Dieser Mann hat in drei Jahren 600 mal DMT geraucht

Das ist häufiger als jeden zweiten Tag. Seine lebensverändernden Erfahrungen hat der Familienvater jetzt in einem Buch festgehalten.

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Juli 5 2017, 1:45am

Ein Mann bei einer Vape-Convention, durch Google Deep Dream gejagt. Kein DMT. | Foto: George Nelson

Nach einem typischen Drogenfan sieht Dick Khan nicht aus: kurzes, graues Haar, glattrasierte Wangen, sanfter nordenglischer Akzent und kein Batik-Shirt weit und breit. Dick heißt nicht wirklich so, er benutzt als "unabhängiger DMT-Forscher" ein Pseudonym.

Seit Jahrhunderten brauen Schamanen Ayahuasca-Tee mit dem sogenannten "Spirit Molecule", um mit Wesen aus anderen Dimensionen zu kommunizieren und kosmische Botschaften zu empfangen. Seit einigen Jahren preisen auch westliche Nicht-Schamanen die therapeutische Wirkung dieser Substanz, auch wenn die bisher nicht gut erforscht ist. Doch Dick hat eine ganze Menge Erfahrung mit N,N-Dimethyltriptamin: Im Laufe von drei Jahren hat er mutige 600 Dosen davon gevapt. Seine Erfahrungen hat er in einem Buch festgehalten: DMT & My Occult Mind: Investigation of Occult Realities using the Spirit Molecule.

Nach seinem faszinierenden Vortrag auf der Psychedelika-Konferenz Breaking Convention 2017 in London habe ich mir Dick geschnappt, um von ihm mehr über die geheimnisvollste bewusstseinsverändernde Droge der Welt zu erfahren.


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VICE: Hi, Dick. Erklär mir doch bitte, wie das alles angefangen hat.
Dick Khan: Ich interessiere mich schon lange für esoterische Philosophie. Als Kind hatte ich drei oder vier außerkörperliche Erfahrungen. Ich war also schon in jungen Jahren überzeugt, dass es einen Teil von mir gibt, der auch außerhalb meines Körpers existieren kann. Ich denke, daher stammt mein Interesse. Natürlich hat das mit den esoterischen Lehren noch etwas gedauert, das kam von jemandem, den ich kennengelernt habe. Das hat mich wirklich gepackt und ich habe mich viele Jahre mit diesen Philosophien beschäftigt.

Und wie bist du konkret auf DMT gekommen?
In meiner Jugend hatte ich einige schöne Nächte auf Ecstasy und LSD. Aber ich wurde älter und mein Leben änderte sich. Dann sah ich die Doku The Spirit Molecule und bekam Gänsehaut. Vor allem, als Dr. Rick Strassmans Testpersonen von ihren Erfahrungen auf DMT erzählten. Ich musste es ausprobieren.

Was hat dich daran so fasziniert?
Da waren Leute, die sagten, sie hätten spirituelle Phänomene erlebt. Für mich ist das eine ernste Aussage. Das ist was Großes. Da ich an Esoterik interessiert war, musste ich rausfinden, ob da was dran ist. Monatelang habe ich nur Erfahrungsberichte gelesen, aber die waren alle unwichtig, als ich DMT zum ersten Mal selbst probiert habe.

Dieses Bild wurde von DMT inspiriert | Bild: L. Brown | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0

Was ist beim ersten Versuch passiert?
Beim ersten Mal habe ich nur ein paar Milligramm genommen, aber trotzdem wirkte ein einziger Zug so stark, dass ich ganz ehrfürchtig wurde. Meine Frau sah besorgt zu und war nicht erfreut. Sie sagte: "Jetzt hast du es ausprobiert, also kannst du von nun an die Finger davon lassen." Und ich nur so: "Nein."

Dann war ich allein in meinem Schlafzimmer und habe 15 Milligramm probiert. Die Vorhänge waren offen, ich lag auf dem Boden und schaute an die Decke. Innerhalb von Sekunden war da ein Bild von meiner Familie, die lächelnd Hand in Hand läuft. Es sah aus wie eine Standaufnahme aus einem Film, einfach kristallklar. Es war eine so glückliche Szene. Ich dachte: "Wie kann das sein?!" Das Bild war völlig scharf und gleichzeitig konnte ich noch die Zimmerdecke sehen. Nach diesem Erlebnis war ich hin und weg von diesen anscheinend magischen Eigenschaften von DMT.

Ich habe einen Vollzeitjob und eine Familie, und diesen Dingen habe ich immer die höchste Priorität gegeben. Aber davon abgesehen habe ich gesagt: "Lass mich machen." Und das habe ich getan.

Kam dir irgendwann während der drei Jahre in den Sinn, dass du aufhören solltest?
Bei einer mittelgroßen Dosis, die ich im Haus genommen hatte, ging es mit mir psychisch leider bergab. Ich war auf dem Abstieg und es wurde sehr düster. Das habe ich in meinem Buch dokumentiert, soweit ich mich getraut habe. Ich habe es auch mit meiner Frau besprochen. Das war eine wirklich schwierige Erfahrung. Danach war ich sehr nervös, es wieder zu tun, vor allem im Haus. Ich würde sagen, DMT kann innen recht turbulent und einschüchternd werden, während man unter freiem Himmel unendlich weit kommt.

Was waren deine denkwürdigsten Erfahrungen, sowohl visuell als auch spirituell?
Als ich gesehen habe, was ich als spirituelle Wesen bezeichnen würde. Man könnte bewusste Energien oder körperlose Intelligenzen dazu sagen. Manche Leute sprechen auch von "Aliens", aber diese Bezeichnung mag ich nicht. Ihre Geometrie, ihre Schönheit, ihre Größe – das ist eindeutig ein natürliches Phänomen, und es ist da. Es ist keine Projektion meiner Psyche. Nach 600 Experimenten ist mir das klar. Diese Anblicke haben mich davon überzeugt, dass die Menschheit nicht die Krone der Evolution ist, und allein sind wir auch nicht. Diese Dinge zu sehen, war sehr erfüllend.

Einmal sah ich ein Wesen, das eindeutig geometrisch und symmetrisch war, aber die Oberfläche war knorrig und rau. Ich konnte seinen Geist spüren und es war recht gleichgültig; es zeigte sich mir einfach nur. Es versuchte nicht, sich aufzudrängen, sondern sagte einfach nur: "Sieh mich an."

Haben diese Erfahrungen dich verändert, zum Schlechten oder zum Guten?
Ich hatte auch vorher schon an etwas Größeres als die Menschheit geglaubt. Das war Glaube, denn Wissen hatte ich damals nicht. Aber nach allem, was ich gesehen habe, bin ich heute sicher. Die Veränderungen sind eher subtil, aber trotzdem tiefgreifend. Im Persönlichen bin ich mir viel bewusster, wie wichtig Beziehungen zu anderen Menschen sind. Ich habe weniger den Drang, über andere zu urteilen, und bin in der Hinsicht reifer geworden. Ich fühle mich einfallsreicher. Ich sage nicht, dass ich jetzt perfekt bin, aber es hat schon etwas bewirkt. Ich habe mehr Geduld. Du weißt, dass du sterben wirst und deine Persönlichkeit mit dir, aber irgendwo in dir gibt es etwas, das bestehen bleiben wird. Du denkst mehr über diese tiefgründigen Aspekte des Lebens nach, und über das, was danach kommt.

Noch mehr DMT-inspirierte Kunst | Bild: New 1lluminati | Flickr | CC BY 2.0

Das hört sich sehr positiv und bereichernd an. Ist diese Veränderung permanent oder verschwindet sie mit der Zeit?
Seit meinem letzten Experiment sind sieben Monate vergangen. Ich fühle mich immer noch verändert. Ich hatte eine DMT-Erfahrung, da war ich draußen und der Wind blies so stark, dass ich um Beherrschung ringen musste, damit nicht alles negativ wird. Dann tauchte in meinem Geist ein Bild auf, und ich sage jetzt nicht, was es war, aber danach hatte ich den Eindruck, dass das höchste Gut der Menschheit ist, auch im Kampf mit Widrigkeiten positiv zu bleiben. Ich erlebte die Situation sofort anders. Ich dachte: "Wind, du kannst wehen, so viel du willst. Willst du mich damit umbringen? Mach doch, am besten gleich zweimal."

Das hatte einen massiven Einfluss auf mich. Das war definitiv nicht meine fantastischste DMT-Erfahrung, aber sie hat mich sehr berührt. Ich glaube nicht, dass man DMT immer weiter nehmen muss, um die Veränderung aufrechtzuerhalten. Ich glaube, das kann ein Leben lang halten.

Du hast dich ja sehr systematisch damit beschäftigt. Oder zumindest extrem hartnäckig. Sollte man dieses Molekül wissenschaftlich weiter erforschen?
Die traditionelle, materialistische Wissenschaft kann dieses Forschungsfeld nicht ignorieren, wenn sie ihrem Zweck treu bleiben will. Denn das hier ist lebensverändernd, kulturverändernd, gesellschaftsverändernd. Die Forschung sollte diesen Wissensbereich revolutionieren.

Aber meinst du, diese Erfahrung lässt sich auch irgendwie wissenschaftlich erforschen?
Hier kommen wir wieder zum Thema esoterisches und okkultes Wissen. Eine Definition des Okkulten ist "Wissen vom Unmessbaren". Ich würde wahnsinnig gern ein Foto von den Dingen mitbringen, die ich gesehen habe, oder eine kleine Portion in einem Einmachglas.

Während deiner Zeit der Experimente hast du weder Alkohol getrunken noch masturbiert. Warum nicht?
Ich hatte von Anfang an das Gefühl, es mit spirituellen Phänomenen zu tun zu haben. Ich wollte nicht mit etwas Spirituellem interagieren, während ich halb verkatert bin. Das erscheint mir respektlos. Dasselbe mit der Masturbation – es fühlte sich einfach an, als sollte ich das nicht machen, während ich diesen Fragen nachgehe. Und ich lasse beides weiterhin sein.

Nicht schlecht. Denkst du, dass du noch mal DMT rauchen wirst, oder reicht es dir jetzt?
Gute Frage. Ich habe das jetzt drei Jahre lang sehr zielgerichtet gemacht und drei Bücher darüber geschrieben, von denen eins veröffentlicht wurde. Man könnte also jetzt sagen, dass es reicht. Aber ich weiß es einfach nicht. OK, ich glaube, tief im Inneren gibt es einen Teil von mir, der es weiß. Ich kann nur sagen: Seid vorsichtig, aber sagt niemals nie.

Danke, Dick.

Dick Khans Buch 'DMT & My Occult Mind: Investigation of Occult Realities using the Spirit Molecule' ist jetzt im Handel erhältlich.

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