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#aufschrei gegen das Grapsch-Brüderle

Brüderles Entgleisungen gegenüber einer stern-Journalistin entwickelten sich über Nacht zu einer lawinenartigen Sexismus-Debatte auf Twitter und in der Medienwelt.
25.1.13
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Ursprünglich ging es Laura Himmelreich und Annett Meiritz darum, ihr Schweigen zu brechen und von ihren sexistischen Erfahrungen mit Spitzenpolitikern zu berichten. Daraus entwickelte sich über Nacht eine große Debatte auf Twitter und in der Medienwelt.

Worum geht es?

Laura Himmelreich beschreibt im stern, wie sie vor einem Jahr von Rainer Brüderle (FDP) angebaggert wurde. Der schmierige Opa machte ihr unpassende „Komplimente“ und musste schließlich von einer Sprecherin entfernt werden, nachdem er versucht hatte, die junge Journalistin zu begrapschen. Entschuldigen Sie bitte, aber mir kommt da gerade etwas Kotze hoch …

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„Brüderles Blick“, schreibt Laura Himmelreich, wandert auf meinen Busen. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ Im Laufe unseres Gesprächs greift er nach meiner Hand und küsst sie. „Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen.“ „Herr Brüderle“, sage ich, „Sie sind Politiker, ich bin Journalistin.“ „Politiker verfallen doch alle Journalistinnen“, sagt er. Ich sage: „Ich finde es besser, wir halten das hier professionell.“ „Am Ende sind wir alle nur Menschen.“

Leider kein Einzelfall, werden doch immer wieder Journalistinnen von notgeilen Politikern angegraben und sexualisiert.

So berichtet Annett Meiritz auf Spiegel Online von ihrem unschönen Erlebnis mit der angeblich ach so antisexistischen Piratenpartei. Die Piraten geben sich ja gerne besonders aufgeklärt, ein Selbstbild, welches leider stark von der Realität abweicht. So wurde der Spiegel Online-Journalistin eine Affäre mit nicht nur einem, sondern sogar zwei ihrer Informanten der Piraten nachgesagt. Weil sie sich mit ihnen in einem Café traf.

Krass dumm, liebe Piraten. Auf Twitter haben Mitgliedern der Piraten sie der Prostitution bezichtigt.

Sag mal @piratsimon hat Dich @annmeiritz jetzt auch geblockt? - Keine Ahnung. Solange mich nicht Journalisten blockieren, sondern nur Prostituierte ist mir das egal cc @annmeiritz … Menschen prostituieren sich nicht nur für Geld.

Die Reaktion

Die oben beschriebenen Beispiele sind keinesfalls besonders heftige Ausrutscher, sondern beschreiben den ganz normalen Sexismus, dem u.a. Frauen täglich ausgesetzt sind. Fast jede hat eine ähnliche Situation schon ein mal erlebt. Ob im Job, beim Einkaufen, in der Freizeit, in der Familie. Überall wird gegrapscht, geglotzt und beleidigt. Sexismus bestimmt nach wie vor den Alltag vieler Frauen. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch Politiker eine sexistische Verhaltensweise an den Tag legen.

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Und Brüderle? Der schweigt bis dato zu diesem Thema. Nur sein Kumpel Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nahm Brüderle in Schutz. „Diese Art der Berichterstattung ein Jahr nach einem angeblichen Vorfall ist zutiefst unfair.“ UNFAIR? Dies als Ausrutscher oder Lappalien abzutun, wie Brüderle und Co. es wahrscheinlich gerne hätten, wäre ein fataler Fehler, welcher ein grundlegendes Problem des gemeinsamen Miteinanders verharmlosen würde und den Weg für weitere Benachteiligung von Frauen frei macht.

Dass Sexismus im Alltag keine Randerscheinung ist, zeigen auch die Reaktion auf Twitter. Unter #aufschrei machen hier Hunderte Betroffene ihrer Wut Luft und berichten von ihren Erlebnissen.

Diese Debatte ist wichtig und längst überfällig. Denn ohne eine breite Öffentlichkeit wird das Thema auch in Zukunft totgeschwiegen. Wie wichtig diese Debatte ist, zeigen diverse feindliche Reaktionen von Männern, die das Problem nur all zu gerne verharmlosen wollen und die Debatte ins Lächerliche ziehen. Aber nix da! Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie hartnäckig manche Männer an dem Glauben festhalten, es gäbe so etwas wie Sexismus nicht, schließlich hätten sie so etwas noch nie erlebt. Komisch.

Des Weiteren fühlen sich viele Männer persönlich angegriffen und beleidigt, was irgendwie verwundert. Denn es geht bei dieser Debatte keineswegs darum, alle Männer zu pauschalisieren und als Täter abzustempeln. Es geht darum, den strukturellen Sexismus im Alltag aufzuzeigen und endlich zu überwinden. Durch Aufklärung. Na ja, und zur Not auch mit einem kräftigen Schlag auf den Hinterkopf. Der soll ja bekanntlich das Denkvermögen erhöhen.

Jedoch muss man sich schon wundern, wieso einige Männer sich so extrem angegriffen fühlen. Schlechtes Gewissen, oder watt?

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