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Rezension

Ich habe das "Daniela Katzenberger"-Magazin gelesen, damit ihr es nicht müsst

Der Klodeckel mit ihrem Gesicht drauf war bei Weitem nicht ihre merkwürdigste Kreation.

von Rebecca Baden
18 Oktober 2017, 12:22pm

Fotos: Hanko Ye

Egal, was ihr über Daniela Katzenberger denkt: Wenn es einen Preis für die meisten Fotos einer Person in einem Magazin gäbe, würde er demnächst auf ihrem pinken Schminktisch stehen. Mit rekordverdächtigen 96 Bildern seiner Namensgeberin liegt das Magazin Daniela seit Mittwoch zwischen den Petras, Brigittes und Barbaras der Zeitungsläden – und veranschaulicht in einem pinken Ton-in-Ton-Gemisch auf Papier, dass es tatsächlich noch eigenartigeres Katzenberger-Merch gibt als einen Klodeckel mit ihrem Gesicht drauf.

Man kann Daniela Katzenberger vieles vorwerfen: dass sie lange Zeit die wohl merkwürdigsten Augenbrauen Deutschlands hatte, eine etwas anstrengende Stimme besitzt oder sich zur Geburt ihrer Tochter Sophia im Reality-TV den Bauch aufschneiden ließ. In einer Sache ist "die Katze" aber seit ihrem ersten Goodbye Deutschland-Auftritt 2009 konsequent: der Vermarktung ihrer Person. Bisher konnten ihre Fans mit strassbesetzten Emblem-Klobürsten Scheiße abkratzen, beim Katzenberger-Partyspiel komasaufen und ihre Köpfe nach einem anstrengenden Tag in orangefarbenen Daniela-Katzenberger-Stöckelschuhen auf das Nackenkissen der gleichnamigen Badezimmer-Kollektion betten. Nun gibt es "die Katze" also auch als Magazin, mit einer Erstauflage von 100.000 Exemplaren. Um unserem Bildungsauftrag gerecht zu werden – und damit ihr es nicht müsst – haben wir uns eines davon gekauft.

"Ich nehm dich mit in meine pinkfarbene Katzenwelt"

Es ist alles andere als ein leeres Versprechen, das Katzenberger im Vorwort ihres Magazins erhebt: Sie nimmt uns mit in ihre Welt – und die ist ziemlich pink. Die "Katzen-Redaktion" hat die 31-Jährige zu Hause auf Mallorca besucht, beim Dreh begleitet und in der Maske fotografiert. Statt RTL 2 und Vox mit Werbeeinblendungen bekommen wir hier die Dokusoap in gedruckter Form. Die 84-seitige Homestory der Daniela Katzenberger beginnt mit einem Klassiker der Blogger-Szene: What's in my bag? Wir erfahren Aufregendes: Wenn Katzenberger ihren Louis-Vuitton-Shopper packt, nimmt sie ihr "Pfft-Pfft to go" (so nennt sie offenbar Deo) und ihren Schlüssel mit, an dem ein Foto ihres Mannes mit der Aufschrift "Heisse Nacht Cordalis" (so heißt ein Duett mit seinem Vater Costa aus dem Jahr 1999) hängt.

Wirkt die Katze mit ihrem immerhin authentisch wirkenden Dauergrinsen noch immer auf seltsame Art sympathisch und nahbar, kommt ihr Ehemann Lucas Cordalis im Magazin alles andere als "heiß" daher. In einer Exklusiv-Story über die Geschichte ihrer Liebe beschreibt Daniela, wie der heute 50-Jährige sie vor vier Jahren "rumgekriegt" hat: Nachdem sie ihm ihre Nummer nicht geben wollte, bombardierte er ihre Mutter Iris mit WhatsApp-Nachrichten und stand kurzerhand einfach vor der Haustür der Familie in Ludwigshafen. "Ich machte die Tür auf [und] hatte einen fetten Kuss mitten auf dem Mund", schreibt Katzenberger. Das anschließende Gespräch vor dem Gästeklo ihrer Mutter fasst sie als "romantisch" zusammen. Und lehrt uns: Cordalis mag zwar etwas aufdringlich und scheinbar auch kein Anhänger der "Consent Culture" sein, aber das ist in ihrer Welt offenbar kein Problem.

In ihrer neuen Rolle wird Katzenberger zur Undercover-Stripperin

In ihrem Magazin führt Daniela nun nicht mehr durch ihre Fotogalerie oder die fragwürdigen Pick-up-Strategien ihres Mannes, sondern zeigt ungeschminkte Promi-Frauen, die sie schön findet, stellt ein Kinderdorf in der Nähe ihrer Heimat Ludwigshafen vor und stellt Looks zusammen, mit denen die Leserinnen ihren Style imitieren können. "Wir [...] glauben an ihre Strahlkraft als Marke", zitiert der Verlag Bauer Media in der offiziellen Vorstellung des Magazins dessen Geschäftsführer. Zwischen die Selbstvermarktung und die Charity-Arbeit hat die Redaktion noch mehr Selbstvermarktung gepackt: Wir erfahren, dass es ab Anfang November einen Kriminalroman mit Daniela als Ermittlerin "Michaela 'Mieze' Moll" geben wird (in ihrem ersten Fall wird sie undercover als Stripperin in einer Tabledance-Bar eingesetzt) und man mehr Looks der Katze auf ihrer 2016 veröffentlichten App Love & Style entdecken kann. Im Grunde macht Katzenberger nur das, was die Kardashians zu Multimillionären gemacht hat – nur eben sehr deutsch.

Es folgt eine weitere Reihe typischer Frauenmagazin-Artikel mit Marken-Dropping und Katzenberger-Anstrich: was sie kocht, mit welchem Wecker sie morgens aus dem Bett kommt, welche Bücher sie (neben dem demnächst erscheinen Kriminalroman mit ihr) liest und was sie im Herbst mit ihrer Tochter Sophia bastelt ("Mädelsdinge" wie Mandalas). Weil die meisten Frauen in der Katzenberger-Welt anscheinend gerne Prinzessinnen sind, werden diese Klischees in allen möglichen Rubriken mindestens so ausgedehnt wie die Gesichtshaut von Schwiegervater Costa Cordalis: rosa Nagellacke, rosa Hochzeitstorten, rosa Sitzpuffs und ein Moodboard für ein Mädchenzimmer, das von der Farbwahl bis zum Kinderbett in Form einer Kutsche so ziemlich alle Geschlechterklischees vereint. In einem anschließenden Interview mit zwei Fans (eine davon trägt ein rosa Outfit) erzählt Daniela, dass sie sich für ihre Tochter wünscht, dass diese später einmal "beim Arzt oder beim Anwalt arbeitet".

Es ist keine große Überraschung, dass Daniela Katzenberger in ihrer Zeitschrift nicht nur farblich, sondern auch inhaltlich auf eindimensionale Bilder zurückgreift. Die wenigsten Frauenmagazine sind literarische Epen, und wenn Katzenberger ihre Leserinnen im Editorial mit "Hallo meine Liebe" grüßt, erinnert es eher an die vielen YouTuberinnen, die aus ihren Kinderzimmern Tipps für die beste Hautcreme oder das neueste Drogerie-Deo in die Welt hinaussäuseln als an berühmte Frauenrechtlerinnen wie Bell Hooks. Und im Grunde ist das Daniela Katzenberger-Magazin genau das – ein gedrucktes Vlog.

Dabei ist ihr eigenes Leben als Geschäftsfrau eher progressiv: Oft ist sie wegen der Arbeit im Ausland, das Smartphone wird teilweise zum wichtigsten Kommunikationsmittel für sie und ihre Tochter, schreibt Katzenberger auf der letzten Seite ihrer Zeitschrift. Am Ende vermarktet sie sich eben vor allem selbst – und womöglich macht es Daniela Katzenberger auch im gleichnamigen Magazin so, wie sie vor sechs Jahren ihr erstes Buch betitelt hat: Sei schlau, stell dich dumm.

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