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Das Mahü-Worst-Case-Szenario

Was diesen Herbst abgesehen von ein paar Autos auf uns zukommen könnte, wenn die Grünen ihre Mahü-Abstimmung verlieren.
21.2.14

So könnte Wien nach vorgezognen Gemeinderatswahlen im Herbst 2014 ausschauen. Brr.

Bevor ihr mir jetzt auf dem Weg in die dunkelste Dystopie seit Batmans Ruhestand in Gotham City folgt, muss ich eines vorwegschicken: Weder die Grünen, noch die SPÖ oder die Stadt Wien haben uns einen Cent der 850.000 Euro gegeben, die im Zuge einer Werbekampagne mit beiden Händen an die Radfahrer verteilt wurden, um sicherzustellen, dass ein Teil der Mariahilfer Straße autofrei bleibt. Dementsprechend kann ich auch ganz wertfrei sagen, dass mir die ganze Thematik ungefähr so egal ist wie die Frage, ob Michael Häupl Slips oder Boxershorts trägt.

Ich habe weder ein Geschäft dort, noch bin ich Anrainer und ich hab nicht einmal ein Auto, geschweige denn einen Führerschein. Ich würde mich zwar ganz egoistisch über eine autofreie Innenstadt freuen (auch wegen der Abgase und der Kinder, die ich nie haben werde), aber ob ich zwischen American Apparel und Thalia von einem Auto oder Radfahrer niedergemäht werde, macht meiner Auffassung nach keinen allzu großen Unterschied—vor allem, weil ich mich in dieser Gegend kaum aufhalte. Genauso wie die anderen 99,9 % der Österreicher, die zum Glück nicht mitbestimmen dürfen, was sie aber nicht davon abhält eine Meinung dazu zu haben, was „die da oben über unsere Köpfe hinweg entscheiden“.

Aber wenn am 7. März um 10 Uhr die letzten Stimmzettel in einem der beiden Amtshäuser einlangen und drei Tage später Patrik Volf, Pressesprecher der Vizebürgermeisterin, vor die Presse tritt, um mit gesenktem Haupt zu verkünden, dass sich die Wiener gegen die Begegnungszone entschieden haben, sitzen Maria Vassilakou und Michael Häupl schon mit einem Doppler im Wirtshaus und wir ordentlich in der Scheiße. Während die beiden Landesparteivorsitzenden am Anfang noch in zahlreichen Statements betonen, dass es sich bei dem Ergebnis um „kein Statement gegen Rot-Grün“ (Häupl) handle und „das Koalitionsklima bestens“ sei (Vassilakou), berichtet der Kurier mit Bezugnahme auf einen ungenannt bleiben wollenden Informanten aus der SPÖ, dass sich die Partei hinter den Kulissen bereits seit Jänner auf vorgezogene Neuwahlen im Herbst vorbereite.

Nach dem Noch-Bürgermeister Häupl von „rücksichtlosen Radfahrern“spricht, drehen die Grünen auf Twitter durch.

Die Partei dementiert sofort, aber als Michael Häupl eine Woche später der Krone ein Interview gibt, in dem er von „rücksichtlosen Radfahrern“ spricht, die für das Abstimmungsfiasko verantwortlich seien, das Happy-Video als „erbärmlichsten Versuch, auf Stimmenfang zu gehen“ bezeichnet und zu allem Überfluss noch betont, man werde das „Mehrheitswahlrecht niemals ändern“ und daraufhin zahlreiche Grünpolitiker den Bürgermeister auf Twitter als „fette Sau, die nicht einmal Radfahren kann“ und „so hoch wie breites Weinfassl“ beschimpfen, platzt die rot-grüne Koalition innerhalb einer Woche.

Die schnell ausgerufenen Neuwahlen finden am 2. November statt und wie gewohnt soll Häupl die SPÖ, wenn schon nicht zur absoluten, so doch zu einer großen Mehrheit führen. Eine Koalition mit den Grünen wird im Vorfeld vollmundig ausgeschlossen und trotz desaströser Umfragen sind die Roten aus Tradition siegessicher und stellen sich auf eine Zusammenarbeit mit einer kaum noch lebendigen Wiener ÖVP ein, die Erinnerungen an alte Alleinregierungstage wecken soll. Aber natürlich passiert es ganz anders. Die SPÖ erzielt ihr historisch schlechtestes Ergebnis und kommt nur ganz knapp auf über 30 %. Die ÖVP fällt dank des Mehrheitswahlrechts erstmals ganz aus dem Rathaus und aus Stenzl City wird plötzlich Strolz City, nachdem die Neos nicht nur den Grünen den 7. Bezirk abnehmen, sondern als Folge eines beispiellosen Wahlkampfes auch den 1. Bezirk an sich reißen. Der große Wahlgewinner ist natürlich HC Strache, der es schafft, aus einem ehemals roten Wien ein blau-rotes Wien zu machen.

In seiner ersten Reaktion auf das bestürzende Ergebnis betont Michael Häupl, seiner Linie treu bleibend, dass es in Wien niemals eine Koalition mit der FPÖ geben werde. Eine Behauptung, die genau zwei Tage lang hält, bis Häupl einem Gewerkschafter aus Favoriten weichen muss, der in einen Burgenländisch-Wienerischen Putsch die Parteiführung an sich reißt. Und so heißt in einem Jahr der neue Bürgermeister Johann Gudenus.

David ist auch auf Twitter: @rznr