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Böller, Pfefferspray und Judenhass: Pegida vs Salafisten in Wuppertal

Was passiert, wenn Hooligans, Neonazis und Lutz Bachmann auf die Salafisten um Sven Lau treffen? Wuppertal hat es erlebt.

In Wuppertal haben am Samstag knapp 100 Salafisten und kaum mehr als 500 Pegida-Anhänger, Hooligans und Neonazis demonstriert. Das sind zwar ziemlich lächerliche Teilnehmerzahlen, spannend war es aber trotzdem. Das lag vor allem daran, dass sich beide Seiten erhebliche Mühe gaben, die schlimmsten Erwartungen an sie noch zu übertreffen.

Bei den Rechten

Pegida-Teilnehmer warten vor der Kontrolle. Alle Fotos: Felix Huesmann

Schon um kurz nach 13 Uhr trafen die ersten Pegida-Anhänger an ihrem Kundgebungsort ein. Schnell war klar, dass das keine Veranstaltung der besorgten Bürger aus der „Mitte des Volkes" werden wird, wie Pegida sie der Öffentlichkeit gerne präsentiert hätte. Ein Großteil der Demonstranten bestand aus Hooligans, auch offene Neonazis fanden hier ihren Platz.

Vorher hatte „Pegida NRW" zwar im Internet angekündigt, keine Mitglieder von „Pro NRW" und der Neonazi-Splitterpartei „Die Rechte" bei ihrer Demo haben zu wollen. Vor Ort hat das aber natürlich wenig interessiert. Bei der Pegida hatte sich einiges an rechter Prominenz versammelt, darunter Dominik Rösler von Pro NRW und Michael Brück und Christoph Drewer von der „Rechten".

Nachdem es bei dem HoGeSa-Großaufmarsch in Köln im letzten Jahr zu schweren Ausschreitungen gekommen war, war die Polizei dieses Mal besser vorbereitet. Mehr als tausend Polizisten waren im Einsatz und versuchten, die verschiedenen Lager auseinander zu halten. Zusätzlich hatte die Polizei am Samstag zwei Zelte aufgestellt, in denen jeder Teilnehmer einzeln durchsucht und abgetastet wurde.

Die Lage drohte kurz zu eskalieren, als ein Mob von bis zu 50 Hooligans aber irgendwann ohne Polizeibegleitung auf die Antifa-Demonstranten zustürmte, die hinter einer Polizeiabsperrung die „Pegidas" anbrüllten. Mit dabei waren vor allem die „Beserker Pforzheim", die es mit ihren Hitlergrüßen und wutverzerrten Hool-Gesichtern schon in Köln zu einiger Bekanntschaft gebracht hatten.

Die Hooligans rannten auf Antifas und Journalisten zu, es flogen Flaschen. Nach kurzer Zeit konnte die Polizei den Mob aber mit Pferden, Knüppeln und viel Pfefferspray bändigen. Vermummt und „Antifa Hurensöhne" grölend konnten auch diese Hools sich dann zu ihren Artgenossen in den Polizeikäfig begeben.

Mit Lutz Bachmann (ohne Hitlerbärtchen) war sogar ein wenig sächsische Pegida-Prominenz in Wuppertal. Der hatte allerdings Mühe, seine versammelten Schäfchen zu bändigen. Als die Polizei bekannt gab, dass man die Pegida-Anghänger und ihre Hooligans mit Blick auf die öffentliche Sicherheit nicht laufen lassen könnte, rasteten die Hools noch einmal aus.

Lutz Bachmann, Pegida-Gründer und Hitler-Imitator, war extra aus Dresden angereist.

Während Lutz Bachmann von der Bühne der Veranstaltung besänftigend zu Friedlichkeit aufrief und darum bat, „jetzt nicht alles kaputt" zu machen, griffen die Hooligans die Polizei mit Böllern und Flaschen an. Weil die Sicherheit nicht mehr gewährleistet sei, löste Pegida die Versammlung dann selber auf.

Ein großer Teil der Demonstranten wurde dann zum Bahnhof gebracht, wobei es noch ein paar mehr erfolglose Versuche gab, Polizisten, Journalisten und Gegendemonstranten anzugreifen. Ein paar Stunden später schaffte es allerdings eine Gruppe aus Hooligans und Neonazis (inklusive der Dortmunder Szenegrößen), noch mal ohne Polizeibegleitung spontan durch einen anderen Stadtteil zu marschieren. Nach kurzer Zeit wurden aber auch die von der Polizei festgesetzt.

Bei den Salafisten

Aufstrebende Nachwuchs-Salafisten

Die Kundgebung der Salafisten hat so richtig erst begonnen, als die Pegida-Demo schon zu Ende war. Auch die mussten sich nämlich in extra aufgestellten Zelten einzeln durchsuchen lassen. Zusätzlich waren auch einige der Zugangswege von Hunderten Gegendemonstranten blockiert. Das war für die Islamisten nicht nur unangenehm, weil sie sich am laufenden Band von kurdischen Jugendlichen als Kindermörder beschimpfen lassen mussten, es hat sie auch kostbare Redezeit gekostet.

Kurdische Gegendemonstranten

Die Gruppe um den ehemaligen Sharia-Polizisten Sven Lau wollte vor allem für „muslimische Gefangene" demonstrieren und Geld für ihre Betreuung sammeln. Dabei geht es natürlich weniger um „ganz normale Knastis", die zufällig Muslime sind. Gruppen wie „Ansarul Aseer", die in Wuppertal vertreten waren, unterstützen Islamisten, die zum Beispiel wegen der Unterstützung von Terrororganisationen im Gefängnis sitzen.

Bernhard Falk

Auch ein anderer „Gefangenenhelfer" war deshalb bei der Kundgebung dabei: Bernhard Falk wurde 1999 als Linksterrorist der „Antiimperialistischen Zellen" wegen vierfachen Mordversuchs und einer Reihe von Sprengstoffanschlägen verurteilt. Im Knast hat er zu Gott gefunden, nennt sich nun Muntasir bi-llah und unterstützt islamistische Terrorverdächtige.

Ein junger Mann konvertierte auf der Bühne zum Islam. Links davon Abu Abdullah, rechts Sven Lau.

Es ging allerdings nicht nur um islamistische Gefangene, es ging um das Unrecht auf der Welt. Wer in der Kolonialzeit und in den Weltkriegen Millionen von Menschen getötet hätte, fragt ein Redner, der sich im Internet als Abu Abdullah vorstellt. „Waren das Muslime?" Von seinen Anhängern schallt ihm ein „Nein!" entgegen. Falsch liegt er damit zwar nicht unbedingt. Auf die Hinrichtungen im „Islamischen Staat" angesprochen, vermag er dort allerdings kein Unrecht zu erkennen. Als ihn ein Journalist nach seiner Meinung zur Hinrichtung des jordanischen Piloten fragt, der im Januar in einem Käfig verbrannt wurde, spricht Abu Abdullah von Selbstverteidigung. „Fragen sie mich lieber nach amerikanischen Hinrichtungen!", kokettiert er. Dann gab er den Journalisten noch den freundlichen Rat mit auf den Weg, dass sie „im Höllenfeuer brennen" würden, wenn sie den Koran nicht annehmen.

Abu Abdullah

Was er unter anderem von Amerika hält, erklärt Abu Abdullah schon vorher auf der Bühne: „Oh Allah, vernichte die Ungerechten, Allah, vernichte Amerika, Allah, vernichte die Juden, Allah, vernichte Israel" skandiert er, jeweils gefolgt von einem „Allahu Akbar" seiner Anhänger. Die Gegendemonstranten kontern mit „Kein Gott, kein Staat, kein Kalifat".

Zwischendurch fliegen auch einzelne Eier und Böller in Richtung der Salafisten. Die Ironie des Tages: Auch bei der Pegida-Kundgebung wurde zuvor ein Demonstrant, der sich mit Deutschland- und Israel-Fahne für das „Abendland" einsetzen wollte, von Neonazis mit „Nie wieder Israel" angebrüllt. Gut möglich, dass teile dieser Neonazis bereits gemeinsam mit ihren salafistischen Feinden auf der Straße waren, als es im vergangenen Jahr gegen Israel ging.

Der Gewinner: Wuppertal

Trotz des vielen Dramas war der Tag sowohl für die Salafisten als auch für Pegida und seine Hooligan-Freunde ein Reinfall. Die Salafisten hatten mit 400 Teilnehmern gerechnet, nicht einmal die Hälfte ist gekommen. Dabei gilt Wuppertal als eines der Zentren der Salafisten in Deutschland.

Es kamen nicht ganz hundert Salafisten.

Auch bei der „Pegida"-Kundgebung hatte man mit deutlich mehr Teilnehmern gerechnet. 2000 stand als erwartete Zahl im Raum, „Pegida NRW" hatte eine „Generalmobilmachung" verkündet, mit Lutz Bachmann und Michael Stürzenberger war eigens ein bisschen rechte Politprominenz angereist. Am Ende kamen kaum mehr als 500. Pegida hat außerdem einmal mehr gezeigt, dass sie vor allem in Nordrhein-Westfalen nicht viel mehr sind als eine Vorfeldorganisation gewaltbereiter Hooligans und Neonazis, so sehr sie das auch abstreiten mögen.

Es gibt aber auch schöne und erfreuliche Dinge in Wuppertal: 2.000 Demonstranten gingen sowohl gegen Pegida als auch die Salafisten auf die Straße—mehr als die beiden Extremisten-Kundgebungen zusammen hatten. Es gab mehrere Kundgebungen und Demos, vom Bürgermeister bis zum Antifa-Aktivisten waren viele beteiligt. Da die Salafisten in der Nähe der alten Synagoge demonstrieren sollten, hat sich eine andere Kundgebung bewusst schützend davorgestellt.

Außerdem hat Wuppertal eine Schwebebahn. Das ist ziemlich cool.