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Wir haben noch mehr 'Sex Factor' geschaut, damit du es nicht musst

Seit den ersten paar Folgen hat sich einiges getan—irgendwie.

von Janis Hopkins
24 Juni 2016, 4:00am

Titelfoto: Hero D. Protagonist dreht eine Szene | Alle Fotos sind Screenshots von Sexfactor.com

Das Schöne an The Sex Factor—einer Online-Reality-Show, in der die Kandidaten darum wetteifern, wer der nächste Pornostar wird—ist eigentlich, wie leicht die Sendung in exakt die gleichen Muster verfällt wie andere Realityshows. Ausraster, Rumgezicke, übertrieben aufgeblasene Egos, strenge Juroren und absurde Aufgaben. Wenn du dich auf das Format einlässt, vergisst du beinahe, dass du eigentlich einen Porno schaust.

Obwohl. Nein. Moment. Sorry. Das stimmt so auch nicht. Nachdem wir darüber berichtet hatten, was in den ersten paar Episoden so abgeht—wir hatten immerhin fast die Hälfte der Staffel gesehen—, bog die Sendung scharf nach links ab und brachte uns direkt nach Pornohausen. Alles, was jetzt kam, war reinstes Pornodestillat—200 Prozent Porno quasi. Ein Porno so pornös, wie es nur geht. Porno, extra konzentriert, Baby.

Die Folgen drei bis sechs waren ganz klar die Wochen des nackten Fleisches. Die verbliebenen Teilnehmer wurden in Paare eingeteilt und zu orgiastischen Penetrationssessions verdonnert. Die Zeit der Lapdances und Knutschwettbewerbe war vorbei, jetzt wurde hemmungslos geknattert. Obwohl ... ein paar Hemmungen gab es dann doch. Was wir dieses Mal gelernt haben:

Manchmal macht ein Penis nicht, was er soll

Ein Kandidat wird getröstet, nachdem sein Penis den Dienst verweigert hat

Seid jetzt bitte alle ganz aufmerksam, denn das hier ist wirklich wichtig. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist der Penis ein überaus empfindliches Gerät, vergleichbar mit Knochenporzellan oder einem Fabergé-Ei. Er schmeckt den Wind, trommelt auf seiner Brust, er spürt das chthonische Summen der Planetenseele und, ja, manchmal macht er ein kleines Nickerchen.

Das hier waren die Wochen des schlaffen Penis. In Folge drei bekamen wir summa summarum nicht weniger als zwei erigierte Penisse zu sehen. In Folge vier und fünf sah es auch nicht viel besser aus. Aber hey, so was passiert den Besten. Sie wird mit den Augen rollen, sie wird Verständnis zeigen, sie wird in stiller Raserei daliegen und sich fragen, ob es OK ist, direkt neben dir selbst Hand anzulegen, oder ob sie doch besser schnell unter die Dusche springt.

Manchmal, ja, manchmal gibt es dafür sogar ein mitfühlendes Lächeln und wirklich einfühlsames Verständnis. Es ist die schlimmste Reaktion von allen. Wut, Trauer, Frustration, Gleichgültigkeit—das ist alles OK. Diese Reaktionen werden alle ganz tief nach unten in das schwarze Loch des Egos gedrückt und schnell vergessen. Aber Verständnis? Niemals. Nenn uns ruhig Floppy Whopper und die Kammer des Schreckens. Das geht in ein Ohr rein und kommt im anderen wieder raus. Aber Verständnis? Das ist einfach zu viel.

Das hier waren die Wochen des schlaffen Penis.

Je blöder der Name, desto stärker der Schwanz

Ein recht unangenehmer Moment in Folge drei von 'The Sex Factor'

Die beiden Männer, die als erste eine prächtige Erektion zustande brachten, waren der Colonel und Hero D. Protagonist—die beiden Teilnehmer mit den bescheuertsten Namen. Daraus können wir durchaus eine Lehre ziehen, nämlich dass Porno Kopfsache ist. Wie kann jemand, der sich "Buddy" nennt, darauf hoffen, jemals eine anständige Erektion zu Stande zu bringen? Buddy ist der Bilderbuchathlet, der hier schonungslos vom Obernerd vorgeführt wird. Der Obernerd ist der Colonel, der mit stolz geschwelltem Phallus durch die Sendung schreitet.

Hero D. Protagonist ist ein breitgebauter, gutgebräunter und sensibler junger Mann. Er würde auf einer Party, ohne zu zögern, einen kreisenden Joint annehmen, mit einem konspirativen Kennernicken würde er betont genüsslich daran ziehen und seinen Hustenreiz so gut wie möglich unterdrücken. Er ist mal bodyboarden gewesen und mag die Musik der Red Hot Chili Peppers. Hero D. Protagonist wird Allie Eve Knox zugeteilt, die den Fotowettbewerb der vorangegangenen Folge trotz lilastichiger Haare gewonnen hatte (dafür, dass es in der Sendung vor allem ums Ficken geht, sind sie bei Haarfarben ganz schön konservativ). Sie vögeln kompetent und ansehnlich auf einer Sonnenliege. Die Wettquoten gehen in den Keller.

Der Colonel ist da aus einem anderen Holz geschnitzt. Der Colonel könnte sich nichts Besseres vorstellen, als hier zu sein. Der Colonel wacht jeden Morgen in freudiger Erwartung mit seinem Schwanz auf Vollmast auf. Seine World of Warcraft-Gilde geht vor lauter Neid die Wände hoch. Der Colonel wird Khaya Peake zugeteilt. Khaya Peake ist intelligent und unglaublich attraktiv. Von Erektionsproblemen keine Spur, aber falls jemand alles auf "extrem übertriebene Vorfreude und frühzeitige Gratulation" gesetzt hat, bitte nicht alles auf einmal ausgeben.

Er ist so schnell drin und wieder draußen, als wäre ihm gerade eingefallen, dass er den Herd angelassen hat. Sein Moneyshot kommt so fix, dass Jurorin Lexi Belle nur staunen kann. "Oh ja, ich hätte auch noch länger gekonnt", lügt er dreist in die Kamera. Sie schneiden zu einem Interview, in dem der Colonel aussieht, als hätte er gerade einen Sechser im Lotto gewonnen—"Mal ehrlich, wer würde das nicht?" An einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit wäre das vielleicht als Fehltritt gewertet worden, aber wir sind hier bei The Sex Factor und es ist die Woche der schlaffen Pimmel.

Der "Sex Factor" ist extrem schwer zu definieren

Die Jury nach einem weiteren missglückten Versuch, jemanden mit dem "Sex Factor" zu finden

Du weißt doch bei X Factor—also, dem echten X Factor; dieser Sendung, deren Anwälte von Team Sex Factor in einem fairen Faustkampf besiegt worden waren—, wenn die Jury da einen Kandidaten fragt, ob er den "X Factor" hat, und nichts als Ratlosigkeit zurückkommt. Diese Ratlosigkeit begründet sich darin, dass "der X Factor" nicht wirklich existiert. Es ist eins dieser ungreifbaren Konzepte wie Glück oder Peter André. Das Gleiche trifft auch auf den "Sex Factor" zu.

Zu Beginn der Sendung konnte dir die Jury wahrscheinlich eine ganze Reihe von Faktoren auflisten, die den "Sex Factor" ausmachen—Charisma, Performance, Attraktivität, etc. pp.—, aber die Realität ist eine andere. Die Messlatte musste mit dem Einzug der Kandidaten weit nach unten korrigiert werden. Damit einer der Männer den "Sex Factor" bekommt, muss er überhaupt erst mal eine ehrliche Erektion auf die Beine stellen. Für die Frauen ist die Sendung eher zu einem Wettbewerb darin geworden, wer am kunstvollsten seine bodenlose Abscheu überspielen kann. Oh, war das jetzt vielleicht etwas zu nah an der Wahrheit?

In dieser grausamen Welt gibt es keine Gerechtigkeit

Der Colonel ist nach seinem Ausscheiden sichtlich aufgebracht

Der Colonel wurde unehrenhaft entlassen. Der Goldjunge—unser Goldjunge—wurde nach einer Art Revolte unter den Jurymitgliedern wieder in der Wildnis ausgesetzt. Während diverse Männer kraftlos auf ihren Betten lagen und vergeblich versuchten, den Blutfluss in das einäugige Seeungeheuer zu leiten, schritt der Colonel an ihnen vorbei wie ein Tempelritter auf dem Weg zum Lanzenstechen.

Offiziell zeigte man ihm die Tür, weil es ihm, wie Tori Black es ausgedrückt hatte, an "Präsenz" fehlt. Aber wir wissen alle, was sie damit eigentlich meinte. Wir—die dürre, untervögelte Masse—durchschauen das. Der Colonel durfte nicht im Rennen bleiben, weil er alle hübschen Männer schlecht aussehen ließ. Der Colonel verfügt nicht über die natürliche, muskulöse Schönheit anderer Männer. Aber hast du dir die Männer in Pornos mal angeschaut? Ron Jeremy sieht aus wie ein Haggis. Der Colonel ist der nerdige Jedermann, nach dem eine ganze Generation stubenhockender Einhandsegler verlangt.

Nur weil es Porno ist, heißt das nicht, dass es keine Grenzen gibt

Lebe wohl, David Caspian, du furchtbares Exemplar von einem Mensch. Indem du ungefragt auf dem Boden kichernd vor dich hin masturbiert hast, hast du anschaulich demonstriert, dass du diese wichtige Regel nicht verstanden hast. Aber in Sex Factor bist du nicht allein.

Dani Darko musste die Sendung in Folge drei verlassen, weil sei versucht hatte, Johnny Black mit ihrer Zunge zu erdrosseln—ein Move, der eigentlich nirgendwo gut ankommt. Sie behauptete, sein ersticktes Flehen, schlicht und einfach nicht bemerkt zu haben. Aber es ist auch ziemlich schwer, sich deutlich mitzuteilen, wenn es einem gerade wie John Hurt in Alien geht. Aber sieht ihren Rauswurf doch wenigstens gut weggesteckt, oder?

Sie hat ihren Rauswurf gar nicht gut weggesteckt


Drei ganze Folgen hat es gedauert, bis wir Zeuge des ersten hochkarätigen Ausrasters wurden—dieser war aber dafür auch wirklich erste Sahne. Die Essenz eines jeden erstklassigen Realityshow-Ausrasters ist die, dass er quasi undurchschaubar ist. Es gibt Geschrei und Rumgeheule und, im besten Fall, fliegen auch noch ein paar Gegenstände durch die Luft. Was wir aber alle tief in unseren Herzen sehen und hören wollen, ist dieses von Wut und Pein verdrehte Kauderwelsch. Jemanden, der so sehr vom heiligen Geist des Wahnsinns befallen wurde, dass er es nicht mehr schafft, vernünftig in seiner Muttersprache zu kommunizieren.

"Ich habe diese Scheiße gemacht! Das war alles ich!" Sie schlägt sich gegen die Brust, ihr Gesicht vor Wut verzerrt und ihre Stimme eine Oktave höher als sonst. Was hat sie gemacht? Liebe Leserinnen und liebe Leser, wir sind uns nicht sicher. Sie wiederholt immer wieder "Ich habe diese Scheiße gemacht!", zeigt mit ihrem Finger auf Menschen und wütet durch das Badezimmer. Habe ich etwas verpasst? Hat sie etwas gemacht, als ich gerade nicht aufgepasst habe? Hat Buddy Hollywood ihren Lego Millennium Falcon umgetreten? Vielleicht meint sie damit die eine Szene, die sie gemacht hat; die Szene, in der sie Johnny Black psychisch so sehr verstört hat, dass sich sein Schwanz in den Winterschlaf verabschiedet hat?

Es tut der Seele gut, den ersten richtigen Ausraster zu sehen. Es hat etwas Natürliches. Irgendwie fühlt man sich direkt wie zu Hause. Sind es am Ende nicht solche Szenen, warum wir Sendungen wie The Sex Factor überhaupt schauen? Sie tun ihr Bestes, alles irgendwie sexy zu machen, aber die eigentümliche Alchemie des Realityformats hat anderes im Sinn.

Alles ist lustiger, wenn es nackt ist


Das ist eine der wenigen unumstößlichen Comedy-Regeln in unseren schnelllebigen Zeiten.

Das ist doch diese eine Sache beim Sex, oder? Wenn du wirklich drüber nachdenkst, ist es einfach unfassbar lächerlich. Hast du dir jemals einen Schwanz und ein Paar Eier angeguckt? Geradezu lachhaft! Wirf mal einen Blick auf das nächstgelegene Exemplar und dann sag mir ehrlich, dass sie nicht wenigstens ein kleinwenig lustig aussehen. Manchmal frage ich mich schon, ob die Sendung nicht ihren ganzen Zauber einbüßen würde, wenn sie irgendwann doch mal ernsthaft erotisch werden sollte. Zum Glück sieht es nicht so aus, als ob das jemals passieren würde.