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Wie Hacker per Fernsteuerung die Kontrolle über dein Auto übernehmen können

Wir haben uns von renommierten Auto-Hackern vorführen lassen, wie sie während der Fahrt die Steuerung eines Wagens übernehmen können.
18.6.14
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Ohne dass ich etwas tun kann, beginnt der Wagen rückwärts bergab zu rollen, die Lenkung wird steinhart und die Bremsen versagen. Schnell wandelt sich meine erste Überraschung in blankes Entsetzen. Ich bin Opfer eines Hackerangriffs auf mein Auto geworden, bei dem ein Sicherheitsforscher die Kontrolle über meinen Wagen übernommen hat—per Fernsteuerung über das Handynetz vom anderen Ende des Parkhauses aus.

Mit der Investition von 600 Euro und einem Monat seiner nebenberuflichen Arbeitszeit ist es dem White-Hat-Hacker Mathew Solnik gelungen, ein Auto fast vollständig übernehmen zu können. Als er uns netterweise seine Fähigkeiten in einem Versuch vorführte, konnte er mit seinem Laptop unser gesamtes Auto kontrollieren—vom Motor über die Bremsen bis zu den Sicherheitssystemen. Solnik brauchte dafür lediglich das reguläre GSM Netz, über das auch unser Handyempfang funktioniert. Die zentralen Teile seiner Aktion sind lediglich handelsübliche Chips, eine Verkehrstelematik-Einheit und ein normales GSM-Modem.

Besonders neuere Modelle, deren Systeme mit einem Cloud-Server verbunden und per Bluetooth, Mobilfunk oder W-LAN erreichbar sind, stellen potentielle Ziele für Hacker dar. Die Sicherheitsexperten aus der Welt des Auto-Hacking, die wir in der zweiten Folge von Phreaked Out getroffen haben, möchten jedoch keine Unfälle verursachen, sondern Sicherheitslücken aufzeigen und damit Hersteller dazu bringen ihre Autos sicherer zu machen.

Alberto Garcia Illera hat zusammen mit seinem Hacker-Kollegen Vazquez Vidal das CHT (Car Hacking Tool) entwickelt. Mit Hilfe des nicht sonderlich kreativ betitelten Geräts brauchst du nur fünf Minuten mit dem Zentralcomputer eines Autos verbunden sein, um dann anschließend Steuerkommandos an den Wagen aus beliebiger Entfernung per Mobilfunk absenden zu können. Das beängstigende ist, dass das Gerät von der Größe eines iPhones wirklich unauffällig an jedem beliebigen Fahrzeug angebracht werden kann—um dann in der Lage ist, das Radio, die Bremsen, die Lichter und vieles mehr während der Fahrt ein- und auszuschalten.

Angesichts all dieser aufgezeigten Sicherheitslücken ist es nicht verwunderlich, dass die Autohersteller längst ein offenes Ohr für die White-Hat-Hacker haben. Zur Zeit beraten Mathew und Alberto mehrere Hersteller, um sicherzustellen, dass die Wagen der Zukunft besser vor Hacker-Angriffen geschüzt werden.