begannen unseren streng analytischen Trip, indem wir einen der schönen Vorteile eines temporären Stadiums in der ewigen Entwicklung des US-amerikanischen Rechts ausnutzen: Der quasi-legale Gras-Lieferservice.

Die Grundausstattung

In meiner Heimat im Bundesstaat Washington ist es legal, Marihuana zur privaten Freizeitnutzung zu konsumieren, mit sich zu tragen und zu kaufen. Paradoxerweise sind die einzigen Geschäfte, denen es gesetzlich erlaubt ist das Weed zu verkaufen, noch nicht geöffnet. Während die Bürokratie also mit langsamen Schritten das Mandat einer Volksabstimmung für legale Weed-Shops umsetzt, haben sich findige Pioniere mit Codenamen wie Fuchs, Otter, Krähe oder Adler längst an die Umsetzung der neuen Weed-Freiheit gemacht. Du kannst sie mit ihrem Bringdienst auf Yelp finden.

Diese Typen haben keine legale Lizenz zum Verkauf. Dennoch operieren sie nicht im Verborgenen und bewerben ihre Dienste mit dem freundlichen Hinweis, dass sie noch nicht einmal eine Nutzererlaubnis für medizinisches Marihuana verlangen. Die Polizei von Seattle ignoriert die Lieferanten—zumindest bis die offiziellen Verkaufspunkte endlich ihre Türen öffnen werden.

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Ich habe also Winterlife Coop angerufen, wo man mir sagte, dass mich ein Fahrer in meiner Gegend in 20 bis 40 Minuten zurückrufen würde. Ein Typ, der sich selbst als „The Fox" vorstellte, meldete sich daraufhin von einer anderen Nummer zurück und wir trafen uns auf einem Parkplatz um die Ecke. Das Weed wurde inklusive hübscher Verpackung mit dem Logo der Lieferanten und einer Aufteilung der verschiedenen Sorten verkauft.

Nun konnten wir also endlich beginnen mit unserer Untersuchung der Auswirkungen des Marihuana-Konsums auf unsere Interaktion mit digitalen Welten. Unser Plan war einfach:

  • Verschiedene Videospiele im nüchternen Zustand und Highscores notieren.
  • Richtig Stoned werden
  • Die selben Spiele noch einmal spielen
  • Vergleich der Highscores

Bild: Jagger Gravning

Wissenschaft im Selbstversuch

Das Label auf unserem Marihuana Beutel versprach uns „God Bud". Bevor wir das Zeug überhaupt geraucht hatten verbreitete es schon seinen süßlichen Duft in meiner Wohnung. Es handelte sich um eine Cannabis-Sorte, die dich in eine gemächliche Stimmung versetzten sollte, im Gegensatz zu den sonstigen, häufig eher antreibenden Eigenschaften, von Sativa. (Die ganze Bandbreite von Marihuana Sorten kannst du dir in unsere Dokumentation aus Denver, dem Silicon Valley für Marihuana, anschauen.)

Um die Auswirkungen von Marihuana auf den menschlichen Körper zu untersuchen, müssen Forscher das Zeug erst einmal in die Hände bekommen. In meinem Heimatland den USA bedeutet dies zunächst einmal eine Zustimmung vom National Institute of Drug Abuse (NIDA) zu bekommen, deren Mission Statement leider eher nach einem Propaganda-Poster aus dem Zweiten Weltkrieg klingt:

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„Die Mission der NIDA ist es unsere Nation anzuführen, in dem wir die Macht der Wissenschaft nutzen, um Drogenmissbrauch und -abhängigkeit zu Leibe rücken."

Mit dieser Einstellung werden dementsprechend auch eher einseitige wissenschaftliche Untersuchungen finanziert und ermöglicht. Laut Dr. Sanjay Gupta untersuchen nur sechs Prozent aller Studien, die in der medizinischen Bibliothek des Landes veröffentlicht werden, die möglichen positiven Wirkungen von Marihuana.

Brian tritt in die zweite Phase unseres Experiments ein. Bild: Jagger Gravning

Wir jedenfalls wollten in einem absolut objektiven Selbstversuch herausfinden, wie vorteilhaft oder negativ sich Weed auf die Performance unseres Gehirns und das Erledigen komplexer Aufgaben auswirken würde. Auch wenn unser Test mit einer ordentlichen Tüte Gras und Videospielen wie Spelunky natürlich eine alberne Sache ist, so sollten wir nicht vergessen, dass auch offizielle akademische Studien nach einem ganz ähnlichen Muster ablaufen—auch wenn die Forscher das selbst nicht so beschreiben würden.

Simulatoren, Videospiele, and Marihuana zur Leistungssteigerung

Eine Studie im Journal of Psychoactive Drugs untersuchte Gender-Unterschiede beim bekifften Autofahren (ohne irgendwelche Differenzen zu finden), und ermittelte dabei auch, dass Autofahrer, die stoned sind, ihren Wagen nicht weniger gefährlich durch den Straßenverkehr bewegten, als nüchterne Fahrer. (Auch andere Studien neben jener im Journal of Psychoactive Drugs zeigen, dass deine Wahrnehmung beim bekifften Autofahren nicht unbedingt eindeutige Auswirkungen auf deine Fahrweise haben.)

Der Simulator in der Weed-Studie im Journal of Psychoactive Drugs war letztlich nichts anderes als ein Videospiel:

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Bild: NIH

Mir persönlich ist das Gefühl nicht unbekannt, sich im bekifften Zustand intensiver in das Erlebnis eines Videospiels vertiefen zu können. Ich vermutete, besser als sonst zu sein, aber hatte mich nie einem objektiven Test unterzogen. Auch wenn der Gedanke, dass Marihuana unterstützend wirken kann, irgendwie absurd klingt, so gibt es durchaus wissenschaftliche Untersuchungen, die diese These unterstützen.

Dafür musst du allerdings in eine andere Richtung recherchieren. Du darfst nicht nach Studien schauen, die das Verhältnis von „Problem Videogame Playing" oder gefährlichem Verhalten im Straßenverkehr untersuchen—lies lieber jene Untersuchungen, die feststellen wollen, ob Weed im Sport verboten werden sollte, da es eine leistungssteigernde Wirkung hat.

In einer Studie mit dem schönen Titel „Cannabis and Sports" heißt es zum Beispiel, dass Marihuana sowohl den Geist als auch den Körper verbessern und dem Nutzer einen unfairen Vorteil verschaffen kann.

Cannabis könnte eine leistungssteigernde Wirkung in Sportarten haben, die eine hohe Konzentration erfordern: verbesserte Sicht bei Torhütern und Muskelentspannung. Marihuana zu rauchen mindert die Spannung und ermöglicht Sportlern, eine bessere Leistung in Drucksituationen abzuliefern und mit dem Stress vor und während Wettkämpfen besser umzugehen.

Weiter stellen die Forscher fest, dass die Droge je nach Dosierung auch gegenteilige Wirkungen haben kann: Entspannung, aber auch Panikattacken; verbesserte Sinneswahrnehmung, aber manchmal auch Verwirrung oder Hyperaktivität.

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Die Ergebnisse

Wir haben uns für unser kleines Experiment zunächst verschiedene Spiele herausgesucht. Letztlich konzentrierte ich mich mit meinen Freunden „Dutch Mogul", Ben und Brian aber auf Spelunky, da in dem Game die Spielewelten immer wieder neu generiert werden. Die Levels werden also nach einem Zufallsprinzip immer wieder neu erschaffen, so dass du nie zweimal auf das selbe Level triffst, was verhindert, dass dein—wie auch immer geartetes Erinnerungsvermögen—die Ergebnisse im Laufe des Abends verzerrt.

Zunächst haben wir mehrere Male nüchtern gespielt. Anschließend dann unter dem Einfluss der freundlichen Weed-Lieferung. Hier unsere jeweilige durchschnittliche Punktzahl in beiden Bewusstseinszuständen:

  • Dutch Mogul nüchtern: 83.684 / bekifft: 198.250
  • Ich nüchtern: 34.925 / bekifft 46.600
  • Ben nüchtern: 52.316 / bekifft 413.525. Was bedeutet, dass er alle Level gemeistert hat inklusive des finalen Hell-Levels, was ihm niemals zuvor gelungen war.

Pac-Man Championship Edition CX+

  • Me nüchtern: 989,120 / bekifft: 968,540.
  • Dutch Mogul nüchtern: 558,830 / bekifft: 635,350
  • Ben nüchtern: 1,104,470 /  bekifft: 836,200

In Super Hexagon besteht dein High Score aus einem Sekundenwert, der anzeigt, wie lange du es durch einen spiralenartiges Labyrinth geschafft hast ohne gegen eine Wand zu stoßen.

  • Dutch Mogul nüchtern: 3.44 Sekunden / bekifft: 5.19 Sekunden
  • Ben nüchtern: 5.92 Sekunden / bekifft 6.38 Sekunden
  • Brian nüchtern: 2.32 Sekunden / bekifft 3.87 Sekunden. Er kam zu spät und konnte erst zu diesem Zeitpunkt in das Experiment einsteigen.
  • Ich nüchtern: 4.03 Sekunden / bekifft 4.03 Sekunden

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Tetris DS:

  • Ich nüchtern: 13,766 / bekifft: 15,360
  • Dutch Mogul nüchtern: 40,338  / bekifft: 97,462
  • Ben nüchtern: 65,095 / bekifft 56,447
  • Brian nüchtern: 18,860 / bekifft: 15,843

Brian war enttäuscht, dass er im bekifften Zustand nicht besser war als nüchtern, wie er eigentlich immer angenommen hatte: „Ich dachte, ich kontrolliere mein eigenes Schicksal."

Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, im bekifften Zustand einige Notizen meiner Erfahrung aufzuschreiben:

Fühle mich emotional stärker eingebunden. Emotionen helfen vielleicht bei der Konzentration.
Ich fühle mich als würde ich mich besser konzentrieren. Vorhin fühlte ich mich schläfrig, aber meine Marihuana-Paranoia weckte mich auf. Während meines Pac-Man-Laufs war ich mir sicher, dass ich besser wäre als nüchtern, aber die Punktezahl sagte mir, dass ich genauso gut war.

Auf meinen Zetteln stehen auch noch weitere hingekritztelte Sätze, aber die konnte ich nüchtern nicht mehr entziffern.

Ich bilde mir inzwischen ein, mit Fug und Recht behaupten zu können, dass auch nach mehreren ermüdenden Stunden zur Mitternachtszeit unsere Punktestände immer noch ungefähr auf dem gleichen Stand oder manchmal sogar besser waren als im nüchternen Zustand waren.

Versteht mich nicht falsch: Ich möchte in keinem Fall andeuten, dass du dich breit hinters Steuer setzten solltest.

Dennoch kann ich nach meinem extrem objektiven Test kaum behaupten, dass Kiffen und Videospielen all meine geistigen Fähigkeiten gleichzeitig ausgeschaltet hätten. In einer anderen Bewusstseinsebene zu zocken scheint in Wirklichkeit auch meist zu bedeuteten eine gehobene und ziemlich intensive Performance abzuliefern. Game on!