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Diese Aufnahme entstand Anfang der 1950er, etwa zu der Zeit, als sie in Asphalt- Dschungel an der Seite von Sterling Hayden und Louis Calhern spielte. Damals war sie noch unbekannt, doch sollte sich diese kleine Rolle als wichtiger Anstoß für ihre Karriere erweisen.Sie starrte mich auf diese seltsame Weise an, mit einem intensiven, aber entspannteren Blick, und sagte: „Das sind die Momente, für die es sich lohnt, wenn jemand so etwas sagt wie Sie gerade—hypnotisiert …“ Sie seufzte und zog leicht am Telefonkabel. Sie sagte, sie würde so viel arbeiten, dass sie gar nicht mehr wüsste, was sie tue, weil alles so schrecklich sei. „Nicht die Arbeit—ich meine die Ansprüche—dieses ganze Gedränge immer um mich herum. Ich arbeite zu viel, und trotzdem wollen sie das Letzte aus mir herausholen. Es ist schrecklich.“ Ich war nicht sicher, was genau so schrecklich sein sollte, aber ich sagte: „Das ist Hollywood, oder?“ „Unser Freund John Hodiak“, sagte sie, „würde es verstehen, und er würde sagen, dass sie schrecklich sind. Er findet sie wahrscheinlich so schlimm, dass er es nicht mehr aushält. Das ist der Grund, warum er nach New York geht.“ Ich sagte, ich würde es verstehen, aber es seien die Momente, von denen ich gesprochen hatte, hypnotisiert gewesen zu sein, die es ermöglicht hätten, den anderen Scheiß zu machen—nicht, dass irgendetwas, das sie getan hatte, auch nur im Entferntesten Scheiße gewesen wäre. „Oh, es ist Scheiße“, meinte sie laut. „Das wissen auch Sie. Wir sind wie Fische in einem trüben Glas.“ Sie schaute mich an und fragte: „Woher kommen Sie?“ „L.A.“, antwortete ich. „Ich bin im General Hospital zur Welt gekommen. Habe den größten Teil meines Lebens in Hollywood verbracht.“ „Ich wurde im General Hospital geboren“, sagte sie. „Auf der Armenstation.“ „Da bin auch ich geboren“, meinte ich. „Meine Mutter hatte Wehen und fuhr mit der Straßenbahn ins Zentrum zum Krankenhaus. Kein Geld fürs Taxi. Sie hat kleine Rollen bei Metro gespielt—war eine Freundin von Jean Harlow.“ „Das ist sehr seltsam“, meinte Marilyn. Ihre Augen schienen zu glänzen, richteten sich dann aber auf einen eher stämmigen Typen in einem blauen Gabardineanzug, der eindeutig auf uns zusteuerte. Sie kannte ihn, ignorierte ihn jedoch und meinte: „Mir hat gefallen, was Sie über das Hypnotisiertsein gesagt haben, aber meinen Sie hypnotisiert im Sinne einer Trance, in die einen ein richtiger Hypnotiseur versetzt?“ Ich hatte das Gefühl, mich mit meinem Gequatsche in die Ecke manövriert zu haben. „Wenn Sie es so betrachten wollen“, führte ich aus, „dann vielleicht nicht hypnotisiert, aber sicherlich gefesselt. Ein besseres Wort. Als Schauspieler möchte ich persönlich Wertvolles leisten oder das, was Sie gesagt haben.“ „Was habe ich gesagt?“ fragte sie. „Sie sprachen von ‚Bedeutung‘. Ich weiß, was Sie meinen—so, wie ich es mir wünsche, die Rolle von Montgomery Cliff in Red River zu spielen.“ Sie sagte, sie liebe diesen Film. Sie liebe Howard Hawks, obwohl er stets „sauer“ auf sie werde. Außerdem würde sie Ringo lieben und wolle „unbedingt“ einen Film mit John Ford machen. Sie hätte sogar schon davon geträumt, einen Film wie Pinky zu machen. „In meinen Träumen habe ich rote Haare“, sagte sie. „Es muss nicht schwarz sein—“ Nein, meinte ich, das müsse es sicher nicht. „Wenn man von einem Film hypnotisiert wird, was denken Sie, öffnet sich dann etwas im Ich eines Menschen, wie es bei Hypnose der Fall sein soll?“, fragte sie. Ich sagte, das könne ich mir vorstellen. „So, als befände man sich in einer Identitätsgeschichte—“

Eine junge, noch nicht wasserstoffblonde Marilyn posiert am Strand, Aufnahmeort unbekannt. Entstanden vermutliche Ende der 1940er, zu Beginn ihrer Karriere als Fotomodell„Was meinen Sie mit ‚Identität‘?“ „Sich zu identifizieren mit der Figur. Man macht sie zum Teil des eigenen Lebens, selbst wenn es nur die Sehnsucht—“ „—nach etwas Besserem ist“, brachte sie den Satz für mich zu Ende. „Worin besteht der Sinn, etwas zu tun, wenn es nicht besser wird? Das ist, als läge man krank im Bett und es käme nicht einmal jemand vorbei, um einem etwas Toast zu bringen.“ Ich nickte, unsicher, was sie damit meinte. Sie fuhr fort: „Ich muss diese verdammte Nummer weiter probieren“, und wandte sich dem Telefon zu. Sie wählte, während ich ihre Schulter und ihren Hals betrachtete. Schließlich kam sie durch, und ich wandte mich höflich ab. Das Gesicht des dicken Typen war so ausdruckslos wie eine Krawattennadel; sie ignorierte ihn weiterhin. Er sprach sie mehrfach an und versuchte, sie vom Telefon wegzubekommen. Sie müssten gehen, sagte er. Er lächelte mich an, und ich sagte, ich sei ein Freund von John Hodiak. „Oh“, meinte er, „ist John hier?“ Ich schüttelte den Kopf. Wir warteten, während Marilyn in einem ängstlich-besorgten Monolog telefonierte. Keiner von uns konnte sich aus ihren Worten etwas zusammenreimen. Als sie fertig war, meinte sie: „Scheiß drauf. Wenn jemand bei etwas Zweifel hat und die versuchen nicht mal das zu verstehen, dann muss man sagen: ‚Scheiß drauf‘.” Der Dicke nickte und streckte ihr seine Hand entgegen, die sie jedoch ignorierte. Sie flüsterte etwas und ließ ein kleines Lächeln aufblitzen—ihr Verhalten wechselte sofort wieder zu einer Rolle, die ich von der Leinwand kannte. Selbst ihre Stimme veränderte sich. Pflichtschuldig machte sie sich durch den Raum zu einer Gruppe Leute auf, unter denen sich Rocamora, Rory Even und Jean Howard befanden. Nach einigen Schritten hielt sie inne. „Entschuldige mich kurz“, sagte sie zu dem Dicken und hielt mir ihre Hand hin. Ich nahm sie. „Ich bin froh, dass Sie ein Freund von John sind“, sagte sie. „Er kann Freunde jetzt dringend gebrauchen. Ich wäre ihm gern eine bessere Freundin, wissen Sie. Ich liebe ihn einfach, und es ist so schrecklich traurig, was man ihm angetan hat, ausgerechnet jetzt, wo er so traurig ist.“ Ich fragte mich, ob sie Fox-Star Ann Baxter—seine getrennt von ihm lebende Frau—meinte, die Marilyn nicht mochte und was für Marilyn seit Alles über Eva auf Gegenseitigkeit beruhte. Sie gab mir einen schnellen Kuss auf die Wange und sagte sanft: „Wir sollten ein bisschen Zeit mit John verbringen.“ Ich nickte und wollte gerade fragen, was John angetan wurde, als Dickie meinte: „Marilyn … bitte!“ Sie winkte mir im Weggehen zu und sagte: „Ciao, la vedrò presto.“ Einige Wochen später saß ich mit Hodiak beim Brunch bei Musso & Franks, und er sagte: „Marilyn hat das halbe Land verführt. Sie ist die größte Geldmaschine, die Fox hat. Sie wird die Welt verführen, aber ihren Platz darin findet das arme Mädchen nicht. Sie ist süß, sie ist schüchtern, und sie ist eigensinnig und narzisstisch. Sie hat alles, was es braucht, um mit ihr die große Kohle zu machen, und trotzdem, Jonathan, ist dieses Mädchen bedürftig.“ „Was fehlt ihr denn?“, fragte ich. „Du gehörst jetzt zum Club“, meinte er, „finde es raus und erzähl’s mir.“ Tatsächlich entzog sie sich jeglicher Spekulation. Als ich ihm von der Party am Outpost Drive erzählte, von den verschiedenen Malen, die ich sie seither gesehen hatte, verwendete er die Begriffe „umgarnen“, „in die Falle locken“, „einladende italienische Worte“, wie er meinte. „Und da ist noch ein Wort: ‚Verlockung‘.“ Ich weiß noch, wie ich das Gesicht verzog. „Wie meinst du das?“ Er lächelte. „‚Verführung‘. Du wurdest verführt.“ „Nein, nein“, sagte ich, „es ist ganz anders. Das ist eine spirituelle Sache—eine innere Verbindung … Das lässt sich schwer in Worte fassen.“ „Das habe ich gerade getan“, sagte er, nickte bedächtig und lächelte weiter.