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New York ist unter Müll begraben

So wie die Bürger von nahezu jeder beliebigen Stadt in der Geschichte, haben auch die New Yorker eine Vergangenheit voller Müllprobleme. Die des Big Apple scheinen aber besonders schlimm,.
6.1.11

So wie die Bürger von nahezu jeder beliebigen Stadt in der Geschichte, haben auch die New Yorker eine Vergangenheit voller Müllprobleme. Die des Big Apple scheinen aber besonders schlimm, von Altmetall-Dieben über die weltbeste Müllkippen bis hin zu heimatlosen Abfallfrachtern.

Dieses Mal ist die Stadt regelrecht von dem Zeug überflutet. Der Übeltäter für diese Dreck-Tragödie ist der derzeitige Wetterzustand. Das Übermaß an Müll wurde verursacht durch die Feiertage: die ganzen weggeworfenen Geschenkverpackungen und ausrangierten Haushaltswaren. Der Weihnachts-Schneesturm begrub diesen Abfall und lenkte die Aufmerksamkeit der Müllmänner darauf, erst einmal den Schnee wegschaffen mussten.

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Als der große Schneesturm des Jahres an Heiligabend begann, wurden Müllwagen in die ganze Stadt versandt, wie Flotten in einem post-apokalyptischen Korso oder Herden von kolossartigen Roboter-Mastodonten. Und einige, so die New York Post, bewegten sich extrem langam oder gar nicht, da die Arbeiter der Stadtreinigung wegen Budgetkürzungen im Clinch mit dem Bürgermeister liegen.

Seit gestern sind noch immer die Hälfte aller städtischen Müllwagen auf Schnee-Streife—und nieten Grabsteine um anstatt Müll einzusammeln. Eine gute Portion des Stadtmülls blieb daher seit Heiligabend unberührt, weshalb einige New Yorker plärren, als hätte man sie geradewegs in die Viktorianische Ära zurückgeschickt: „Unter Umständen liegt der viele Müll für eine lange Zeit auf unseren Straßen herum und die Wahrscheinlichkeit einer Rattenplage sowie Gesundheitsproblemen steigt mit jedem einzelnen Tag”, sagt der demokratische Bronx-Stadtrat James Vacca in einer E-mail an die Times. „Was die Leute, die Schneebeseitigung für problematisch hielten, bisher gesehen haben, war noch gar nichts.”

Sämtliche Säcke platzen mittlerweile auf, vermutlich aufgrund des Schneegewichts und andere Müllbeutel werden noch obendrauf gestapelt”, so Gretchen Strejc, 31, Köchin im Astoria in Queens. „Es wird wärmer und der Geruch der Müllberge wird sich verschlimmern.”

„Es wird genau wie mit dem Schnee sein”, erzählt Mohammad Taha, 26, der Times vor seinem Gebäude in der Fifth Avenue, wo Müllbeutel eine knapp 2 Meter hohe Mauer neben dem Bürgersteig bilden. „Nur Gott weiß, ob die Müllentsorgung jemals kommen wird.”

Während die Müllberge für einige New Yorker der Anfang vom Ende sind, wurde zumindest eine Person scheinbar von den Massen des Abfalls gerettet. Kurz nach Sonntagmittag sprang ein 26-jähriger Mann aus dem Fenster des neunten Stocks eines Wohnhauses in der West 45th Street. Sein selbstmörderischer Sturz—offensichtlich gefolgt von einer aufgeschlitzten Kehle und dem Versuch, sich zu erhängen—wurde von den Müllsäcken abgefedert und vereitelt. Zurzeit befindet er sich im Krankenhaus, lebend.

Könnte man langsamere Müllabholung als eine Art formloses Sicherheitsnetz für Wohnhäuser und Studentenwohnheime mit hoher Depressionsrate "verwerten"? Vielleicht—eventuell wär dies sogar vonnöten, sobald die Säcke selber Depressionen hervorrufen.

Ein anderes Szenario: wenn der Abfall sich weiter so anhäuft (was den Abtransport umso schwieriger macht) und weitere Schneestürme kommen (die es noch weiter erschweren) könnte die Müllabfuhr doch Helikopter, Segways und Roboter einsetzen, um die Haufen mit geruchsneutralen und wasserfesten Polyesterstoffen abzudecken. So würden die Berge Teil der Straßen werden und so die gute Seite dieses ganzen Desasters betonen: eine ernüchternde Ermahnung—nicht ob der Inkompetenz der Regierung sondern wieviel Müll wir produzieren können.