Auf LSD in einem Werbespot

Manchmal ist es vollkommen OK, Arbeitsaufträge zu ignorieren, wenn man vollkommen auf Acid ist.

|
07 Dezember 2011, 12:00am

Das bin ich, vor ein paar Jahren, auf einer Party. Kurz bevor dieses Foto gemacht wurde, hatte ich aus Versehen (ähm, fragt nicht) ziemlich viel LSD genommen.

Und dieses Foto machte ich ein paar Stunden später, an dem Set, an dem ein Werbespot im Fame-Tanz-Stil gedreht wurde. Ich bin dahin eingeladen worden, um dann eventuell für VICE darüber zu schreiben. Ich hätte da wahrscheinlich nicht auftauchen sollen, so high wie ich war, aber ich hatte bereits zugestimmt und ich halte mich an mein Wort. (Wenn du mein potentieller, zukünftiger Arbeitgeber bist, der das hier liest, weil du mich gerade gegoogelt hast, zeigt dir das, dass ich eine sehr zuverlässige und pünktliche Person bin, die du auf jeden Fall einstellen solltest.)

Nachdem ich ungefähr eine Stunde durch Seitenstraßen herumgeirrt bin versucht habe, herauszufinden, wo ich war, gelangte ich auf ein paar Tänzer gestoßen, die sich warm gemacht haben. Irgendwann dachte ich über die witzigen Formen nach, die das Kaugummi in meinem Mund machte und fing hysterisch an zu lachen. Ein paar PR-Typen kamen zu mir rüber, um sich vorzustellen und sprachen über Pressemitteilungen, aber in diesem Moment war ich so mit meinem Kaugummi beschäftigt, dass mir vor Lachen die Tränen kamen und ich mich hinsetzen musste. Ich schaffte es noch irgendwie zu sagen: „Es tut mir leid, aber mein Kaugummi macht die lustigsten Formen in meinem Mund", bevor ich dann gar nicht mehr reden konnte.

Die „Stars" der Werbung waren die „professionelle Unterhaltungskünstlerin und Sternchen des Broadway und des West End" Denise van Outen und der „international bekannte Komödiant und Schauspieler" Johnny Vegas. Es gab auch einen Fototermin, sodass die Presseleute ein paar Fotos machen konnten. Als sie uns aus dem Pressebereich raus ließen, damit wir auf unsere Positionen gehen konnten, fing die Leute an zu RENNEN und zu drängeln.

Rückblickend ist es ziemlich einleuchtend, dass die Leute rannten, um einen günstigen Platz für die Aufnahmen zu ergattern, aber zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, was da vor sich ging und innerlich war ich einer Art düstereren Cloverfield-Welt. Ich rannte im wahrsten Sinne des Wortes um mein Leben. Dieses Foto hat mit all dem nichts zu tun, aber in dem Moment war dieses Licht das Schönste, was ich je gesehen hatte.

Dieser Typ hat auf jeden Fall nicht geholfen. Ich glaube nicht, dass ich schon mal solche Angst hatte, wie in dem Augenblick, als dieser Polizeifotograf, der anscheinend nichts Besseres zu tun hatte, vorbeilief und ein Foto von mir machte. Allein schon bei dem Anblick von diesem Foto hyperventiliere ich.

Nachdem sich alle anderen Fotografen gesammelt hatten, bekamen wir die Gelegenheit ein paar Fotos von Johnny und Denise zu machen. Habt ihr irgendeine Vorstellung davon, wie lange es dauerte, 50 Leute dazu zu bekommen, synchron zu springen? VERDAMMT lange. Ich habe über 100 Foto davon. Na los, stellt euch nicht so an.

Dieses Foto ist von dem Teil des Tages, an den ich mich am besten erinnern kann. Ich habe viel Zeit damit verbracht, mir es immer wieder auf meiner Kamera anzukucken und ich hatte ein paar wirklich tiefgründige Gedanken über Prominente, ihre sozialen Hierarchien, darüber, wie am Arsch die Menschheit ist und wie nett es wäre, Denise van Outens Haare auf meinem Kopf zu haben. (Ich würde den ganzen Tag damit rumspielen.)

Ich bemerkte schließlich, das Johnny mich direkt anstarrte. Es kam mir so vor, als wüsste er, dass ich auf Drogen war. Woher wusste er das? Er wollte nicht aufhören mich anzustarren und ich meine Stimmung wurde noch viel düsterer. Es war, als könnte er durch mich hindurchsehen. Ich brauchte eine ganze Weile, um zu erkennen, dass er eigentlich auf den Fernseher schaute, der ein Stück über meinem Kopf positioniert war.

Ich fing an, richtig auszuflippen, als sie uns die Tanzschritte beibrachten und ich merkte, dass ich zu high war, um sie zu lernen (oder sie umzusetzen). In diesem Pub hatte ich einen der Tiefpunkte meines Lebens. Obwohl ich keine Fotos davon habe, kann ich mich grob erinnern, wie ich hier auf dem Boden saß und versuchte, nicht zu heulen, während mich eine Gruppe leuchtender Tänzer dazu bringen wollte, Sandwiches zu essen, und sie mir erzählten, dass alles gut werden würde. Es sind ungefähr zwei Minuten Fußweg bis zu meinem Büro, aber komischerweise bin ich nicht oft hier.

Dieses Foto wurde beim ersten Durchgang gemacht. Kennt ihr das, wenn ihr auf Drogen seid und ihr das Gefühl habt, dass euch jeder anstarrt und jeder sehen kann, dass ihr auf Drogen seid und das das schlimmste Gefühl überhaupt ist? Na ja, stellt euch vor, ihr steht 2.000 Leuten gegenüber, die gerade eine choreografierte Tanznummer performen, aber ihr selbst tanzt nicht und lehnt euch stattdessen gegen eine Wand, versucht nicht zu weinen und die Leute haben quasi gar keine andere Möglichkeit, als euch anzuglotzen. Die Leute kommen gar nicht darum herum, zu wissen, dass ihr auf Drogen seid, auch nicht die Kinder. Und ganz im Ernst, ich war mir nicht mal sicher, ob das was ich genommen hatte, wirklich LSD war. Es hatte alles sein können. Alles, was ich wusste, war: Es war schrecklich.

Nach dem ersten Durchgang kam Denise in einem Auto angefahren und hielt eine inspirierende Rede darüber, dass alle WIRKLICH GROSSARTIG waren, aber wir müssten beim zweiten Mal versuchen, noch besser zu werden. Ich fühlte mich schlecht, denn ich hatte nicht nur Denise van Outen enttäuscht, sondern auch die 2.000 Statisten, die da tanzten UND mich selbst UND die Leute, die sich den Werbespot im Fernsehen ansehen würden. Das Ausmaß der Scham war ungefähr so groß, wie meiner Mutter bei einer Gerichtsverhandlung, bei der ich des Mordes angeklagt werde, in die Augen zu schauen. Irgendwie so in der Art. Also tat ich das, was ich schon fünf Stunden eher hätte tun sollen, ich ging nach Hause.

Hier ist der fertige Werbespot. Wenn ihr genau hinseht, könnt ihr mich bei ein paar Einstellungen im Hintergrund erkennen. Ich bin der, der nicht tanzt, an einer Hauswand lehnt, eine Kamera in der Hand hält und versucht, nicht zu sterben.

FAZIT: Manchmal ist es OK, Arbeitseinsätze abzusagen, wenn man aus Versehen sehr viele Drogen genommen hat.

Für weitere Trips mit VICE geh' auf:

Auf LSD 30 werden

Auf LDS bei Occupy Wall Street

Auf LSD in einer verlassenen Militärbasis

Auf LSD im Vergnügungspark

Auf LSD bei den Druiden

Auf LSD bei der London Fashion Week

Auf LSD mit Kevin Smith