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Wir haben uns „High School Musical“ nach 10 Jahren noch einmal angesehen

Der verhasste Klassiker aus deiner Kindheit ist jetzt eine ganze Dekade alt und hat in all den Jahren nichts an Lächerlichkeit verloren.
20.1.16
Foto: Disney Channel

Das Lustige ist ja, wenn wir an „vor 10 Jahren" denken, denken wir eigentlich mehr so an die Zeit um 2001. (Und damit meine ich: Ich tue das.) Der 11. September zum Beispiel—das ist ja auch schon wieder 10 Jahre her! Und dann erst realisiert man, dass der 11. September tatsächlich schon 15 Jahre her ist und vor 10 Jahren nun mal 2006 war. Das bedeutet: Ereignisse, die in unseren Köpfen gefühlte 3, 4 Jahre zurückliegen, haben jetzt eine ganze Dekade auf dem Buckel.

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Das alles ist übrigens 2006 passiert: Germany's Next Topmodel läuft zum ersten Mal im Fernsehen, Zenedine Zidane rammt seinen Schädel in Marco Materazzis Brustkorb, Loose von Nelly Furtado regiert die Welt, Vogelgrippe auch, Suri Cruise wird geboren, Natascha Kampusch entkommt ihrem Entführer, Britney und Kevin lassen sich scheiden, Saddam Hussein wird hingerichtet und jeder Zweite hat ein Motorola Razr V3. Vor allem aber feiert der erste Teil von High School Musical Premiere.

Hand aufs Herz: High School Musical war auch schon 2006 kein besonders guter Film. Echt nicht. Und trotzdem haben wir uns damals alle heimlich „Breaking Free" bei LimeWire gezogen—einfach nur, um diesen argen Refrain voller Inbrunst mitzugröhlen. In Wahrheit hat HSM aber auch nie versucht, ein besonders guter Film zu sein. Schon ab der ersten Szene wird klargemacht: Das hier ist ein Musical. Und es ist kein gewöhnliches Musical—es ist ein High School Musical. (Die Betonung liegt auf High.)

Zum Inhalt: Die beiden Teenager Troy und Gabriella treffen sich das erste Mal auf einer Silvesterparty, zu der sie von ihren Eltern überredet werden (!). Er, der charmante Basketballer mit dem überambitionierten Psycho-Vater, und sie, die super schüchterne, aber heiße Streber-Latina, die bislang nur im Kirchenchor gesungen hat.

Noch bevor einer „Grease!" rufen kann, ist auch schon das erste Duett vorbei und die beiden tauschen Nummern aus. 2006 hat man dabei übrigens immer erst ein Foto vom anderen gemacht, weil man eben konnte. Warum sehen Schneeflocken in Filmen eigentlich immer aus wie Kokosraspeln? Und überhaupt—was?

Diese Momente ziehen sich anderthalb fucking Stunden lang durch. Da kann es schon mal passieren, dass man zwischendurch mehrmals laut loslachen muss, nur, weil das alles so absurd ist. Zum Beispiel: Rotzige Basketballer, die sich über die Lächerlichkeit von Singen und Tanzen auslassen und in der nächsten Sekunde ihr Training in Form einer Musical-Einlage durchziehen. Nichts davon ergibt auch nur ansatzweise irgendwie Sinn, es ist so großartig.

Der erste etwas befremdliche Augenblick kommt dann mit der „Stick To The Status Quo"-Nummer in der Cafeteria der High School. Die gesamte Schülerschaft formiert sich zu einer Art Mobbing-Mob und jeder Teenager, der so etwas wie Persönlichkeit zeigt, wird erst mal in seine Schranken gewiesen. Wenn du cool sein möchtest, schwimm gefälligst nicht gegen den Strom! Ja, das gehört zur Handlung, aber es ist trotzdem irgendwie ernüchternd. Es gab übrigens mal ein Gerücht, dass das pummelige Mädchen, das Hip-Hop so liebt, in Wahrheit Meghan Trainor ist. Das wurde zwar abgestritten, aber ich glaube immer noch, dass sie es ist. Oder zumindest einer ihrer Horkruxe.

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Wenn auch nur eine der Rollen annähernd interessant ist, dann ist es wohl Ryan—der Bruder von Antagonistin Sharpay. Für eine 2006er Disney Channel-Produktion, die sich an Kinder richtet, war ein so schwuler Charakter eigentlich mehr als ungewöhnlich, und genau deshalb schon damals nicht nur erfreulich, sondern auch wichtig. Umso enttäuschender, dass Ryan in den Fortsetzungen (angeblich auf Drängen von außen) eine Romanze mit einer Mitschülerin auf den Leib geschrieben bekam. Ich möchte gern glauben: Würde der Film 2016 rauskommen, Ryan dürfte sein Glück auch mit einem Typen finden.

Generell scheint sich der Film sehr viel mit Identität zu beschäftigen—so ziemlich jeder Song kann mehr oder weniger auf Selbstfindung und persönliche Freiheit umgemünzt werden. Das mag weit hergeholt sein, aber der Gedanke an High School Musical als eine Art Meta-Kommentar zu sexueller Orientierung ist schon irgendwie witzig.

Was bleibt am Ende von 10 Jahren High School Musical? Die unendlich vielen, fast schon spirituellen GIFs, die uns Zac Efrons „Bet On It"-Szene aus dem zweiten Teil geschenkt hat? Vanessa Hudgens' Busch? Oder einfach die Musik? Dass der Wildcats-Spirit bis heute weiterlebt, beweist zumindest ein Video vom amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Martin O'Malley beim Democratic Forum. Die Magie von High School Musical! Ihr alle seid dieses Mädchen, könnt ihr ruhig zugeben.

Am Besten zelebriert man das HSM-Jubiläum, indem man sich alle Teile nacheinander gibt. Zumindest, solange man durchhält. Gemeinsam mit alten Freunden, einem leichten Dusel (Trinkspiel bietet sich an) und Karaoke—wenn auch nur aus Solidarität zur Originalbesetzung, die sich dieser Tage zu einer Reunion zusammengefunden hat. Weil, immerhin sind wir gemeinsam erwachsen geworden und all in this together und so.

Franz auf Twitter: @FranzLicht