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Sex

Was wir von RTLs Nackt-Dating-Show über das Leben gelernt haben

„Eine Pole-Dance-Stange wird es wohl nicht geben, aber vielleicht ist seine Stange groß genug!" und andere Perlen aus ‚Adam sucht Eva – gestrandet im Paradies'.

von Ilona Blanco
16 Juli 2015, 2:51pm

Foto: © RTL

Bauer sucht Frau, Bachelor und Bachelorette, Traumfrau gesucht, das Auslands-Spin-Off von Schwiegertochter gesucht, in dem es auch irgendwie um Liebe geht—bei all den verschiedenen Dating-Formaten wird es schwer, den Überblick zu behalten. Umso glücklicher macht es uns dementsprechend, dass ab jetzt wieder regelmäßig am Mittwochabend das wohl einzigartigste Fremdschäm-Massaker von allen über die deutschen Bildschirme flackert: Adam sucht Eva—gestrandet im Paradies. So gestrandet und ursprünglich, wie man komplett enthaart mit Silikonbrüsten eben sein kann, wenn man sich in einer tropischen FKK-Kommune auf RTL um die Wette datet.

Wir haben uns in einem Akt beispielloser journalistischer Aufopferung die erste Folge der neuen Staffel angeguckt. Und auch wenn wir das Wettbewerbsprinzip nicht so richtig verstanden haben (Erst Adam und Eva 1 auf der Liebesinsel, dann Eva 2 und 3 auf der normalen Insel, dann alle zusammen auf der normalen Insel, dann Adam und Wahl-Eva auf der Liebesinsel. Und irgendwann kommen auch noch andere Adams und Evas), so haben wir doch einige andere wichtige Erkenntnisse gewonnen. Über das Leben, die Liebe und Penisse. Vor allem über Penisse.

Bahati, Jeannina, Beatrix und Gaetano. Alle Fotos: © RTL

Penisse > alles

Ja, klar. Es ist eine Sendung, deren komplettes Konzept darauf aufbaut, dass Leute nackt sind. Wie sehr sich aber jede einzelne Unterhaltung um das männliche Geschlechtsorgan drehte, war dann doch überraschend. Vor allem für eine Sendung, die nicht irgendwann im Nachtprogramm eines Drittsenders versteckt ist, sondern prominent platziert auf RTL läuft.

„Ich bin schon aufgeregt. Ich werde wahrscheinlich zuerst auf sein Ding gucken. Wenn das so ein winziges Würstchen ist, weiß ich nicht, ob ich mich freuen werde", gibt sich zum Beispiel Jeannina bei ihrer Vorstellung erfrischend ehrlich. Kandidatin Nummer Zwei, Bahati, die mal mit Richard Lugner liiert war und sich so gar nicht dafür schämt, ist ähnlich euphorisch: „Ich könnte mir auch vorstellen, für meinen Adam zu tanzen. Eine Pole-Dance-Stange wird es auf der Insel wohl nicht geben, aber vielleicht ist seine Stange groß genug!" Spoiler Alert: Für derartige Einsätze ist der bisher einzige Adam Gaetano allerdings nicht genügend ausgestattet (Jeannina: „Also der Schniedel hat mir sehr gut gefallen. Der wird dann, denke ich, vielleicht auch noch ... größer?"), dafür hat er ziemlich spektakuläre Hoden („Er hat ziemlich große Glocken"). Die Vorschau zur nächsten Folge verspricht dann allerdings einen waschechten Fleischpenis-Besitzer, es ist also davon auszugehen, dass die fleischhungrigen Kandidatinnen sich kommentarmäßig gerade erst warmgelaufen haben.

Kein Gedanke ist dumm genug, um ihn nicht auszusprechen

Wenn wir schon bei Trashtalk in Reinform sind: Auch abseits vom Thema Geschlechtsorgane hat Kandidatin Bahati so einiges zu erzählen und haut dabei Kalauer raus, die selbst Markus Lanz nicht mal mit der Pinzette anfassen würde. Mein Favorit: „Wenn Sex ein Verbrechen ist, dann bin ich schuldig." Kurz zuvor hatte sie Extensions zwirbelnd erklärt, dass sie selbst sich „vom Sextyp her als Domina" bezeichnen würde. Vielleicht tut man ihr aber auch Unrecht. Sie hat mit ihrer Rolle als explizite Quoten-Exotin schließlich nicht den leichtesten Part zu spielen.

Die blonde Beatrix beispielsweise sieht sich beim ersten Aufeinandertreffen direkt dazu bemüßigt, auf die offensichtlichen optischen Unterschiede zwischen sich und ihrer Konkurrentin hinzuweisen: „Eine weiße Schokolade und eine schwarze Schokolade!" Und das ist dann auch der Moment, wo man plötzlich doch Team Bahati ist: „Sie ist zwar ein sehr heller Typ, aber ich glaube nicht, dass sie die Hellste ist."

Penisse kriegen keinen Sonnenbrand

Ein Dialog wie aus einem Fiebertraum Freuds entwickelt sich zwischen Gaetano und Jeannine bei einigen Gymnastikübungen am Strand: „Ist der noch nicht verbrannt?" - „Er hat auch Farbe abbekommen, aber er ist nicht verbrannt." - „Ich denk mir das immer bei den Männern, wenn die so in der Sonne stehen, da muss das Ding doch brennen." - „Nein, das brennt nicht." - „Ah, OK." - „Also, bis jetzt ist noch nichts passiert." (sehr tiefes Atmen) Die Spannung ließe sich mit Messern schneiden. Wird sich Gaetanos Penis in der nächsten Folge, bei trauter Zweisamkeit auf der Liebesinsel, überraschend abschälen? Da müssen wir wohl dranbleiben.

Und wenn wir schon mal beim Thema Sonnenbrand sind: Wie kann es sein, dass Beatrix nach dem ersten Tag Nacktaufenthalt auf der Insel aussieht, als hätte sie fünf Stunden am Ballermann mit Unterhemd in der Sonne gelegen? Woher kommen die „Bräunungsnähte" (weiß auf rot)? Sind die Kandidaten etwa doch nicht die ganze Zeit nackt?

Nacktjoggen ist für Männer ein echtes organisatorisches Problem

Die Sportsession, die der Sonnenbranddiskussion vorausging, war übrigens ähnlich unangenehm, gewährte für die Frauen der Schöpfung allerdings ungeahnte Einblicke in die Probleme, denen sich Männer ständig konfrontiert sehen. Man macht sich ja keine Vorstellung davon, was es eigentlich bedeutet, ein Organ größeren Ausmaßes zwischen den Beinen hängen zu haben, das bei jeder Art von körperlicher Betätigung lustig mitwippt! Und wie sehr das erst nerven muss, wenn man einer Frau am Strand hinterherjoggt!

Wie so oft im Leben kann man es dem schönen Geschlecht in solchen Situationen aber natürlich nicht Recht machen. „Das sieht noch blöder aus, wenn er seine Hand da hat. Er soll es einfach baumeln lassen", motzt Jeannina, als ihr Adam das Problem schließlich dahingehend löst, dass er seinen Penis einfach festhält. Wenig später wird sie sich weigern, vor traumhafter Strandkulisse Hampelmänner zu machen. Aus Angst davor, dass ihre Brüste dann rumhüpfen. The Struggle is real.

Es kann sich auch lohnen, an einer Erektionsstörung zu leiden

Das mag zynisch klingen, aber lasst uns ehrlich sein: Bei einer hochnotpeinlichen Nackt-Dating-Show mitzuwirken, könnte nur dadurch an Peinlichkeit getoppt werden, dass man an einer hochnotpeinlichen Nackt-Dating-Show mitwirkt—und eine gut sichtbare Erektion hat. Schließlich lebt Gaetano gerade den Traum eines jeden Mannes: Von schönen, komplett nackten Frauen umgeben auf einer Insel abhängen. Die Untiefen des Internets haben uns bewiesen, dass es Menschen gibt, denen die Hose schon bei ganz anderen Sachen eng wird.

Es gibt mehrere Momente in dieser ersten Folge, denen der bisher einzige Adam seine euphorischen Statements zu den Kandidatinnen so in die Kamera schnauft, als würde sein Körper einen halben Meter weiter unten gerade eine richtige Party feiern. Trotzdem gibt es keine einzige Einstellung, in der man tatsächlich irgendetwas in die Richtung SIEHT. Egal in welcher Situation, der Penis bleibt schlaff und brav. Vielleicht müssen wir dem armen, armen RTL-Mitarbeiter, der Stunden damit verbracht hat, das Material auf auch nur das geringste Anzeichen einer Erektion zu sichten, um sie anschließend meisterhaft wegzuschneiden, aber auch einfach einen Preis verleihen.

Noisey: Sieht so Justin Biebers Penis aus?

Das ist es nämlich auch, was alle Dating-Formate miteinander eint. Peinlichkeit? Intime Details über das jeweilige Liebesleben und Kamerafahrten auf Brust und Arsch? Gar kein Problem. Nur eindeutig sexuell darf es dann eben doch nicht werden. Vielleicht sieht es deswegen auch so aus, als hätte RTL in Zusammenarbeit mit den Show-Teilnehmern eine besondere Art der Umarmung entwickelt werden, bei der sich die Körper (vor allem die Unterleibe) möglichst wenig berühren. Schlechte Nachrichten also für alle, die nach all dem Versprechen von nackter Haut und Heavy Petting unter Palmen davon ausgegangen sind, ihre Mittwochabende entspannt mit Lotion und Küchenrolle vor dem Fernseher ausklingen lassen zu können: Es gibt nichts zu sehen. Packt eure Penisse ein und schaltet um.