Unterwegs auf einem Tierfriedhof

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Unterwegs auf einem Tierfriedhof

Gegründet wurde der Los Angeles Pet Memorial Park im Jahr 1928 und deswegen lässt sich der Unterschied zwischen altmodischer und aktueller Trauerbewältigung dort besonders gut erkennen.
6.10.15

Ich habe keine Ahnung, ob wirklich alle Hunde im Himmel landen oder ob das nur ein paar tun oder ob es so etwas wie den Himmel überhaupt gibt. Ich weiß nur, dass wenn diese Tiere über den Jordan gehen, ihre leblosen Körper weiter auf der Erde verweilen—zu groß, um sie wie einen Goldfisch in der Toilette runterzuspülen, und zu wertvoll, um sie einfach so auf den Müll zu werfen.

Aber was macht man dann mit der Leiche seines besten tierischen Freundes und Wegbegleiters? Einfach so vergraben ist nicht drin, denn das ist illegal. In Los Angeles hast du jedoch die Möglichkeit, das Angebot des Los Angeles Pet Memorial Park and Crematorium zu nutzen und dort dein geliebtes Haustier neben 40.000 anderen Hunden, Katzen, Hamstern, Pferden, Vögeln, Schweinen, Schafen und weiß Gott was noch alles beisetzen.

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Gegründet wurde der Tierfriedhof im Jahr 1928 und eigentlich befindet er sich gar nicht in Los Angeles, sondern in der ungefähr 50 Kilometer entfernt liegenden Stadt Calabasas. Die Liste der bekanntesten dort begrabenen Tiere klingt dann allerdings doch sehr nach Hollywood: So findet man dort zum Beispiel die Gräber des berühmten MGM-Löwen, des Hundes aus der Serie Die kleinen Strolche, des Pferds von Hopalong Cassidy und des Dobermans von Rudolph Valentino (letztgenanntes Tier soll angeblich auch nachts auf dem Friedhof herumspuken).

Da es sich hier um einen der ältesten Tierfriedhöfe der US-Westküste handelt, werden dort schon fast ein ganzes Jahrhundert lang tote Haustiere begraben. Wenn man zwischen den Grabsteinen umherspaziert, fallen einem vor allem die unterschiedlichen namentlichen Tendenzen der verschiedenen Jahrzehnte auf. In den 20er Jahren war es zum Beispiel vollkommen normal, seinen Hund „Big Dick" zu nennen. Und in den 30ern schrillten keine Rassismus-Alarmglocken, wenn man einem Haustier namens „Spook", „Nig", „Tar Baby" oder gar „Swastika" begegnete.

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Die neueren Gräber werden sorgfältig gepflegt und mit Accessoires zugepflastert—beispielsweise mit Windrädchen, Spielzeug oder Fotos. Auf den Grabsteinen selbst sind dann Inschriften wie „Mein bester Freund. Mein Herz. Meine Liebe. Mein Leben. Mein Alles" oder „Wenn Liebe deine Rettung gewesen wäre, dann hättest du ewig gelebt" zu lesen.

„Du hast mich besser verstanden, als es ein Mensch je getan hat" heißt es auf dem Grabstein eines Hundes, der gerade mal sieben Jahre alt wurde. Je mehr wir uns von unseren Mitmenschen abschotten, desto enger wird die Beziehung zu unseren Haustieren. Diese emotionale Bindung macht den Verlust dann umso schwerer und erklärt auch, warum die heutigen Tiergräber viel sentimentaler anmuten, als ihre Gegenstücke aus alten Tagen. Tiernamen sind anscheinend nicht die einzige Sache, die zeigen, wie sich die Zeiten ändern.

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Auf diese alten Gräber werden keine Blumen mehr gelegt, denn die Besitzer der dort vergrabenen Tiere sind selbst schon tot. Du gehst davon aus, dass sich nach deinem Tod kein Mensch mehr an dich erinnern wird? Erzähl das mal Sir William Shakespeare—also der Katze, die 1953 im Los Angeles Pet Memorial Park beigesetzt und 1954 wohl das letzte Mal besucht wurde. Der Hund Gucci hingegen ist jetzt schon seit fünf Jahren tot und bekommt immer noch Leckerlis. Diese Leckerlis wird es jedoch auch nicht mehr geben, wenn seine ehemalige Besitzerin ebenfalls unter der Erde liegt. Ich frage mich, ob dann überhaupt irgendjemand deren Tod betrauern wird.