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Synthetisches Marihuana hat Brooklyn in "Zombieland" verwandelt

Mindestens 33 Personen wurden ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem sie anscheinend eine Überdosis erlitten hatten.

von Tess Owen
15 Juli 2016, 4:00am

Foto: Rex Features/AP

Das Viertel Bedford-Stuyvesant in Brooklyn bot am Dienstagnachmittag einen Anblick wie aus einem schlechten Horrorfilm. Dutzende Menschen lagen zuckend auf dem Gehweg, stützten sich an Hydranten oder verharrten in seltsam verrenkten Haltungen. Ein Augenzeuge bezeichnete es als "Zombieland".

Berichten zufolge steckte hinter der Mini-Zombie-Apokalypse ein unter dem Namen K2 bekanntes synthetisches Marihuana. Mindestens 33 Personen kamen mit Verdacht auf Überdosen ins Krankenhaus.

K2 wird unter einer Vielzahl von Namen verkauft, darunter Spice, Green Giant und iBlown. Im Grunde handelt es sich dabei um ein Potpourri, das Hersteller mit Chemikalien besprühen, welche die Wirkung von Marihuana imitieren sollen. Die Droge ist sehr billig (in New York kostet ein Joint ca. einen Dollar), doch weil die Hersteller die chemische Zusammensetzung ständig ändern, um die Drogengesetze der USA zu umgehen, kann die Wirkung von Charge zu Charge stark variieren.

Brian Arthur lebt in Brooklyn und wurde am Dienstag Zeuge der "Zombie"-Szene. Er sendete auf Facebook Live, was er sah. In einem Video sieht man einen Mann, der in Handschellen auf der Straße sitzt, unkontrollierbar zittert und schreit: "Es verbrennt mich!"

"Das hier ist verrückt", wiederholt Arthur mehrmals in die Kamera. "Das hier ist doch völlig wahnsinnig. Die Leute laufen rum wie Zombies. Die kapieren nichts mehr."

Notfallhelfer machten die Runde durch die Obdachlosenhäuser und Methadon-Kliniken, um die Menschen dort vor der "schlechten Charge" K2 zu warnen.

Die VICE-Autorin Allie Conti hat letzten Sommer erforscht, wie verheerend die synthetische Droge sich auf New Yorks obdachlose Bevölkerung auswirkt. Sie besuchte ein Obdachlosenheim, von dem an einem Tag mehr als ein Dutzend Notrufe im Zusammenhang mit K2 ausgegangen waren. 2015 gab es in Notaufnahmen in ganz New York City mehr als 6.000 Fälle, die mit K2 zu tun hatten. Zwei Menschen starben dabei.

Dies ist auch nicht das erste Mal, dass eine schlechte Ladung K2 eine Massen-Überdosis verursacht hat. In Syracuse im Bundesstaat New York gab es letzten Frühling 19 Überdosen. Mindestens 12 Menschen mussten allein im März in St. Petersburg, Florida, ins Krankenhaus, weil sie an "anfallartigen Symptomen, Erbrechen und Ohnmacht" litten, nachdem sie die Droge geraucht hatten. Im April wurden 10 Personen aus dem Obdachlosenviertel Skid Row in Los Angeles mit Verdacht auf K2-Überdosis ins Krankenhaus eingeliefert. "Sie fielen in Ohnmacht wie Dominosteine", sagte ein Mann gegenüber der Los Angeles Times.

Polizei sowie Politiker bemühen sich seit einiger Zeit, den Verkauf von K2 zu unterbinden, doch viele Verbindungen, die in der Herstellung der Droge zum Einsatz kommen, sind noch legal. In manchen kleinen Gemischtwarenläden (sogenannten Bodegas) in New York City bekommt man noch K2, doch die Verkäufer bewahren es meist versteckt hinter der Theke auf.