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Vice Blog

Du musst dir kein Dope drücken, um Leder zu tragen.

Ryan Turner treibt sich jetzt schon seit Jahren in der Lower East Side herum. Mit seiner Willie Nelson Frisur ist dieser schelmische Rotschopf kaum zu übersehen.

Ryan Turner treibt sich jetzt schon seit Jahren in der Lower East Side herum. Mit seiner Willie Nelson Frisur ist dieser schelmische Rotschopf kaum zu übersehen. Ryan ist vor allem klug und kein Klugscheißer: Er ist der rasant redende Real Deal. Früher bildete er eine Hälfte der Verantwortlichen hinter der Ludlow Menswear Kollektion THECAST, heute wandelt er auf eigenen Pfaden.

Seine neue Kollektion The Outcast ist ebenso dreckig wie THECAST und verbreitet ein ähnliches Feeling. Obwohl es sich hier also um eine Zusammenarbeit mit Urban Outfitters handelt, ist das keine Ware für die üblichen weichgespülten Schlappschwänze im Shopping Center. The Outcast bedient sich bei der dunkleren Seite des Americana und dreht sich um Denim, Leder und Motoröl. Und zum ersten Mal bewegt sich eine Linie, die sich vor all den halbstarken greasy Mistkerlen in ärmellosen Westen verbeugt, auch wirklich in deren Preisklasse. Während THECAST die feinsten Lederjacken made in New York produziert, die man mit Geld kaufen kann (und man braucht sehr viel Geld dafür), hat The Outcast ähnlich scharfe Jacken aus Lederimitat, die sich auch diejenigen von uns ohne Geld leisten können.

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Für diejenigen, die es noch nicht mitgekriegt haben: Urban Outfitters hat in der letzten Zeit viele Kollektionen mit Womenswear Designern rausgebracht, oft mit gemischten Resultaten. Einige der Sachen sind nur Remakes von Looks der letzten Saison mit billigeren Materialien und beschissener produziert, während andere wirklich klasse aussehen und billig sind. Ich habe gemischte Gefühle gegenüber einer Firma, die oft dafür angefeindet wurde, so viele aufstrebende Underground Designer abzukupfern, aber heutzutage ist es besser bezahlt zu werden, als nicht. Außerdem ist es ein feiner Business Schachzug von ihnen, die Designer zu engagieren, die sie vorher nur imitiert hätten.

Turner und sein Partner Chuck Guarino gingen vor kurzem getrennte Wege, so dass Turner Vollzeit an seiner Linie arbeiten konnte, und es ist die erste ernstzunehmende Herrenkollektion geworden, die Urban Outfitters rausgebracht hat. Es gab Ausflüge in den Menswear Bereich wie die vierteilige Yoko Devereaux Kollektion, aber davon abgesehen, war alles Girls Only. Für Turner ist The Outcast in gleichen Maßen ein Experiment, wie weit er die Grenzen des Konzernriesen verschieben kann, wie ein Experiment in Mode überhaupt. Sich in die Höhle des Konzernlöwen zu begeben, hat auf jeden Fall einige ernstzunehmende Resultate zu Tage gebracht - solide und rough, ohne überproduziert zu wirken.

Da sie mit den Katalogfotos nicht zufrieden waren, organisierten einige von Turners Kumpels im Hinterland von Florida einen Guerilla Shoot, um zu zeigen, wie echte Halbstarke die Klamotten tragen. Das demonstriert gleichzeitig sehr eindrucksvoll, wie groß der Unterschied zwischen dem Standpunkt des Designers und den Richtlinien der Firma ist:

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Erst die Urban Outfitters Promo Fotos:

Vergleiche mit einem der inoffiziellen Fotos:

Man kriegt einen Eindruck.

Wir haben uns ein bisschen mit diesem knurrigen Raubein von Designer über seine Pläne für die Zukunft, über seine Arbeit mit den Anzugträgern bei Urban und ein bisschen über alles andere unterhalten.

VICE: Du hast eine Linie, die du mitaufgebaut hast, deinem Langzeitpartner Chuck Guarino überlassen, um an The Outcast zu arbeiten. Wird das erstmal dein einziges Projekt bleiben, oder hast du noch andere Sachen in Planung?

Ryan Turner: Erstmal ja, auf jeden Fall. Das Projekt befindet sich in den Kinderschuhen, und Papa muss sich um sein Baby kümmern. Wenn das Ganze ins Laufen kommt (hoffentlich), werden wir eine neue Spin off  Linie konzipieren. Die Arbeit an solchen Projekten organisiert sich saisonal, also gibt es immer wieder Lücken im Terminkalender. In diesen Lücken werde ich auf  jeden Fall einige  kreative Optionen als freier Designer nutzen.

Es erfordert ziemlich viel Eier, um dem exklusiven Made in NYC Streetwear Vibe auf Wiedersehen zu sagen und zu einer Firma wie Urban Outfitters zu wechseln. Wie hast du dich dazu entschieden?

Die Zeit dazu ist einfach gekommen. Chuck und ich hatten bei THECAST schon unsere verschiedenen Bereiche, auf die wir uns konzentriert haben, bevor wir die Entscheidung publik gemacht haben. Was du hier andeutest, ich hätte meine NYC Street Credibility aufgegeben, das sehe ich nicht so. Ich wohne in der verdammten Ludlow Street und sehe meine Brüder hier jeden Tag. Ich brauchte eine größere Bühne, was für eine eigenfinanzierte Firma einfach nicht möglich war. Wenn mich das in den Augen von irgendwelchen Leuten weniger cool macht, dann gib mir ihre Namen. Sie dürfen gerne meine Miete zahlen und mir dann, bevor sie wieder verschwinden, alle gemeinsam einen lutschen, verdammt.

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Wir haben in der letzten Zeit bei Urban Outfitters viele Kollektionen von aufstrebenden Designern gesehen. Wie willst du im Konzernkäfig deine Eigenständigkeit zu bewahren? Urban ist eher bekannt als Trend-Follower, nicht als Trendsetter.

Wir wurden engagiert, um eine Rock n Roll Linie zu entwickeln, die ihrer Meinung nach fehlte. Wir fanden nachher raus, dass sich ein ganzer Haufen von Leuten um diesen Job gerissen hatte. Urban kam zu uns, weil sie dachten, wir wären ein geeigneter Kandidat für den Job. Seine Eigenständigkeit zu bewahren ist nicht so schwer, es geht eher darum, mit wie viel wir durchkommen können. Und das ist ehrlich gesagt mehr, als wir gedacht hätten. Das Team, mit dem wir arbeiten, hat es echt drauf.

Es ist sehr angenehm die Sicherheit einer so großen Firma hinter sich zu haben, anstatt alles alleine zu machen. Verändert das deine Perspektive auf Design?

Es gibt jetzt Produktionsmöglichkeiten, die ich vorher nie hatte. Das ist ziemlich aufregend. „Verändert" es mein Design? Ich weiß nicht, was da passiert, hat es einen Einfluss? Natürlich. Bestimmte Verfahren und Materialien stehen uns jetzt offen, weil wir uns in größeren Dimensionen bewegen.

The Outcast beschäftigt sich sehr ernst mit der dunklen Seite des Americana. Es gibt starke Referenzen an die Biker- und Halbstarken Kultur. Die Art von Jungs, die sich nicht scheuen, ihre Hände schmutzig zu machen. Ist das nicht ein Widerspruch zum Leben in der Stadt?

Nein, weil ich diese Art von Person bin, du verfluchtes Arschloch. Ich hab mir seit dem Tag, als ich hier aufgetaucht bin - das war im Januar 02 - den Arsch aufgerissen. Ich hatte 900 Dollar und hab es geschafft in der Norfolk Street einen Pachtvertrag zu kriegen (normalerweise brauchst du dafür einen Scheiß Kautionsmakler). Ich habe mir in irgendwelchen Spelunken den Rücken krumm gearbeitet, Kotze aufgewischt, an der Tür gestanden. Drecksjobs. Das ist NY, ich bin aus den Hills außerhalb von Santa Barbara, wir hatten unsere eigenen Hühner und unseren eigenen Garten, von da haben wir unser Essen gekriegt.

Für all den Schmutz und Dreck bist du jetzt ein ziemlich clean lebender Typ. Denkst du manchmal, du lebst dich durch deine Designs aus? Ich weiß, dass es viel einfacher ist, Zeug geregelt zu kriegen, wenn du nicht vollkommen weich im Kopf bist.

1.Du musst dir kein Hero ballern, um Leder zu tragen. 2. Du schaffst mehr, wenn du nüchtern bist.