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Dieser Typ hat sich für 48 Stunden in die virtuelle Realität verabschiedet

Im Berliner Game Science Center übergibt sich VRNaut Thorsten Wiedemann so lange wie nie ein Mensch zuvor in die Welt der Virtual Reality.
8.1.16

„Wir sind jetzt live, nur dass du es weißt." Unsanft wird Thorsten aus unserem Gespräch gerissen und springt ins kalte Wasser. Damit beginnt sein 48-stündiges VR-Abenteuer DISCONNECTED.

Im Berliner Game Science Center wird Thorsten an diesem Wochenende vor laufender Kamera zwei volle Tage mit der VIVE, dem Head-Mounted-Display von HTC, auf dem Kopf herumlaufen.

Thorsten Wiedemann, zehn Minuten vor seinem 48-stündigen Trip in die virtuelle Realität. Alle Fotos: Johannes Hausen

Bei der Performance immer an seiner Seite: Sara Lisa Vogel, die er mir als seine persönliche VR-Schamanin vorstellt. Im Vorfeld hat sie mit verschiedenen Indie-Entwicklern gesprochen und Thorsten einen bunten Strauß an virtuellen Welten zusammengestellt.

„Mal sehen, ob er [während der Performance] schlafen muss. Ich habe ihm auf jeden Fall eine gemütliche Höhle in Lucid Trips vorbereitet, wo er sich ein bisschen ausruhen kann", erzählt sie. Im improvisierten Studio steht dafür eine Ledercouch bereit.

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Lucid Trips ist eine der rund 20 Welten, die Thorsten an diesem Wochenende durchlaufen muss. Im Prinzip erwartet ihn ein relativ normaler Tagesablauf: Kochen, Essen, Sport treiben, Leute treffen—aber eben alles in der virtuellen Realität.

„Die Leute können sich hier angucken, was uns in Zukunft erwartet. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle in zehn Jahren derartige Reisen unternehmen werden. Ob wir dann dabei von einer VR-Schamanin oder vielleicht auch von einer Künstlichen Intelligenz begleitet werden, weiß ich nicht."

Thorsten jedenfalls ist froh, heute Sara Lisa dabei zu haben. Sie wird ihn von einer Welt in die nächste führen, kümmert sich um die technische Abwicklung der Performance und ist da, wenn es Thorsten nicht gut geht.

„Ich brauche jemanden, der auf mich aufpasst. Wahrscheinlich genauso, wie wenn man [die psychedelische Droge] Peyote nimmt, da vertraut man ja auch dem Schamanen, dass man den Trip gut übersteht", lacht er.

Die erste Reise beginnt am Freitag, den 8. Januar, um 13 Uhr allerdings relativ sanft: Thorsten macht sich erstmal in der VR- Küche ein virtuelles Frühstückstoast mit Spiegelei. Dazu bekommt er von von Sara zwei Controller in die Hand gedrückt.

Thorsten Wiedemann beim virtuellen Spiegeleierbraten. GIF: Motherboard

Sieht er die Virtual Reality als Drogenersatz? „Ich finde es schon ganz cool, wenn man sich mal ausklingt und statt Alkohol oder Drogen zu konsumieren im virtuellen Raum das Bewusstsein erweitert und abgefahrene Dinge erlebt."

Cybersickness, das bekannte Leiden an körperlichen Symptomen bei Ausflügen in die virtuelle Welt, kenne er bisher aber noch nicht. Trotzdem hat Thorsten höchst analoge Vorkehrungen für seine zweitätige Reise getroffen:

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„Um mal Klartext zu reden: Ich habe gestern meinen Darm entleert. Ich habe Flüssignahrung und Kopfschmerztabletten am Start, außerdem Energy-Sticks. Für den Notfall auch noch Augentropfen, falls meine Augen zu brennen anfangen. Pinkelbeutel gibt es auch."

Er selbst ist also bestens gerüstet, doch allein macht ein Trip natürlich nur halb so viel Spaß. Thorsten wird deshalb zu bestimmten Zeiten auf andere VRNauten treffen, unter anderem am Freitagabend um 19 Uhr im Social VR Room „Desert Island" von Altspace VR. Wer genau ihn dort besuchen wird, weiß Thorsten nicht, jeder Besitzer eines VR-Headsets kann an der Session teilnehmen.

Außerdem stehen VR Multiplayerspiele auf dem Plan von DISCONNECTED. Um das Überraschungsmoment bei dem Abenteuer zu sichern, wurde das Programm erst veröffentlicht, als Thorsten bereits voll verkabelt war.

Als Gründer des Gaming-Festivals A MAZE unterzieht Thorsten Wiedemann seine heiß geliebte Virtual Reality einem Praxis-Check: „Ist die Technologie schon so weit, dass man sich einfach in diesen virtuellen 3D-Raum schmeißen lassen kann? Ist das, was grade produziert wird, überhaupt aushaltbar?"

Am Sonntagnachmittag wird der freiwillige VRNaut der Beantwortung dieser Fragen ein gutes Stück näher gekommen sein. Bis dahin erwarten ihn Unmengen wunderbar bunter virtueller Welten.

Wir wünschen eine gute Reise!

Hier könnt ihr DISCONNECTED rund um die Uhr im Live-Stream verfolgen. Wer live dabei sein will, wie Thorsten 48 Stunden in der Virtual Reality verbringt, kann noch bis Sonntag, 13 Uhr, im Game Science Center in Berlin vorbeischauen.