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Der moderne Eurofighter: Warum Schalke die beste Option für Goretzka bleibt

Leon Goretzka ist schlicht der beste Spieler in einer verunsicherten Schalker Mannschaft. Fast alle Top-Teams wollen ihn, doch am Meisten Sinn für seine Karriere macht... ein Verbleib bei Schalke 04.

von Dominik Sliskovic
18 Mai 2017, 11:08am

Foto: Imago/Eibner

"Es ist beschlossene Sache", behauptete Sky am vergangenen Samstag. Nur eine Stunde vor Anpfiff des letzten Schalker Heimspiels gegen den HSV, waren sich die TV-Reporter sicher, dass Schalkes Juwel Leon Goretzka zum FC Bayern München wechselt. Sogar Vertragsdetails, wie eine 5-jährige Laufzeit, wurden bereits genannt. Dabei hatte der Mittelfeld-Motor in den vergangenen Monaten Medienberichten zufolge schon bei Juventus Turin unterschrieben, sich dann doch mit Vertretern Arsenalsgetroffen, sich die Argumente aus Tottenham angehört und mit Liverpool-Coach Jürgen Klopp telefoniert. Schalkes Manager Christian Heidel war ständig damit beschäftigt, die beinahe täglich neu aufploppenden Transfergerüchte zu dementieren. Umso verständlicher, dass ihm vergangene Woche vor laufender Sky-Kamera der Kragen platzte. In diesem Moment merkte man ein für alle Mal, wie wichtig Goretzka für Schalke ist und wie aussichtslos der Kampf um seinen Verbleib zu sein scheint.

Dabei ist es eminent für die weitere Schalker Entwicklung, dass Goretzka über sein Vertragsende 2018 auf dem Berger Feld Fußball spielt. Er ist schlichtweg der beste Spieler der Mannschaft. Sein Förderer und ehemaliger Bochumer Trainer Peter Neururer sieht in ihm einen Jungen „auf dem besten Weg zur absoluten Weltklasse", legt ihm jedoch trotz dieses Ritterschlags einen weiteren Verbleib auf Schalke nahe. Gegenüber der SportBild sagt er: „Leon kann die zentrale Figur des neuen Schalke werden." Dass Goretzka nicht nur das Zeug dazu hat, sondern bereits die für ihn vorgesehene Rolle zu übernehmen weiß, zeigte er eindrucksvoll in der laufenden Saison.

Insbesondere in den so engen und wichtigen Europa-League-Partien in Gladbach und zuhause gegen Ajax Amsterdam spielte er seine Qualitäten als leidenschaftlicher Taktgeber voll aus. In diesen wichtigen Spielen, in denen große Spieler geformt werden, war er immer präsent. Goretzka bewegte sich stets wach und umsichtig auf dem Platz und zeigte die vom Gelsenkirchener Publikum so geliebte Malocher-Mentalität. Goretzka wurde durch seinen unbedingten Siegeswillen zum Gesicht des modernen Eurofighters – auch wenn seinem Team der große Coup nicht gelangt.

In Goretzkas spielerischer DNA findet sich nicht nur das Kampfschwein-Gen wieder, mit dem der technisch durchaus limitierte Fußballer Marc Wilmots Schalke zum UEFA-Cup-Sieg 1997 führte, sondern auch eine ungeheure technische Finesse, die es ihm erlaubt, auf dem Platz beinahe autark zu agieren. In ihm sehen nicht nur die Verantwortlichen, sondern auch die Fans all das, was sie im jungen Ivan Rakitic nie zu sehen vermochten: die Gabe ein Spiel zu lesen, wie man es so schön sagt, überragende Antizipation, stets den Blick für den besser postierten Mitspieler und vor allem ein nicht zu bändigender Drang zum Tor. All diese Attribute, die Rakitic erst in seinen letzten Jahren in Sevilla und momentan bei Barca unersetzlich machen, Goretzka bündelt sie schon jetzt in seinem Spielstil.

Sein zwischenzeitliches 2:1 im Europa-League-Achtelfinale gegen Mönchengladbach war symptomatisch für Goretzkas Ausnahmestellung im Schalker Spiel: Während die Mitspieler lethargisch auf den goldenen Pass ins letzte Drittel warteten, nahm er sich des Balles an, lief über den halben Platz und entschied sich mangels besserer Alternativen für den Distanzschuss. Dass die Kugel aufgrund eines Platzfehlers über Keeper Yann Sommer in den Kasten holperte, verstärkt eigentlich nur noch die Aussagekraft dieses Treffers: Das Glück auch einmal erzwingen, an sich und die Siegchance glauben – genau das lebte Goretzka in diesem Moment seinen Mitspielern vor.

Nicht nur der Blick ist entschlossen; Foto: Imago

Nicht nur der Blick ist entschlossen; Foto: Imago

Dass solche Flutlicht-Momente in der nächsten Saison auf Schalke rar sein werden, ist sowohl Leon Goretzka als auch den Schalker Verantwortlichen bewusst. Dennoch kann Königsblau ihm eine Perspektive bieten, die mehr wert ist als Europapokalspiele und Dreifachbelastung.

Schalke scheint trotz der verkorksten Saison erstmals nach Jahren in eine ruhige Saisonvorbereitung gehen zu können.

Trainer Markus Weinzierl wird den Sommer nutzen, um endgültig seine Spielidee auf Schalke zu kultivieren. Dabei wirkt Goretzka als Scharnier zwischen Defensiv- und Offensivabteilung, seine bereits angesprochene Dynamik wird zur Quintessenz um das lahmende Schalker Umschaltspiel wachzuküssen. Goretzka ist es 2016/2017 gelungen aus einem langen Schatten zu treten. Es gab keinen Julian Draxler, keinen Leroy Sané mehr, der die Veltins-Arena mit atemberaubenden Flügelläufen und wahnwitzigen Offensivaktionen in Wallungen brachte. Goretzka als mannschaftsdienliche Schaltzentrale trat ins Rampenlicht eines verunsicherten Schalker Kollektivs. 2017/2018 kann die Saison werden, in der er diese Rolle als Hauptdarsteller perfektioniert und ein neues Schalker Bewusstsein prägt, das durch kampfbetontes und agiles Spiel der Bundesliga ein eigenes Spielkonzept aufdrückt.

Darüber hinaus wäre Goretzkas Verbleib ein immens wichtiges Signal an die aufstrebenden Talente der Knappenschmiede: Seht her, welchen Status ihr euch auf Schalke erspielen könnt! Junge Spieler wie Thilo Kehrer würden erkennen, dass es sich lohnt, zum Wohl der eigenen Entwicklung auf Schalke zu bleiben, anstatt mit Anfang 20 den Schritt ins Ungewisse zu machen.

Das Problem hierbei: Goretzka ist in Bochum ausgebildet worden und hat längst keine so tiefe und innige Beziehung zu Schalke wie etwa sein Kumpel Sead Kolasinac, der wohl auch deshalb bis zum letzten Tag mit sich ringt, Schalke zu verlassen.

Dass Goretzkas Weg früher oder später aus Gelsenkirchen hinaus führen wird, sollte allen Beteiligten klar sein. Ein Spieler wie er, der mit 22 bereits auf solch einem Niveau angelangt ist, braucht irgendwann bessere Mitspieler und höhere Ziele, um sich selbst immer weiter pushen zu können. Aber ob dieser Sommer bereits der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel Goretzkas ist, darf in Zweifel gestellt werden. Noch ist er nicht auf dem Zenit angelangt, der ihn im direkten Duell mit etwa Thiago Alcantara einen Platz in der ersten Elf garantiert. Noch fehlen ihm ein, zwei Jahre zur Routine eines Philippe Coutinho. Daher scheint es ein realistisches Szenario, dass Goretzka den wohlwollenden Worten seines Mentors Peter Neururer folgt und seinen Vertrag über 2018 hinaus auf Schalke verlängert. Nicht nur das er dann mit geschätzten sieben bis acht Millionen Euro Gehalt zum Schalker Topverdiener und somit auch monetär zum Superstar aufsteigen würde, sondern er würde sich selbst ein Sicherheitsnetz spannen. Sollte ihn in der nächsten Saison eine Verletzung oder ein Formtief zurückwerfen, hätte er mindestens eine weitere Saison um die Konstanz zu erlangen, die ihn für Klubs wie Bayern, Liverpool oder Juve endgültig unentbehrlich machen würden. Auch wenn Carlos Ancelotti in ihm bereits jetzt den perfekten Ersatz für den pensionierten Xabi Alonso sieht, ist für Christian Heidel die Sache ganz einfach, wie er der Fußball BILD erklärte: „Es gibt nur einen Plan – mit Leon Goretzka."