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Geheimwaffen der CIA: Die Osama-Actionfigur und das al-Qaida-Brettspiel

Die extrem seltenen Prototypen wurden 2005 von der CIA in Auftrag gegeben, nie massenproduziert und vom GI-Joe-Designer entworfen.

von Jason Leopold
29 Juni 2015, 9:30am

Foto via Nate D. Sanders Auctions

Zwei der seltensten Spielsachen der Welt wurden letzte Woche versteigert, und zwar dank den spaßsüchtigen großen Kindern der Central Intelligence Agency (CIA).

Einmal handelt es sich um eine Osama-bin-Laden-Puppe, entworfen von dem ehemaligen leitenden Hasbro-Angestellten Donald Levine, der schon die GI-Joe-Puppe entwarf. Das Startgebot belief sich auf 5.000 Dollar, letztendlich ging die Puppe für 6.250 Dollar weg.

Das ist vielleicht ein bisschen teuer—wie wär's mit was Günstigerem? Eine weitere Rarität kam unter den Hammer: die Terroristenversion des klassischen „Leiterspiel"-Brettspiels, ebenfalls von Donald Levine entworfen. Hier belief sich das Startgebot auf nur 500 Dollar und das Spiel fand am Ende für 625 einen Besitzer. Beide Prototypen wurden im Auftrag der CIA produziert.

Als Levine letztes Jahr verstarb, hinterließ er die Puppe und das Brettspiel seinem ältesten Sohn Neil, der die Spielsachen dem Auktionshaus Nate D. Sanders in Los Angeles zur Auktion anvertraute.

Nach Beginn der Auktionen herrschte eine ganze Zeit lang Funkstille; niemand bot auf die Terroristenspielsachen.

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Sam Heller, ein Sprecher des Auktionshauses, sagte VICE News im Vorfeld, er rechne damit, dass die Gebote wenige Minuten vor Auktionsende anfangen würden einzutreffen. Heller sagte, eine weitere Bin-Laden-Puppe—es wurden nur drei hergestellt—sei letztes Jahr für 11.879 Dollar weggegangen. Es sei der Grundsatz des Auktionshauses, die Identität des Käufers geheim zu halten, so Heller. Eine der drei Bin-Laden-Puppen soll im Besitz der CIA sein.

Es war die Washington Post, die im Juni 2014 die Existenz der Bin-Laden-Puppe enthüllte—sowie die Tatsache, dass es sich dabei einst um ein streng geheimes CIA-Projekt gehandelt hat. Die Post berichtete, der Codename der CIA für die Bin-Laden-Puppen sei „Devil Eyes".

Das liegt nahe, denn die 30.5-Zentimeter-Puppe war mit einem abnehmbaren Kopf ausgestattet, der Bin Laden als „Dämon" zeigt, zumindest laut der Beschreibung auf der Website des Auktionshauses. „Der abnehmbare Kopf ist eine furchteinflößende Repräsentation von Bin Laden, mit einem leuchtend rot bemalten Gesicht mit schwarzen Gesichtszügen und intensiv grünen Augen ... Der permanente Kopf der Puppe hingegen ist eine realistische Repräsentation Bin Ladens."

Der Bin-Laden-Dämonenkopf. Foto via Nate D. Sanders Auctions

„Bin Laden als Monster", sagte Heller. „Das sticht hervor ... Es soll ihn entmenschlichen."

Heller sagte, Neil Levine (der auf Anfrage von VICE News keinen Kommentar abgeben wollte) habe dem Auktionshaus mitgeteilt, die Puppe sei als Teil einer „Einflussoperation" 2005 heimlich von der CIA hergestellt worden. Man habe sie in arabischen Ländern einsetzen wollen, um Kinder davon abzubringen, den Terroristenanführer zu verehren und „sie davon abzuhalten, sich terroristischen Gruppen wie al-Qaida anzuschließen".

Die Bin-Laden-Puppe trägt „traditionelle islamische Kleidung, eine weißes, abnehmbares Gewand mit fünf Knöpfen über einer weißen Tunika mit vier Knöpfen und aufgesetztem Kragen, eine cremefarbene Stoffhose und ein paar schwarze Stiefel in Klettverschluss-Optik."

Der Käufer wird ein von Neil Levine unterzeichnetes Echtheitszertifikat erhalten.

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Der CIA-Sprecher Ryan Trapani sagte VICE News, die Bin-Laden-„Actionfigur" wurde „von der CIA vorgeschlagen und abgelehnt, bevor sie aus dem Prototypenstadium heraus war."

„Unseres Wissens nach wurden nur drei Actionfiguren produziert, die nur dazu dienen sollten, eine Vorstellung vom möglichen Endprodukt zu gewinnen", sagte Trapani. „Nachdem ihr diese Beispiele vorgelegt wurden, lehnte die CIA es ab, die Idee weiterzuverfolgen, und hat selbst keine dieser Actionfiguren produziert oder verbreitet. Weiterhin hat die CIA keine Kenntnis von einer etwaigen Produktion oder Verbreitung dieser Actionfiguren durch andere."

Was bisher allerdings nicht berichtet worden war, ist die Tatsache, dass die CIA Levine außerdem darum gebeten hat, ein Terroristen-Brettspiel zu entwerfen. Auf dem von Neil Levine unterzeichneten Echtheitszertifikat heißt es, das Spiel sei „noch nie zuvor gesehen worden".

Terroristen und Leitern. Foto via Nate D. Sanders Auctions

Trapani konnte hierzu keinen Kommentar abgeben. Allerdings soll laut Levine der CIA-Codename des Projekts „Snakes and Ladders" [der englische Name des Leiterspiels] gewesen sein. Auch das Spiel sollte dem Zweck dienen, Kinder davon abzuhalten, sich al-Qaida anzuschließen.

Das Spiel enthält „komische" Darstellungen von „prominenten Terroristenführern wie Osama bin Laden und Saddam Hussein", dem aktuellen al-Qaida-Anführer Aiman az-Zawahiri und dem inzwischen verstorbenen Anführer von al-Qaida im Irak, Abu Mus'ab az-Zarqawi. Das Brettspiel zeigt die Terroristenanführer buchstäblich als (künstlerisch wenig wertvolle) Schlangen. Dazu gehören Spielsteine in blau, rot und gelb, die geformt sind wie eine Sandale, ein Skateboard, ein Pickup-Truck, ein Rennwagen, ein Fahrrad und eine Aladdin-Lampe.

„Das Spiel lag nur in Neils Keller herum", sagte Heller. „Er wollte einfach, dass jemand anderes etwas davon hat."