​Ich habe meine Vagina dampfgereinigt

Ich habe fast eine halbe Stunde über einem Topf Kräutersud gehockt, weil meine Vagina eben manchmal verwöhnt werden muss.

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28 November 2014, 11:40am

Foto: Flickr | Alena Navarro-Whyte | CC BY-ND 2.0

Ich habe eine tolle Vagina. Wirklich. Ich hatte nie eine Pilzinfektion, meine Pap-Abstriche waren nie auffällig, ich hatte nie Menstruationskrämpfe. Meine Vagina verdient es, verwöhnt zu werden. Als ich also von Vaginaldampfbädern hörte, dachte ich mir: ,Vagina, du verdienst einen Tag im Spa'.

Vaginaldampfbäder oder auch Dampfbäder für den Intimbereich, für diejenigen, die das Wort Vagina nicht aussprechen können, sind ein bisschen so wie Tee machen. Du gibst Arzneikräuter in heißes Wasser... und dann endet auch schon die Ähnlichkeit zu Tee, denn dann hockst du darüber und lässt den Dampf deine Vagina reinigen. Dadurch sollen eventuelle Ablagerungen gelöst werden, hormonelles Ungleichgewicht, Menstruationskrämpfe und Verdauungsbeschwerden gelindert werden.

Das Spa in meiner Nähe bietet Vaginaldampbäder an, aber sie verlangen 50 Dollar für eine 30-minütige Behandlung, was mir etwas viel dafür scheint, dass man wortwörtlich nur auf einem Topf mit heißem Wasser sitzt. Deshalb habe ich im Internet nach Do-it-yourself-Dampfbädern gesucht und diese Anleitung vom YinOva Center in New York gefunden:

  1. Gieße acht Tassen vorzugsweise gefiltertes Wasser in einen mittelgroßen Topf.
  2. Schütte eine Handvoll frischer Kräuter (ca. eine halbe Tasse) in das Wasser.
  3. Bring das Wasser (unter geschlossenem Deckel) langsam zum Kochen und lass es fünf Minuten lang kochen.
  4. Stell den Herd aus und lasst die Kräuter weitere fünf Minuten unter geschlossenem Deckel ziehen.
  5. Gieß vier Tassen Kräutersud (den halben Topf) in eine Schüssel, die du zuvor in deiner Toilettenschüssel platziert hast.
  6. Halte deine Hand 20 bis 25 cm über den Kräutersud, um sicherzugehen, dass der Dampf nicht zu heiß ist.
  7. Zieh deine Unterwäsche aus und setz dich über der Schüssel mit dem Kräutersud auf den Toilettensitz.
  8. Wickel eine große Decke so um deine Taille, dass sie bis zum Boden reicht, damit kein Dampf entweichen kann.
  9. Halte dich warm, indem du warme Socken oder Hausschuhe anziehst und einen Schal trägst. Dir soll nicht kalt werden.
  10. Zehn bis zwölf Minuten lang solltest du jetzt die aufsteigende Wärme spüren.
  11. Gieß den Sud in die Toilette, wenn er aufhört zu dampfen. Nimm die zweite Hälfte des Sud und wiederhole alles ab Schritt fünf. Wenn der verbliebene Sud zu kalt geworden ist, musst du ihn wieder zum Kochen bringen. Geh danach aber wieder sicher, dass der Dampf nicht zu heiß ist.

Vaginaldampfbäder leiten sich von einer alten koreanischen Praktik namens chai-yok ab, bei der Beifuß und Wermut verwendet werden, um die Vagina zu reinigen. Beide Kräuter werden verwendet, um den Körper zu entschlacken, die Gesundheit der Harnwege zu fördern und hormonelles Ungleichgewicht zu lindern. Ich hatte vorher noch nie von Beifuß oder Wermut gehört und hätte sie jetzt eher einem Wicca-Ritual zugeordnet. Als ich einen Mitarbeiter im Supermarkt fragte, ob sie die Kräuter im Sortiment hätten, schaute er mich an, als ob ich ihn um Crack gebeten hätte. Also bestellte ich beides bei Amazon. Der Beifuß sah genauso aus und roch genauso wie Sägespäne. Wie gehackte Baumrinde vermischt mit Dreck. Auf der Packung mit dem Wermut stand dieser etwas befremdliche Text:

„Wermut wird häufig während magischen Ritualen, durch die übersinnliche Kräfte entwickelt oder verstärkt werden sollen, als Räucherwerk verbrannt. Er wird auch mit maskuliner Energie, Mars und Feuer in Verbindung gebracht."

Nun, eigentlich wollte ich nur meine Vagina dampfreinigen, aber wenn ich jetzt auch noch übernatürliche Kräfte entwickele, dann ist das eben so.

Bevor ich mich auf einen Topf mit heißem Wasser setzte, wollte ich eine Gynäkologin zurate ziehen, um sicherzugehen, dass ich alles richtig mache. Deshalb rief ich Dr. Alyssa Dweck an, Geburtshelferin und Gynäkologin in New York und Mitautorin des Buchs V Is for Vagina. Dr. Dweck stockte zuerst, als ich ihr erzählte, was ich vorhatte, doch schließlich gab sie mir ihren Segen.


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„Der Dampf regt den Blutfluss im Genitalbereich an, was allgemein bei Heilungsprozessen und Muskelentspannung hilft", sagte sie. Er fördert auch die Entspannung im Allgemeinen. Ich meine, ihr sitzt ja eine halbe Stunde über einer Schüssel mit warmen Wasser. Das kann einer der Gründe dafür sein, warum dem Vaginaldampfbad zugeschrieben wird, der Fruchtbarkeit zuträglich zu sein und Menstruationskrämpfe zu lindern.

Dweck riet mir aber, die Temperatur des Dampfs im Auge zu behalten, „weil du dich böse verbrennen kannst und das schrecklich ist", und auf ätherische Öle zu verzichten, weil sie zu konzentriert für diesen empfindlichen Bereich sind.

Mit Dwecks Ratschlägen im Hinterkopf setzte ich einen Topf Wasser auf und warf eine Handvoll Kräuter hinein. Manche Frauen behaupten, dass sie während des Dampfbads nach eine paar Minuten den Geschmack der Kräuter auf der Zunge haben. Ich hoffte, dass mir das nicht passieren würde, weil der Geruch der Kräuter wirklich grauenhaft war. Wie Rindenmulch. Der Sud sah auch alles andere als appetitlich aus:

Das Hexengebräu

Als das Wasser gekocht hatte und die Kräuter durchgezogen waren, goss ich meinen „Tee" in eine große Rührschüssel und platzierte sie in meiner Toilette. Der Sud war dunkel, wirklich dunkel, und als ich ihn dort in meiner Toilettenschüssel sah, mit Kräutern, die noch oben herumschwammen, ergriff mich dieselbe Panik, die ich habe, wenn ich zu viel Vitamin B eingenommen habe und mein Urin neon wird. Ich weiß genau, dass es keinen Grund gibt, sich Sorgen zu machen, aber diese Farben in der Toilettenschüssel zu sehen ist einfach nervenaufreibend.

Ich setzte mich vorsichtig hin. Anfangs fühlte es sich gut an, so als wenn man eine Sauna betreten würde. Doch innerhalb weniger Sekunden wurde mir klar, dass der Dampf immer noch brütend heiß war. Ich warf ein paar Eiswürfel hinein, um es  herunterzukühlen, und setzte mich wieder hin. Wie in der Anleitung angegeben, trug ich ein Paar dicke Socken und hatte eine Decke auf meinem Schoß, um die Wärme nicht entweichen zu lassen. Anfangs war mir viel zu warm, aber ich ich gewöhnte mich schnell daran. Es war wie bei einem heißen Schaumbad. Ich surfte auf meinem iPad im Internet und versuchte die Tatsache zu ignorieren, dass meine Vagina schwitzte.

25 Minuten lang saß ich so da. Es war tatsächlich sehr entspannend. Eine Frau muss ab und an Zeit mit ihrer Vagina verbringen und ein Dampfbad ist die perfekte Gelegenheit dazu.

Als ich aufstand, schielte ich in die Rührschüssel, um zu sehen, ob irgendetwas sich in meiner Vagina gelöst hatte und ins Wasser gefallen war. Es war schwer zu sagen, weil der Kräutersud genauso eklig wie vorher aussah. Aber ich fühlte mich großartig: sauber und entspannt. War ich entspannter als nach einem heißen Schaumbad? Schwer zu sagen. Hatte ich jetzt übernatürliche Kräfte. Es schien nicht so (obwohl ich noch abwarte). Hatte ich das Gefühl, dass meine Fortpflanzungsorgane nun gereinigt waren? Ich bin nicht sicher. Der Dampf fühlte sich gut an, aber was seinen positiven Einfluss auf meine Scheidenflora angeht, nun, es kann auch einfach nur heiße Luft gewesen sein.

Foto oben: Flickr | Alena Navarro-Whyte | CC BY-ND 2.0

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