Politik

Eine unvollständige Liste der schönsten Karriere-Highlights von Matthias Strolz

Matthias Strolz hat uns wahrlich denkwürdige und spirituelle Momente bereitet. Zum Abschied haben wir ein paar von ihnen gesammelt.
Wer den Instagram-Account von Matthias Strolz noch nicht kennt, sollte das schnell nachholen.

Warum es Menschen in die Politik treibt, ist ja oft rätselhaft. Weshalb man sich als Parteichef verheizen lässt erst recht. (Erinnert ihr euch noch an Josef Pröll oder Michael Spindelberger? Wir auch nicht.) Idealismus scheint es bei den wenigsten zu sein – viel häufiger hat man den Eindruck, es gehe eher um die Sicherheit der Abgeordnetenbezüge und den Narzissmus halbkompetenter mittelalter weißer Männer, der die Welt in den vergangenen Jahrtausenden vor die Hunde gehen ließ.

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Obwohl, ein bisschen Idealismus steckt dann wohl doch darin. Aus irgendeinem Grund glaubt nämlich jeder Mensch auf dem Weg in die Politik, dass es diesmal anders und besser wird. Zumindest für ihn selbst. Man glaubt fest daran, nicht den neuen Rekord für die kürzeste Amtszeit aufzustellen. Dass es nicht egal gewesen sein wird, was man im Parlament geredet hat. Und dass man danach wenigstens einen hoch dotierten Drecksjob angeboten bekommt, der einen über so einige zwielichtige Konzernentscheidungen hinwegsehen lässt, statt eines mittelgut bezahlten, der die Scham nicht mal mit ausreichend Schmerzensgeld ausgleicht (ähem, Novomatic, ähem).


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Womit wir wieder bei der Frage wären, warum sich irgendwer irgendwas davon antut. Am Ende kann man nämlich eigentlich gar nicht gewinnen, egal wie man es macht. Vorwürfe gibt es zumindest immer von der Gegenseite (und, wenn man weniger Glück hat, auch aus den eigenen Reihen). Und wer sich zum Beispiel an die legendäre Brandrede von Matthias Strolz für ein Rauchverbot erinnert ("Frau Gesundheitsministerin, was IST mit Ihnen?"), weiß, dass das Gesprächsniveau im Nationalrat so dermaßen toxisch und destruktiv ist, dass die meisten vernunftbegabten Menschen wahrscheinlich während ihrer ersten Rede alles hinschmeißen und direkt zu Nestlé wechseln würden.

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Warum wir hier so weit ausholen? Weil Matthias Strolz in diesen Punkten – so abgedroschen es klingt – ein bisschen anders ist. Zwar hat inzwischen auch er angekündigt, alles hinschmeißen zu wollen; aber zumindest hat er nach seiner Rauchverbots-Rede noch ziemlich lange durchgehalten. Und auch mit Narzissmus und populistischem Kalkül hat der "Gründungsmythos der NEOS nach Strolz" nicht viel zu tun; eher mit einem Eso-Mindset zwischen Bob Ross und Willi Dungl. So hat sich die Geschichte laut Strolz zugetragen: Fünf Tage und vier Nächte verbrachte er hungernd im Wienerwald, machte eine Nacht am Lagerfeuer durch, und setzte sich am fünften Tag schließlich auf einen Felsen, um folgenden Satz zu schreiben: "Du bist ein Gärtner des Lebens. Kultiviere Formen und Felder sämtlicher Art." Ohne Scherz. Wirklich. Lasst uns das bitte immer im Hinterkopf behalten, wenn wir von Matthias Strolz sprechen.

Dass sich in Österreichs Politik die Felder aber nur dann kultivieren lassen, wenn man Mitglied der Landwirtschaftskammer ist, musste nach sechs Jahren Parteivorsitz nun auch Matthias Strolz einsehen. Wir verabschieden uns vom vermutlich letzten Idealisten der österreichischen Parteipolitik (RIP), indem wir ein paar Highlights seiner Karriere in Erinnerung rufen.

Instagram – die dunkle Bedrohung

Niemand weiß so genau, wann Matthias Strolz' Instagram-Account zu dem wurde, was er heute ist: Ein trippiger, sich selbst feiernder Bewusstseinsstrom, der das Unmögliche möglich macht, indem er seinen gesamten Witz daraus schöpft, so hart witzig sein zu wollen.

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Vielleicht war es das eine Foto, auf dem er das Sonnen-Baby der Teletubbies war. Vielleicht war es der Moment, in dem ein Friends-Reboot mit Matthias Strolz in allen Hauptrollen nicht wie die schlechteste Idee aller Zeiten wirkte. Vielleicht waren es die Weihnachtswünsche, die er uns gemeinsam mit seinem virtuellen Pferd am Osterwochenende übermittelte.

Vielleicht waren es die zahlreichen Collagen seiner Visage auf die Köpfe von Vivaldi, Mozart und Julie Andrews als Maria von Trapp. Vielleicht war es der exzessive Gebrauch von Dreizeiler-Hashtags, wie sie sonst nur die Art Mensch verwendet, die sich freiwillig The Big Bang Theory gibt. Vielleicht war es aber auch sein sensationeller Auftritt als Leberkasboy.

Am Ende bleibt nur die Gewissheit darüber, dass dieser Mann nicht wegen, aber trotz seines Instagram-Accounts für immer in unseren Herzen bleiben wird. Matthias Strolz: Die österreichische Britney Spears.

Matthias Strolz erklärt die Liebe

In seinem Format Mat Spricht hat uns "Mat" immer wieder Fragen beantwortet, die sich die Menschheit seit Anbeginn der Zeit stellt. Zum Beispiel, was denn eigentlich Liebe ist.

Liebe ist eingewoben in uns Menschen wie göttlicher Sternenstaub, sagt der Romantiker und damit ist nicht nur die Liebe zu Menschen oder sich selbst gemeint. Nein, auch Holz kann man lieben und Steine. (Matthias Strolz mag Steine übrigens auch – für die, die es wissen wollen.)

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Was jedenfalls auf keinen Fall ohne Liebe geht, ist die Politik, sagt der Ex-Chef der Neos und wir glauben es ihm (vor allem Uber-Fahrer fühlen sich geliebt von der Partei. Mit "Ich liebe Politik" beginnt und endet übrigens auch das Buch von Matthias Strolz, das er eigentlich auch so nennen wollte (der Verlag lehnte ab mit der Begründung, dass das niemanden interessiere.)

OK, immer Liebe ging auch nicht

Auf die Frage, mit welchem der Spitzenkandidaten der vergangenen Nationalratswahl sich Matthias Strolz ein Taxi teilen würde, antwortete er in der Elefantenrunde, er würde Peter Pilz in den Kofferraum packen und das Auto über die Grenze schicken. Die Antwort war unerwartet – schließlich hätte sie eher zu Strache gepasst; und zur Frage, was er mit jedem einzelnen Ausländer vorhat, der nicht aus dem guten Westen kommt.

Aber kann man es ihm verübeln? Der Wahlkampf war halt auch wirklich allseits ziemlich scheiße. Natürlich entschuldigte sich Strolz danach. Immerhin war es Matthias "Liebe ist göttlicher Sternenstaub" Strolz, dem dieser Satz rausgerutscht ist.

Tote Pferde und andere Metaphern

Wenn man sich den durchaus umfangreichen Strolz'schen Analogien-Katalog genauer ansieht, wird schnell klar, dass dieser Typ nicht nur gerne von Käseglocken und ausgepressten Zitronen spricht, sondern darüber hinaus auch eine ausgeprägte Vorliebe für tote Pferde zu haben scheint:

Man kann ein totes Pferd natürlich reiten, wenn man das wirklich möchte, das wäre ja OK, aber in Wahrheit reiten nur verzweifelte Indianer ein totes Pferd, und ein schöner Sattel hilft einem toten Pferd auch nicht wirklich weiter, vor allem dann nicht, wenn das tote Pferd schon jahrelang todkrank war, und wenn man ein bisschen ein Gespür hat, dann verabschiedet man sich würdevoll von einem toten Pferd, und schlussendlich sind tote Pferde vor allem eines: Tote Pferde.

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Aber wie sagt man so schön? Auf einem toten Pferd lernt man das Reiten. Einem toten Gaul schaut man nicht ins Maul. Und tote Pferde leben nun mal länger. Oder so ähnlich. Letzteres tun sie allerdings nicht zuletzt dank dieses Kurt-Razelli-Riesenhits, auf dem Matthias Strolz die Vocals abliefert: "Das ist nicht OK".

Ich schäme mich für diesen Berufsstand!

Vor kurzem hat Strolz dann gezeigt, dass er wirklich auf die Kacke hauen kann, wenn ihn etwas auf die Palme bringt – die Wieder-Abschaffung des geplanten Rauchverbots in der Gastronomie etwa.

Man erlebt nicht alle Tage, dass ein Parlamentarier seinen Kolleginnen und Kollegen entgegen schreit, dass er sich für seinen Berufsstand schämt. Selbst wenn man Neoliberalismus noch so zum Speiben findet, war man an diesem Tag irgendwie froh, dass Strolz der Regierung jenen festen verbalen Arschtritt verpasst hat, den sonst keiner im Parlament verteilen wollte.

"Antisemitischer Scheiß"

In einer Folge Mat Spricht an Hitlers Geburtstag sprach der Instagram-König schließlich auch über Antisemitismus und Intoleranz. Eingeleitet wird das Video mit der von Farid Bang gerappten Line "Mein Körper definierter als Auschwitzinsassen", die wir in den vergangenen Wochen aufgrund der exzessiven Medienberichterstattung alle schon einmal als Ohrwurm hatten.

Bei aller Kritik, die Strolz am Text übt: Der größte Diss ist wohl, dass er Farid Bang schlicht als "deutschen Popstar" bezeichnet. Am Ende ruft er zu Gewaltfreiheit auf und spricht von einem inneren Ort der Klarheit. Kritik à la Mat.

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Lost in Time and Lost in Space

Sein volles Potenzial als übersinnlicher Redner schöpfte Strolz aus, als UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon im österreichischen Parlament zu Besuch war. Man wusste als Zuschauer kurz nicht mehr, ob man gerade ORF III oder AstroTV laufen hatte.

In gerade einmal fünf Minuten schaffte es Strolz, die verträumtesten Gedanken über das Universum, die Rocky Horror Picture Show und Immanuel Kant in einer wundersamen Rede zu vermengen, wie wir sie sonst nur von unserem bekifftesten Stoner-Freund um drei Uhr morgens erwarten würden.

Spätestens als Strolzi sich laut vorstellte, wie es wäre, sich auf einen fremden Planeten zu beamen, dürfte auch der letzten Zuschauerin klar gewesen sein: Wir erleben hier einen wahrlich denkwürdigen und spirituellen Moment des österreichischen Parlamentarismus.

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