Diese Dinge ändern sich schlagartig, wenn du 30 wirst

Eines Tages wacht ihr auf, habt einen Dreier als erste Ziffer in eurem Alter und plötzlich ist alles anders. Glaubt ihr nicht? Ist aber leider todernst.

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16 Mai 2015, 4:00am

Alle Fotos von Stefanie Katzinger, VICE Media

Titelfoto: Flickr | Brian Snelson | CC BY 2.0

40 ist angeblich das neue 30. Und 30 das neue 20. Also ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber mit 20 hatte ich noch keine Rückenschmerzen, für die ich medizinische Massagen verschrieben bekam, kein Konto für Zahnkronen und konnte noch locker bis 4:00 Uhr morgens ausgehen und am nächsten Tag um 8:30 Uhr eine Prüfung an der Uni schreiben. Also vergesst diesen ganzen Quatsch. 30 ist schon ein bisschen genau so schlimm, wie es sich anhört.

Der menschliche Körper

Fangen wir gleich mal mit dem Bittersten an—dem Körper. Der verfällt schneller, als du „Quarterlife-Crisis" sagen kannst. Dinge, die eurem Körper passieren werden, wenn ihr nahe an oder über die 30 kommst, in keiner bestimmten Reihenfolge: Rückenschmerzen. Alles wird ein bisschen weich an einem. Zähne werden plötzlich das Teuerste in deinem Leben. Ihr werdet freiwillig Sport machen. Graue Haare oder/und eine Glatze. Ein kleines Burn-out. Der Wunsch, Babys zu kriegen oder Babys zu machen (optional). Magenschmerzen. Kater, die länger dauern als dein Sommerurlaub. Willkommen in der Erwachsenenwelt!

Job

Wenn man Glück hat, kann man sich ungefähr bis 30 noch irgendwie durchwurschteln. Praktika, schlecht bezahlte Jobs in der Kreativbranche, Selbstständigkeit am Existenzminimum. Dann aber passiert plötzlich eines dieser Dinge: Ihr fahrt ein Auto zu Schrott. Mama bezahlt leider nicht mehr für das neue MacBook. Einer eurer Zähne gibt den Geist auf und ihr braucht einen Ersatz (außer du stehst auf den Lücken-Look). Die Maklerwohnung ist leider doch die schönste. Kurzum, man merkt plötzlich, dass viele Sachen scheißviel Geld kosten und ihr gleichzeitig wirklich schon zu alt seid, um eure Eltern anzuschnorren. Darum reift nun langsam der Wunsch, vielleicht doch eine—huch—Festanstellung anzustreben und sogar was zu sparen, für Notfälle. Ihr schraubt also die Träume vom Schriftsteller-Dasein zurück und landet als Social-Media-Manager bei einer Lebensmittelkette. Es tut ein bisschen weh, aber man wird es nicht mehr los: Für Geld muss man nun halt seine Seele verkaufen.

Freundschaft

Erinnert ihr euch noch, Mitte 20, als ihr gefühlt jede zweite Person in der Stadt kanntet? Inzwischen fehlt euch aber die Kraft, mehr als fünf Leute im Monat zu treffen. Und die meisten Leute von früher haben inzwischen halt auch schon den Absprung in eine Welt geschafft, zu der ihr nicht mehr gehört (in die eigene Kleinfamilie oder zu Finanzplanung als neuem Hobby). Das Gute daran: Ist man erst mal über 30, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Freunde, die man zu diesem Zeitpunkt immer noch hat, einem vermutlich auch noch eine Weile erhalten bleiben. Die Träume von „Ich wohn' irgendwann in New York/auf Bali" haben im Freundeskreis inzwischen gegen die Bequemlichkeit verloren. BFFs forever—aus purer Not und Pragmatik!

Ausgehen

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Das Thema Ausgehen über 30 haben wir ja kürzlich erst ausführlich an dieser Stelle erläutert. Es verändert sich aber so vieles so einschneidend, dass man das ruhig noch ein paar Mal ansprechen kann (alleine schon, weil es mir beim Verdauen und Überwinden hilft). Das Schlimmste ist natürlich, dass eine richtige Partynacht mittlerweile zwei Erholungstage Minimum braucht. Im Prinzip heißt das, dass man eigentlich nur noch freitags ausgehen kann, damit man montags wieder fit ist. Der zweite Scheiß ist, dass eine „richtige" Partynacht inzwischen heißt, um 3:00 Uhr Nachhause zu kommen. Die Sonne hat einem am Nachhauseweg jedenfalls schon sehr lange nicht mehr ins Gesicht geschienen. Ab 23:00 Uhr denkt man darüber nach, ob es nicht vielleicht doch besser ist, mit der letzten U-Bahn nachhause zu fahren (und das denke ich immer noch, auch wenn es Nacht-U-Bahnen gibt). Die Menge an Alkohol, die man vor dem Totalschlaf verträgt, hat sich in den letzten fünf Jahren sicherlich halbiert. Aber nichts ist so schlimm, wie das schlechte Gewissen am nächsten Tag.

Rausgehen

Mit 30 kann man es plötzlich einfach nicht mehr mit sich vereinbaren, wenn man das ganze Wochenende verkatert auf der Couch rumhängt. Plötzlich will man an Samstagen und Sonntagen an die frische Luft. Spazieren gehen. Aufs Land fahren. Frisches Gemüse am Markt kaufen. Diese eine neue Ausstellung ansehen, von der das Feuilleton so begeistert schreibt. Beim aktuellen Pop-up-Store/Street Food Markt dabei sein. Was früher die Angst der verpassten Party des Jahres war, ist jetzt die verpasste Chance, das perfekte Instagram-Foto vom Wochenendausflug zu posten.

Wein

Es ist wie mit Cinderella und dem Glockenschlag um Mitternacht. Leute werden 30 und plötzlich stehen sie auf Wein. Und ich meine nicht Lambrusco-Cola, sondern den Wein, den man sich auf Ausflügen (siehe oben) direkt beim Winzer kauft. Man merkt die ersten Anzeichen ab zirka Mitte 20, wenn man beginnt, nicht mehr den billigsten Wein ganz unten im Regal für 1,50 Euro zu kaufen, sondern zum Riesling für vier Euro greift. Einmal dort angekommen, gibt es kein Zurück mehr. Man will mehr, man will höher hinaus, man will sich auskennen. Wenn das so weitergeht, hab ich mit 40 meinen eigenen Weinberg.

Essen

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Gleichzeitig mit dem 30. Geburtstag verwandeln sich viele ganz klischeehaft in einen Bio-/Cleanse-/Rohkost-/Natur-/Gesundheits-Zombie. Auch bei mir gibt es gewisse Anzeichen dafür und wie gesagt ist das nur natürlich (siehe Thema Körper). Trotzdem ist es auf gewisse Art auch extrem amüsant und genauso seltsam, dabei zuzusehen, wie es allen Leuten plötzlich total wichtig wird, was sie in sich reinstopfen—unabhängig von der Kalorienzahl und wurscht, ob #eatclean, #eatmean oder irgendwas dazwischen. Man denkt plötzlich über das neue Superfood-Gemüse nach, beschäftigt sich mit dem 12 Stunden gesmokten Schweinebauch oder fragt sich, wo man das beste Kimchi herbekommt. Kochen und Essen gehen werden plötzlich 2 eurer Top 4 Freizeitbeschäftigungen, gleich nach Fernsehen und Rausgehen. Und wenn der Lebenswandel unserer Eltern irgendein Indikator ist, wird das auch für immer so bleiben, weil, eh schon wissen, Essen ist der Sex des Alters.

Sex

Aber keine Angst, dieser (vermutlich wahre) Spruch gilt mit 30 zum Glück noch nicht. Nach 10 bis 15 Jahren Probezeit kann man Sex nämlich gerade in diesem Alter endlich richtig gut. Wirklich Sorgen über eure Libido müsst ihr euch frühestens ab 40 machen. Juhu, alles ist bestens!

Julia kann man via @superwichtig sagen, dass sie immer noch aussieht wie 23.

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