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Musik

Freedom Or Death können sich selbst nicht hören

Freedom Or Death ist das wohl ausdrucksstärkste Ultimatum, das man sich vorstellen kann und man würde hinter dem Bandnamen eigentlich eher etwas Manowarähnliches vermuten.

von Zora Beer
16 Mai 2012, 10:55am
Freedom Or Death ist das wohl ausdrucksstärkste Ultimatum, das man sich vorstellen kann und man würde hinter dem Bandnamen eher etwas Manowarähnliches vermuten als fantastisch elektronische Klangwelten mit Gitarreneinfluss. Sway–Sänger und Gitarrist der Band ist auch eher der Typ Indiejunge mit Schlüsselbeintatoo und Longboard unterm Arm und hat nicht einmal Ansätze eines Vollblut Metalheads mit wallender Mähne und das ist auch gut so. Passt also alles perfekt zusammen und um diese Perfektion noch zu vergolden, kommen Freedom Or Death natürlich aus Kanada und wir wissen schon lange, dass das neue Schweden ist und so können wir vor so viel Vollendung nur den Hut ziehen und staunen. Gut für euch, dass wir nicht wortlos begeistert sind, sondern daneben auch noch Fragen stellen können und so wissen wir nach diesem Interview, was man braucht um sein Leben in Ordnung zu bringen und warum Gitarren besser sind als Blockflöten.

Vice: Deine erste musikalische Erinnerung?
Sway: Ich glaube Stevie Wonder. Mein Vater war DJ als ich noch klein war und er hatte jede Menge Schallplatten und jedes Wochenende mussten wir das Haus putzen und er hat dazu Musik aufgelegt. Stevie Wonder war da mein Lieblingslieblingssänger. Ist er auch immer noch. Putzen und Stevie Wonder also.

Was hat es mit dem Albumartwork und all diesen Doppelbelichtungen auf sich? Wer ist dafür verantwortlich?
Sie heißt Milena Milanessi. Wir haben uns nie getroffen oder so. Ich fand da diese unglaublich guten Photographien von ihr im Internet. Darunter war auch das Coverartwork. Wir hatten das Album zu dem Zeitpunkt schon EGO genannt. Nach Freud besteht das Ich ja aus drei Teilen und dieses Bild stellte das für mich recht gut dar. Es ist einfach großartig. Also schrieb ich ihr: Ich würde die Fotografie gerne für mein Album benutzen. Das ist meine E-Mail Adresse, hier ein Link zu der Platte, wenn es dir gefällt, sag Bescheid. Einen Monat später bekam ich eine Mail von ihr und sie sagte: Ich liebe das Album. Du kannst das Bild kostenlos benutzen, gib mir nur den Credit. Und ich dachte. Natürlich. Verdammt genial. Wir haben uns aber nie getroffen. Allein deswegen würde ich noch mal gern in Italien touren um sie zu treffen und ihr persönlich zu danken.

Wie funktioniert das Songwriting bei euch?
Wir haben da eine sehr spezielle Art. Fernandes und ich schreiben nicht immer zusammen. Er ist Piano-Spieler und ich Gitarrist. Es läuft immer 50/50. Lyrics, Produktion und so weiter. Auf Ego haben wir zum Bespiel ein Stück zusammen in einem Raum geschrieben. Der Rest entstand aus einer Idee. Einem Gitarrenriff, einer Melodie, irgendetwas, das ich Fernandes schickte. Wenn er das mochte, packte er etwas drauf und schickte es zurück an mich. Wenn ich das mochte hieß es, ja das ist cool oder wir stellten fest, dass ein Song so nicht funktioniert und fingen von vorne an. So hatten wir am Ende ein ganzes Album.

Hörst du es dir selber gern an?
Nicht wirklich. Ich kann meine eigenen Songs nicht hören. Ich kann mir noch nicht einmal meine eigene Stimme anhören.

Du wirst dich daran gewöhnen müssen.
Muss ich nicht. Andere Leute müssen das machen. Ich nicht. Ich mag den Klang meiner Stimme nicht so gerne.

Kommst du mit deinem Gitarrenspiel wenigstens besser klar?
Naja, ich habe erst vor sechs Jahren damit angefangen, weil meine Freunde und ich eine Band starten wollten. Mein Cousin hatte mir eine Gitarre geschenkt als ich noch klein war. Da hatte ich einmal probiert zu spielen, war gleich frustriert und der Meinung, dass es das schwerste überhaupt sei. Also packte ich die Gitarre weg und als wir dann die Sache mit der Band begonnen hatten, beschloss ich einfach an, der Gitarrist zu sein. Warum? Weil da eine Gitarre in meinem Schrank stand.

Es ist auch das einfachste, nach einem Konzert die Gitarre einzupacken. Fürs Schlagzeug braucht man immer ewig.
Genau. Klavier ist auch nicht so mein Instrument. Eine Gitarre ist einfach cool. Und außerdem: Slash spielt Gitarre.

Du magst Slash?
Komm schon. Natürlich. Wer mag Slash nicht? Ich traf ihn letztes Jahr. Er ist ein ziemlich witziger Typ. Danach mochte ich ihn noch mehr. Sehr intelligent, kann sich ausdrücken. Vor allem wenn man bedenkt, wie viele Drogen er in seinem Leben genommen hat. Da vermutet man doch eher, er bekommt keinen einzigen klaren Satz zustande.

Er hätte wohl gut eine Meter Maid gebrauchen können. Erklär doch mal bitte, was das ist.
Du meinst den Song „Meter Maid“. Der hieß eigentlich zu erst „Mannheim“, weil ich ihn in Deutschland geschrieben habe. Im Ernst: Eine Meter Maid ist so eine Art Krankenschwester. Irgendwann kam ich in meinem Liebesleben an einen Punkt, wo alles chaotisch war, wo ich nicht mehr wusste, was zu machen ist und das klingt jetzt vielleicht dumm, aber für mich repräsentiert eine Meter Maid diese Person, die einem dabei hilft das Leben wieder in Ordnung zu bringen. Mich wieder in Ordnung zu bringen, weil man nicht daran glaubt, es alleine zu schaffen.

Dann hätte ich auch gern so eine Meter Maid.
Da hast du's. Meter Maids sind großartig. Man kann sie mieten.

Im Ernst?
Klar, man kann schließlich alles im Internet finden.

Ich werde da mal nachschauen. Ihr seid aus Kanada. Hast du auch das Gefühl, dass dem Rest der Welt erst in letzter Zeit klar zu werden scheint, dass es da Bands in Kanada gibt und dass sie sogar ziemlich gut sind?
Wir hatten natürlich schon immer Celine Dion und Shania Twain. Aber du hast Recht. Es gab schon immer jede Menge gute Indie-Bands in Kanada und erst als Arcade Fire ihren Grammy bekamen, merkten die Leute: Warte kurz? Sie leben da nicht in Iglus und spielen den ganzen Tag nur Hockey? Sie haben Instrumente und machen Musik? Es war also eine große Sache für Kanada, nicht nur die Musikszene. Es öffnete  jede Menge Türen für einige Leute.

Ganz kurz noch. Warum hast du dir den Namen Sway gegeben?
Habe ich nicht. Das ist mein Name.

Wirklich?
Ich habe fünf Namen, die ich jetzt nicht alle aufzählen werde und Sway ist einer davon.

Komm schon, wie lauten die anderen?
Das geht nicht.

So schlimm?
So schlimm. Ich verrate dir eine Sache. Ich bin der Zweite, so wie bei Adligen. Louis der Vierzehnte zum Beispiel. Ich bin also der Zweite und mein Sohn wird dann der Dritte sein. Mehr sag ich dazu nicht.

Dann reden wir über was anderes. Wenn du den Soundtrack zu einem Film machen könntest. Was wäre das für einer?
Wahrscheinlich zu irgendeiner Komödie. Etwas, dass überhaupt nicht nach Freedom Or Death klingt. Auf gar keinen Fall etwas Ernstes. Richtig dämlich.

So Adam Sandler-artig? Das sind dumme Komödien. Alles von Adam Sandler und das meiste von Ben …
… Stiller. Was ist mit Will Ferrell?

Nein der ist irgendwie gut.
Ja aber genau das ist es, was ich unter einer dämlichen Komödie verstehe. Er ist nicht dumm oder so und ich finde den Typen genial, aber er sollte trotzdem nicht in diesem Film sein. Ich hätte gerne die Jungs aus Superbad. Mit denen würde ich gerne an einem Soundtrack arbeiten. Man könnte all diese verrückten, durchgeknallten Töne und Effekte benutzen. Tiergeräusche wohl auch.