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Menschen aus der Generation Z erzählen, wie sie daten

"Es ist schwierig, zwischen Menschen zu unterscheiden, die einfach nur etwas auf Instagram posten und solchen, die sich tatsächlich engagieren." – Maddie, 22.
Nana Baah
London, United Kingdom
19.11.20
Eine Gruppe junger Frauen guckt auf ihre Handies und lacht zusammen, vermutlich über eine Datingerfahrung
Foto: Getty Images

Es gibt eine Vielzahl von Statistiken über die Generation Z. Wer nach 1995 geboren wurde, hat angeblich weniger Sex als Gleichaltrige in den 90ern und will höchstwahrscheinlich keine feste Beziehung. Daher ist es auch keine Überraschung, dass die TikTok-Generation sehr anders an Dating herangeht als die Babyboomer oder die vorherigen Generationen X und Y.


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Was bedeutet Dating also für Menschen, die vor allem dafür bekannt sind, den Planeten retten zu wollen? Hier sind die sechs goldenen Regeln für Dating im Zeitalter der Generation Z. 

Hüte dich vor Pseudo-Aktivisten

Studien des amerikanischen Think-Tanks Pew zeigen, dass die Mehrheit der dort lebenden Generation Z sehr progressiv ist, was durch ihre Unterstützung für die Black Lives Matter-Bewegung und ihr Engagement in den Fridays for Future-Demonstrationen klar wird. 

Es ist also wichtig, dass eine ausgewählte Person nicht nur so tut, als wäre sie politisch – aufrichtige Ansichten sind gefordert.

"Es ist schwierig, zwischen Menschen zu unterscheiden, die einfach nur etwas auf Instagram posten und solchen, die sich tatsächlich engagieren", sagt Maddie, 22. "Wenn ich nur mit jemandem rummache und diese Person fragwürdige Ansichten hat, würde ich trotzdem mit ihr schlafen und gut ist. Aber wenn es um Grundsätze geht, wenn jemand zum Beispiel anti-feministisch oder rassistisch ist, ist das vom Tisch. Aber ich überprüfe Leute erst richtig, wenn wir ernsthaft daten."

Andere wie Rory*, 21, vermeiden es vor einem Date mit einer neuen Person über Politik zu reden. "Ich habe noch nie jemanden gedatet, der nicht auch progressiv ist", erklärt er. "Ich spreche absichtlich mit meinen Dates über Politik, um ihre Ansichten auszutesten. Bisher hat das immer geklappt."

Ein umschlungenes, sich küssendes Paar

Foto: Sian Bradley

Arbeit ist wichtiger als Sex

Forschende tun gern so, als ob die Generation Z zu viel Zeit auf Social Media verbringt, um tatsächlich auch Sex zu haben. Aber junge Menschen haben eine komplexe Sicht auf Sex. Schließlich ist die Generation Z mit den Konsequenzen der Finanzkrise von 2008 aufgewachsen. Sie macht sich mehr Sorgen um ihre Jobaussichten und ihre finanzielle Sicherheit als darum, eine Beziehung zu haben. Jetzt, wo die Pandemie dazukommt, ist Dating noch weniger wichtig. 

"Mir bringt es mehr, wenn ich einen Job und ein Einkommen habe statt zu daten", sagt Sophie, 23. "Ein Job ist verlässlicher. Ich arbeite hart, bin entschlossen und fokussiert auf meine Karriere. Deswegen priorisiere ich das über eine Beziehung und manchmal sogar über neue Freunde."

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Es muss offiziell sein 

Du warst auf vier Dates mit einer Person und sie hat dich ihrer Familie und Freunden vorgestellt. Ihr seid also in einer Beziehung, oder? Nicht, wenn es nach der Generation Z geht. 

"Man muss es definitiv klar aussprechen – es ist doch unangenehm, wenn niemand was sagt", sagt Maddie. "Ich war mit einem Mädchen auf drei Dates, aber bin mir nicht sicher, welchen Beziehungsstatus wir haben. Vielleicht sind wir jetzt zusammen. Davor habe ich fünf Monate lang einen Typen getroffen. Alle meine Freunde sagten immer 'Du und dein Freund … ', aber ich entgegnete nur, dass wir nicht offiziell zusammen seien. Wir hatten das Gespräch erst, als ich betrunken war. Da fragte ich einfach geradeaus 'Bin ich deine Freundin?' Er bestätigte es."

Eine rothaarige Frau, die auf ihrem Handy tippt

Fhoto: Sian Bradley

Ghosting wird erwartet, in Ordnung ist es trotzdem nicht

Wir alle kennen doch diesen herzzerreißenden Moment, nachdem ein Match auf Tinder tagelang mit dir über deine Lieblingsepisoden von Sex Education philosophiert hat, nur um deine letzte Nachricht auf WhatsApp mit zwei blauen Haken stehen zu lassen. Du wurdest bedauerlicherweise geghostet. 

Traurigerweise hat die Generation Z noch keine Lösung für diesen allgegenwärtigen Trend gefunden. 

"Wenn ich mit jemanden schreibe, möchte ich lieber, dass ich ghoste statt andersrum - dann habe ich wenigstens die Kontrolle", sagt Sophie. "Das klingt vielleicht gemein, aber manchmal fühlt es sich gut an jemanden abzuweisen. Es kann dein Selbstbewusstsein stärken, im Sinne von: 'Ich brauche niemanden.'"

James, 23, war selbst mal derjenige, der geghostet hat. Seiner Meinung nach ghosten Leute, weil sie nicht wissen, wo sie mit der anderen Person stehen. 

"Ein Mädchen war sehr wütend, als ich ihr nicht mehr antwortete. Ich wollte sie eigentlich gar nicht ghosten, aber ich dachte, sie wollte mich nicht mehr sehen" sagt er. "Sie hat sich definitiv mit anderen Leuten getroffen. Trotzdem wollte sie, dass ich es offiziell zwischen uns mache." 

Was würde James anderen raten, die geghostet wurden? 

"Ich bin schon unzählige Male geghostet worden", sagte er. "So schlimm ist es nicht, du kommst drüber hinweg."

Dating-Apps fressen unsere Seele auf 

Ein anderer Trend: Dating-Apps. 

Maddie sagt, dass Apps wie Tinder einen bestimmten Look erfordern. Deswegen sehen Menschen oft ganz anders aus, wenn man sie in echt trifft. "Meine männlichen Freunde auf Tinder suchen nach sehr konventionell aussehenden Mädchen", sagt sie. "Aber manche queeren Frauen auf Tinder sehen genauso aus. Ich glaube nicht, dass sie sich das freiwillig aussuchen. Alle sind super dünn, haben geglättete Haare, künstliche Wimpern und tragen High Heels. Wenn du sie dann triffst, denkst du dir nur 'Du bist so attraktiv, warum ist dein Tinderprofil so schrecklich?'"

Zwei junge Frauen mit Netzstrumpfhosen, die lachend nebeneinander liegen

Foto: Sian Bradley

Niemand sucht die große Liebe

Die meisten Millennials wuchsen mit romantischen Komödien und Geschichten über ihre Eltern, die mit 25 heirateten, auf. Die Idee, die große Liebe zu finden, wurde ihnen früh eingeschweißt. Aber für die Generation Z und ihre reflektierten Teenager sind Seelenverwandte weniger wichtig. 

"Anfang 20 probieren sich viele Menschen durch ungebundenen Sex aus, um herauszufinden, was sie mögen und diese wilde Zeit einmal zu durchleben" sagt Sophie. "Für mich fühlt es sich eher wie 'nur für alle Fälle' an. 'Hab’ eine gute Zeit, damit du später nichts bereust.'"

Das Konzept eines Seelenverwandten ist für Ryan komplett absurd. "Ich glaube nicht, dass die große Liebe existiert und dass ich sie auf einer Datingapp finde", sagt er. "Vielleicht ist das altmodisch, aber ich glaube, wir als eine Generation stellen gerade fest, dass man investieren muss, damit eine Beziehung funktioniert. Aber wer hat Zeit für sowas, während wir uns in einer globalen Pandemie befinden?"

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