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Afghanische Provinz fordert über Facebook Verstärkung im Kampf gegen die Taliban

Der Gouverneur von Helmand taggte seinen Präsidenten: „Ich kann nicht länger schweigen.“
21.12.15
Afghanische Soldaten während eines Einsatzes in Helmand am 6. Dezember 2016. Foto: Imago/Xinhua

Der Gouverneur der afghanischen Provinz Helmand, Mohammad Jan Rasulyar, hat am Samstag einen verzweifelten Hilferuf an seinen Präsidenten, Ashraf Ghani, auf Facebook gepostet—weil das Staatsoberhaupt auf anderen Kanälen angeblich nicht erreichbar gewesen sei.

Laut Rasulyar hätten die Taliban innerhalb von zwei Tagen 90 seiner Männer getötet und wären kurz davor, nach Monaten harter Gefechte die Provinz zu übernehmen.

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„Eure Exzellenz, Facebook ist nicht das richtige Forum, um mit ihnen zu sprechen, aber da meine Stimme von Ihnen nicht erhört wurde, weiß ich nicht, was ich sonst tun soll. Bitte bewahren Sie Helmand vor einer Tragödie. Ignorieren Sie die Lügner, die Helmand als sicher bezeichnen", so Rasulyar in dem Post, in dem er den Namen von Ghani getaggt hatte.

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Während das afghanische Verteidigungsministerium gar nicht auf die Nachricht reagierte—außer der Erklärung, man haben aufgrund technischer Probleme keinen Internetzugang gehabt—ließ der Sprecher von Präsident Ghani verkünden, dass dieser von dem Facebook-Post wisse und sich bereits mit dem nationalen Sicherheitsrat getroffen habe, um über die Situation in Helmand zu sprechen.

Die Region ist als eines der größten Anbaugebiete für Opium weltweit und von großer strategischer Bedeutung für die Taliban, welche seit Jahren versuchen, Helmand unter ihre Kontrolle zu bringen und sich hier in den vergangenen Jahren schwere Gefechte mit britischen und US-amerikanischen Regierungstruppen geliefert haben.

Ein Verwundeter wird vom Schlachtfeld in Lashkar Gah, Hauptstadt von Helmand getragen. Foto: Imago/Xinhua

Afghanische Sicherheitstruppen fühlen sich seit Monaten sowohl von ihrer eigenen Regierung als auch den NATO-Truppen im Land im Stich gelassen, wie Rasulyar schreibt: „Wir stellen unseren Einsatzkräften weder Essen noch Munition zur Verfügung, evakuieren unsere Verwundeten und den Märtyrertod gestorbenen Soldaten nicht, und die ausländischen Truppen schauen sich die Situation einfach von ihren Stützpunkten aus an, ohne Hilfe zu leisten."

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Rasulyar Facebook-Post prangert dabei sowohl die zentralistische Bürokratie des Landes an, welche regionale Angelegenheiten stets in Kabul entscheiden lässt, als auch die mangelnde interne Kommunikationsfähigkeit des Staates.

Ob und wie die Regierung in Kabul auf Rasulyars Hilferuf reagieren wird, bleibt abzuwarten. Der Chef der Polizei von Helmand, Abul Rahman Sarjang, versuchte jedenfalls nach dem Post Optimismus zu verbreiten: „Wie haben starke Einheiten in Helmand. An einigen Orten ziehen wir uns aus taktischen Gründen zurück, aber alle Einheiten arbeiten gut zusammen und wir werden schon bald große Erfolge verkünden können."

Unterdessen sollen laut Medienberichten Spezialeinheiten der US Army aufgrund der angespannten Lage in Helmand ihren dortigen Einsatz wieder aufgenommen haben.