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Vikram Zushti: Das stimmt. Was für Filme drehst du sonst?
Ich war früher Autor und Produzent. Während meiner Zeit in Los Angeles habe ich zwei Filme gemacht—ich bin seit 15 Jahren dort. Ich wollte aber mal eine neue Richtung einschlagen und etwas eigenes machen. Einwanderung ist in den USA ist ein brisantes Thema, besonders im Süden. Ich wollte das Ganze wirklich aus einer unerwarteten, menschlichen Perspektive zeigen. Was genau hat dich an Max interessiert?
Ich dachte mir, dass es spannender wäre, Max zu begleiten als einen Immigranten—wegen dieses ganzen Aspekts der Fremdenfeindlickeit. Ich bin selbst Immigrant und ich wollte wissen, wie die Seele eines Menschen aussieht, dessen Persönlichkeit arrogant und aggressiv erscheint. Wir sind ihm fast ein Jahr lang gefolgt—meistens hinaus in die Wüste, bevor er nach Vegas ging.
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Ich denke Amerika. Er gab zu, dass das Problem mit den Einwanderern und seine Rolle als Minuteman als Symbol zu verstehen ist, gegen etwas Stellung zu beziehen. Gegen Ende des Films wird ihm das klar. Max war auf der Suche nach etwas, für das er kämpfen konnte, am Ende des Tages hat er aber nicht viel erreicht.Es scheint, als wäre es ihm wichtiger, für etwas zu kämpfen, als an die Sache, für die er kämpft, wirklich zu glauben. Denkst du, er war ein bisschen verwirrt?Genau das ist es. Im Grunde war er von Anfang an ein Regierungsgegner. Du kannst ihn weder der rechten noch der linken Szene zuordnen. Die Mainstreammedien, von CNN bis BBC, drängen solche Leute gerne in eine Ecke ohne Mittelweg. Das ist ein Konstrukt. Es gibt unendlich viele Leute im Herzen der USA, die in dem politischen Spektrum keinen Interessenvertreter haben. Ich meine, die Medien stellen Leute wie Max als ultrarechtseingestellte Konservative dar, aber Max bewundert Che Guevara—eine sehr seltsame Haltung für einen Minuteman in der Wüste, der gegen Einwanderung ist. Als er erklärt, dass er kein Rassist ist, betont er, dass seine Frau aus Puerto Rico stammt. Teile des Films hast du in Mexiko gedreht, dort hast du auch mit mehreren Einwanderergruppen aus unterschiedlichen Ländern gesprochen. Warum wollen sie alle unbedingt in den Staaten leben?
Ich denke, die meisten suchen Arbeit dort, sie wollen ihren Lebensunterhalt verdienen. Dann sind da noch die Kleinganoven und Gangmitglieder. Ironischerweise haben viele der Leute in dem Film eigentlich sehr lange in den USA gelebt, bevor sie nach Mexiko abgeschoben wurden—über 20 Jahre lang, im Grund also ihr ganzes Leben. Sie wurden wegen Kleinigkeiten von der Polizei erwischt, Fahren ohne Führerschein oder sowas, und dann aus heiterem Himmel abgeschoben. Viele der Leute sind vor 20 oder 30 Jahren in die USA gekommen und haben Kinder dort. Sie haben es aber nie aus der Illegalität geschafft. Wegen der Gesetzeslage leben und arbeiten viele Menschen in der Anonymität. Eine ganze Subkultur und Gemeinschaft lebt so im Untergrund. Ich nehme mal an, dass das Leben in der Gang umso attraktiver wird, wenn man als illegaler Einwanderer keinen gutbezahlten Job bekommt.
Abgesehen davon kann man mit dem Verkauf von Drogen leicht Geld verdienen. Für einen Job auf Mindestlohnbasis bekommst du in den USA acht Dollar pro Stunde, mit Drogenverkauf kannst du 500 verdienen. Dann aber gab es die Migranten, die alles für eine Übersiedlung von Mexiko in die Staaten riskierten, weil sie dort arbeiten und das Geld dann nach Mexiko bringen wollten. Geld und Essen sind in Mexiko nämlich sehr knapp. Der Unterschied zwischen diesen Typen und den Leuten, die quasi ihr gesamtes Leben hier verbracht hatten, war alarmierend. Die meisten aus der zweiten Gruppe wirkten wie Fremde in ihrem eigenen Land.
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Der Minuteman ist normalerweise ein rechter, christlicher Ideologe mit konservativen Wertvorstellungen und ein bisschen blindem religiösen Eifer. Max hatte eine ganz andere Lebensgeschichte. Sie sind im wesentlichen die Bürgerwehr, wie ist ihr Verhältnis zu den Grenzkontrollen?
Inoffiziell haben sie die Erlaubnis zu tun, was sie wollen. Eigentlich dürfen sie niemanden einfach selbst festnehmen, sie müssen Rücksprache mit der Grenzkontrolle halten. Aber sie dürfen Waffen mit sich führen—zur Selbstverteidigung. Wie oft bringen sie diese zum Einsatz?
Einige von ihnen behaupten, sie hätten diverse Begegnungen mit Drogenhändlern gehabt, die Methamphetamine und andere Drogen über die Grenze in die Vereinigten Staaten schmuggeln wollten. Aber es ist verboten, auf irgendjemanden zu schießen, sie dürfen die Waffen nur als „Abschreckung" tragen. Ich nehme an, dass für ihn da mehr dahinter steckt.
Ja, er war aber auch ein gebrochener Mann.
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Ja, es gab ein paar von ihnen, die nicht mal mit mir sprechen wollten. Sie dachten, ich wäre von einer „linken Nachrichtenorganisation", und weil ich nicht weiß bin, hatten sie Angst, dass ich Informationen weitergeben könnte, die gegen sie verwendet werden könnte.
Es war interessant, denn einer von ihnen war ein Tscheche mit diesem echt krassen Akzent und ich sagte so zu ihm: „Alter, was machst du hier?" Er fühlte sich angepisst, zückte seine Pistole und fing an, in die Luft zu schießen. Das war irgendwie beängstigend, aber ich gewöhnte mich irgendwann daran. Für sie gibt es viele Gründe, warum sie Luft ablassen müssen. Es sieht so aus, als wäre es sowas wie ein Männerverein, als ob sie irgendwas bräuchten, womit sie sich beschäftigen können.
Ja, irgendwie schon. Einige von ihnen sind schon sehr alt.Max während einer seiner typischen Schimpftiraden oder „Reflexionen".Wie unterschied sich Max menschlich von den anderen Minutemen?

Ja, er war aber auch ein gebrochener Mann. Sein Leben hat sich nicht so entwickelt, wie er dachte und er fühlte sich einfach vom System beschissen. Wie geht es ihm heute?
Er lebt mit seiner Schwester, mit der er sich versöhnt hat, in L.A. Als letztes hab ich gehört, dass er einen Job als LKW-Fahrer gesucht hat. Max Kennedy and the American Dream wird von Journeyman Pictures vertrieben. Klickt hier für mehr Informationen zur Veröffentlichung.