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fake news

Erika Steinbach verbreitet schlecht gefälschtes Anti-Flüchtlingsfoto

Fake News sind für Rechte anscheinend nur ein Problem, wenn sie aus dem linken Spektrum kommen.

von Lisa Ludwig
14 August 2017, 9:58am

Screenshot: Twitter | @SteinbachErika

Manchmal ist es selbst für Journalisten schwierig zu verifizieren, ob es sich bei einem Foto oder einer Nachricht um Fake News handelt. Manchmal haben die Fälscher allerdings auch die Bildbearbeitungs-Skills eines Grundschülers. So geschehen bei der Noch-Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach, die sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Beatrix von Storch um den Titel "Königin des rechten Mini-Twitter-Skandals" liefert. Am späten Sonntagvormittag postete die ehemalige Unions-Politikerin wortlos ein Bild, das das vermeintlich deutschenfeindliche Gutmenschentum wohl auf den Punkt bringen sollte.

Eine elegant gekleidete Frau, nur von den High-Heels bis knapp oberhalb des Intimbereichs sichtbar, war offenbar einkaufen. Mit mehreren Tüten und einem "Refugees Welcome"-Beutel bepackt schreitet sie an einem traurig aussehenden Obdachlosen vorbei, der den Plastikbecher bittend in ihre Richtung streckt. Die linke Elite, so die scheinbare Aussage des Bildes, hilft den Ausländern, die nur in unser Land kommen, um sich auf unsere Kosten ein schönes Leben zu machen, während arme Deutsche auf offener Straße verhungern.

Wer ein bisschen genauer hinguckte, bevor er geifernd auf den Retweet-Button klickte, um es den linksversifften Gutmenschen so richtig zu zeigen, dem dürfte allerdings aufgefallen sein: Irgendwie sieht der "Refugees Welcome"-Beutel seltsam aus. Beinahe so, als hätte ihn jemand sehr schlecht in einem Bildbearbeitungsprogramm ausgeschnitten, dabei die rechte untere Hälfte einfach weggelassen, und anschließend einfach auf ein Symbolfoto für die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland gezogen – mit der Geflüchtete übrigens rein gar nichts zu tun haben.

Tatsächlich fanden mehrere Twitter-User bereits wenig später das Originalbild ohne Beutel:

Dieser Tweet war nicht der erste, in dem Erika Steinbach ein Bild aus dem Kontext riss, um ihrer eigenen Agenda Gewicht zu verleihen. Im Februar 2016 ging sie durch die Medien, als sie unter der Überschrift "Deutschland 2030" das Foto eines weißen Kindes tweetete, das von neugierigen dunkelhäutigen Kindern umringt war. Wie der NDR recherchierte, hatte das Bild allerdings nichts mit vermeintlicher Masseneinwanderung zu tun, sondern stammte von der Indien-Reise eines australischen Ehepaares mit ihrem Kind.

So schnell die rechte Seite von Twitter sonst "Fake News!!!11" schreit, mit der fröhlichen Bildmanipulation von Steinbach scheinen sie keine Probleme zu haben. Zwar regnete es heftige Kritik unter dem Einkaufstüten-Tweet der Politikerin, der sammelte gleichzeitig aber auch über 560 Likes, fast 300 Retweets und einige wohlmeinende Kommentare. Deren Konsens: Um wichtige Inhalte zu vermitteln, kann man bei Fotos auch mal ein bisschen mogeln.

Die Politikerin selbst reagierte nicht direkt auf die Kritik, tweetete allerdings wenige Stunden später ein Zitat Bertolt Brechts, das als eine Art Antwort gesehen werden könnte: "Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!"

Wir lernen also: Fake News sind nur dann problematisch, wenn sie von den anderen kommen. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass Erika Steinbach das Foto nicht selbst in Paint zusammengeklöppelt hat. Es tauchte nämlich schon Anfang 2017 unter anderem auf dem nationalistischen Blog "Bayern ist Frei" und bei 4chan auf.

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