Was deine Instagram-Ästhetik über dich aussagt

Bist du ein Filter-Monster, eine Künstlerseele, oder schwarz-weiß und schüchtern? In dieser Liste wirst du dich zwangsläufig wiederfinden.

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17 Juli 2018, 5:52am

Foto: Emily Bowler

Das perfekte Instagram-Profil zu kuratieren, ist ein Balanceakt. Wenn du nicht fit rüberkommst, musst du wenigstens cool wirken, oder als hättest du dein Leben im Griff. Du musst so tun, als hättest du andere Interessen, als in der Bar zu sitzen und durch Instagram zu scrollen. Ab und zu musst du feiern, und zwar auf eine Art, die nach "Ich habe viele Freunde mit verschiedenen Haarschnitten" aussieht, und nicht nach "Ich habe ein Drogenproblem und brauche eine Intervention per Privatnachricht". In deiner Fotoübersicht müssen die Farben zusammenpassen – niemand will durch Brei scrollen.

Natürlich gibt es auch noch normale Menschen, die selbstsicher sind und sich diesen Druck nicht antun. Dieser Artikel handelt nicht von euch. Macht ihr mal weiter eure Posts über Gassi mit dem Hund und #DateNight mit Schatzi. Der Rest von euch sollte weiterlesen.

Deine Instagram-Ästhetik passt ziemlich sicher in eine der folgenden Kategorien. Tagge dich selbst!

Jede Menge Pastellrosa, gefärbtes Achselhaar, Bilder von deinem digitalen Kunst-Zine auf Seide oder flauschigem Stoff

Du schreibst "Schönheitsideale sind langweilig" unter eine Nahaufnahme deines flachen Bauchs, weil da drei Haare unter deinem Nabel sprießen. "Zellulite ist sexy" schreibst du unter ein Spiegelselfie deines perfekten, runden Pos. "Komm zu meiner Show, wenn du heute im Wedding unterwegs bist" schreibst du, drunter ein Bild von dir und einem Typen von einem Indie-Label, in dem ihr beide große blaue Daunenjacken tragt. Deine Show ist ein großer weißer Raum, in dem überall Aktfotos von dir hängen, dazu läuft eine Aufnahme von dir, wie du WhatsApp-Chats vorliest.

Komplett monochrome Straßenfotografie mit weißen Rahmen, keine Fotos von dir außer das eine von vor zwei Jahren, in dem du eine winzige schwarze Mütze trägst

Du bist ein heterosexueller Weißer Typ namens Thomas, der zu Weihnachten von Oma eine Spiegelreflex geschenkt bekommen hat.

Du bist in fast jedem Post zu sehen – du lachst, du lebst, du liebst, im Urlaub, auf Musikfestivals, in Cafés ...

Du bist entweder eins der folgenden Dinge oder alles auf einmal: Modebloggerin, Influencer, Aktivistin, Model, DJ. Jedes Bild, in dem du über den Rand deiner Sonnenbrille lugst, hat zehn Filter durchlaufen, um so auszusehen. Die meisten Bildunterschriften sind mit Hashtags vollgestopft: "Wow, was für ein unvergessliches Konzert in der #MercedesBenzArena. Es gibt nichts Besseres als einen ordentlichen Koffein-Boost – danke @Alpro! – vor einem Konzert. Und zum Glück konnte ich ordentlich sehen, dank meiner neuen Cateye-Brille #BrilleFielman #Anzeige". Entweder das, oder du bringst subtile Anspielungen auf Queer Eye und Ru Paul's Drag Race unter.

Du fragst dich, ob eine Partnerschaft mit KFC problematisch ist, immerhin trägst du Größe 34 – andererseits haben sie dir 1.500 Euro geboten, also wird das schon passen! Du und dein Freund habt einmal im Monat geplanten Sex, irgendwie müsst ihr das eben unterbringen, zwischen DJ-Sets und Sponsor-Brunch in der City. Beim Brunchen entspannst du dich hauptsächlich mit Gedanken daran, dass du bald deine Anzahlung auf ein Haus zusammen hast. Yas queen, work it!

@hannahrose___

All das, nur ohne Hashtags

Möchtegern-Bloggerin bzw. durchschnittliche Frau.

Filterlose Spiegelselfies von dir in einem Rollkragenpulli mit zurückgegelten Haaren; obskure Fotos von random Gegenständen; eine Skulptur, die aussieht wie ein Haufen Schleim

Du hast Kunst studiert und mit Auszeichnung bestanden. Damals ging ein Gerücht um, du hättest Fentanyl probiert. Jemand anderes behauptete, du hättest früher unter dem Namen "trashy bb" im Berghain aufgelegt. Anscheinend bist du in einer nicht-monogamen Beziehung mit einer 37-jährigen Frau, die durchgehend "verreist" ist. Niemand hat dich je sprechen gehört – außer einer Person, die meinte, du hättest vielleicht einen österreichischen Dialekt. Oder vielleicht war es ein skandinavischer Akzent. Du bist unverschämt reich.

Absichtliche Anti-Ästhetik

Du hast noch nie einen Filter benutzt. Dein Feed besteht komplett aus post-post-post-ironischen Memes mit Zeichentrickfiguren der frühen 90er und Rechtschreibfehlern. Wer sich nicht auskennt, könnte meinen, eine Facebook-Mutti ohne Peilung sei auf Instagram durchgedreht. In einem Kurs über die Grundlagen des Shitposting würden sie deine Frontkamera-Selfies zeigen, deine unappetitliche Pasta und deinen Katalog an "hässlichen Dingen, die ich auf der Straße gesehen habe".

Du hast seit einem Jahr keinen Sex mehr und wirst sauer, wenn Frauen nicht mit dir in Fastfood-Läden wollen. Du bist älter, als du wirkst, arbeitest in der Werbebranche und hast immer noch Albträume von dem einen Mal, als du einen Vortrag gehalten hast und am Schluss niemand geklatscht hat. Du hast ein geheimes Twitter-Profil, von dem nur deine Kumpels wissen. Du hasst aus Prinzip alles, was Frauen gefällt.

Hässliche Kleidung, Vintage-Designer-Sonnenbrille, Prosecco auf Vernissagen, No-Filter-Ästhetik

Du bist ein Fashion Girl aus einer wohlhabenden Familie, den Koks-Konsum hast du gerade noch im Griff. Fremde verbringen ganze Minuten damit, deine Fotos anzustarren und sich zu wundern, wie du es schaffst, in hässlichen Kombos aus mittelteuren Designersachen gut auszusehen, bis ihnen aufgeht: Ach so, weil du sehr dünn bist. Aha! Du betreibst einen hohen Aufwand, um so "Is mir egal" auszusehen. Du rauchst rote Marlboros und hast dir eine alternative Biografie ausgedacht, in der du nicht auf eine elitäre Privatschule geschickt wurdest.

@hannahrose___

Alles alternativ

Dein Geschlecht ist nicht eindeutig zu erkennen. Ästhetik ist alles. Jeder Post wurde vorher bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet. Jedes Mal, wenn du dir ein neues Tattoo holst, postest du es bei Instagram. Du fotografierst deine Mahlzeiten, aber nur die veganen, und zeigst deine Knie neben einem Philosophiebuch im Park. Du fischst hemmungslos nach Komplimenten und versteckst Instagram-Storys vor deinen Vorgesetzten. Du schwankst zwischen Nüchternheit und massiver Party-Sucht. Du liebst vermutlich Pop-Punk und versuchst zwar, neue Musik zu hören, aber insgeheim hasst du sie immer. Du arbeitest wahrscheinlich irgendwo in Kreuzberg oder St. Pauli. Dein Verhältnis zu deinen Eltern ist schlecht, es geht dir ungefähr so beschissen wie allen Normalos auch.

Memelord

Du wohnst mit deinen Eltern in einem großen Haus in einer Stadt. Deine Mutter schimpft mit dir, weil du Familienpackungen von Snacks aufisst, die für die ganze Woche gedacht waren. Du findest Frauen mit Intimbehaarung eklig, aber deine überaus geduldige Freundin muss dich daran erinnern, dir die Ohren zu putzen.

Memelady

Du rauchst den ganzen Tag Gras, dein halbfertiges Soziologiestudium hast du für ein Jahr auf Eis gelegt. Aus Gründen. Du masturbierst mit sehr teuren Vibratoren und gibst das meiste Geld, das du freiberuflich verdienst, für teure Kleidung und Vaporizer aus.

Unfassbare Wangenknochen, Netz-Tanktops, Septum-Piercing, heiße Männer halten süße Hündchen, Stick-n-Poke-Tattoos von obskuren Kultfiguren

Du bist ein schwuler Mann.

Alle Fotos haben leicht verschiedene Filter: eine Hand hält ein Bierglas; Tinder-Porträts, die Freunde für dich geschossen haben; eine Crème brûlée; der Hund deiner Eltern; ein seltenes Foto von deiner Freundin in einem Restaurant, darunter steht "Diese Frau"

Süß. Du versuchst es wirklich. Ein bisschen fehlt dir der rote Faden. Dein Stream besteht nur aus Referenzen zu einer einzigen Comedy-Serie, Küstenlandschaften und Biergärten mit dem halben Freundeskreis. Du freust dich sehr, wenn du mal im Urlaub warst, weil du dann einen ganzen Stapel Fotos posten kannst, bevor du wieder einen Monat schweigst. Moderne Maskulinität ist nicht einfach.

Tage im Park, ein schönes selbstgekochtes Risotto mit dem schief grinsenden Emoji, verschwitztes Selfie nach dem Joggen

Du verfolgst mit diesem Instagram-Profil kein bestimmtes Ziel. Du fühlst dich wohl in deiner Haut. Du bist 35 und hast einen Hund. Deine Karriere läuft. Du lächelst in Bildern so breit, dass man deine Zähne sieht. Du hast noch nie ein Foto gepostet, nur damit jemand dich geil findet. Menschen wie dich gibt es tatsächlich noch.

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