Mit Talent und harter Arbeit hat es Joseph Ouechen zum besten Straßenfotografen von Marokko geschafft. Dabei hat er sich auf ziemlich nischige Motive konzentriert: Der Autodidakt fotografiert marokkanische Metal-Fans. Alles begann 2010, auf seinem Blog sammelte Joseph Fashion-Fotografien anderer Künstler. 2013 kaufte er sich schließlich selbst eine Kamera und startete seine Karriere. Wir haben mit ihm darüber geredet, wie es ist, Menschen zu fotografieren, die von der Gesellschaft als Teufelsanbeter abgestempelt werden.

VICE: War dein Anfang als Fotograf schwierig? Du hast das ja nirgendwo studiert.
Joseph Ouechen: Ich wurde in Sidi Moumen, einem armen Viertel von Casablanca, geboren und habe die Schule nicht geschafft, weil ich im Unterricht zu schlecht war. Ich lerne die Dinge lieber auf meine Weise, so lief es auch mit der Fotografie. Das Internet hat mir aber sehr geholfen.
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Warum fotografierst du die Metal-Szene von Marokko?
Diese Idee kam mir 2003, als eine Metal-Band beim L’Boulevard-Festival in Casablanca festgenommen wurde. Man warf ihnen vor, Teufelsanbeter zu sein. Das war natürlich Quatsch, sie spielten einfach nur Metal. Nach diesem Zwischenfall fing ich an, bei Metal-Festivals zu fotografieren und mehr über das Genre zu lernen. Metal ist in Marokko überhaupt nicht verbreitet. Aber ich mag den Style, die Symbole und Wörter auf den Klamotten, die Frisuren und die Accessoires der Szene.

Um was geht es in deiner anderen Serie “On the Streets”?
Das ist ein fortlaufendes Projekt, mit dem ich den modernen Alltag in Marokko erforsche und dokumentiere. Ich will so mit diversen Klischees über die marokkanische Gesellschaft aufräumen.
Gibt es so was wie ein schlechtes Foto?
Meiner Meinung nach sind alle Fotos schlecht, die nicht spontan entstehen. 2013 reiste ich nach Ägypten, um für ein Projekt die Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz gegen den damaligen Präsidenten Mohammed Mursi zu fotografieren. Das war eine meiner ersten Erfahrungen als Fotojournalist. Ich hatte noch keine Ahnung und ließ die Leute dort für mich posieren. Irgendwann wurde mir zum Glück klar, dass das die falsche Herangehensweise ist und dass solche Veranstaltungen schonungslos und ehrlich festgehalten werden müssen. Man muss Momente einfangen und nicht erst erschaffen.










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