Anzeige
Menstruation

Beine, Po, Rücken: Periodenkrämpfe beschränken sich nicht nur auf den Bauch

Viele Frauen leiden während der Menstruation nicht nur an den klassischen Unterleibsschmerzen, sondern klagen auch über Krämpfe in den Beinen, dem Rücken und sogar dem Hintern. Wir haben mit einer Expertin gesprochen.

von Sophie Saint Thomas
27 September 2016, 8:11am

Photo by Danil Nevsky via Stocksy

Wenn wir an Periodenkrämpfe denken, stellen sich viele von uns wahrscheinlich eine Frau vor, die sich mit ihrem Laptop, auf dem Grey's Anatomy läuft, und einer Packung Ben & Jerrys's auf dem Bett zusammengerollt hat und ihren Unterleib umklammert.

Tatsächlich variieren aber nicht nur unsere Serien- und Eiscremevorlieben: Es gibt Frauen, die nicht nur in der Bauch- und Beckengegend Krämpfe bekommen. Samantha beispielweise bekommt schon solange sie sich zurückerinnern kann Krämpfe in den Beinen.

„Meistens fühlt es sich so an, als wären meine Beine total verspannt. Ich versuche dann meistens sie zu massieren, damit es besser wird", erzählt sie Broadly. Auch Britt Bartlett hat Krämpfe, die von der Hüfte über die Vorderseite ihrer Beine ausstrahlen. „Ich kann es nur als tiefes Ziehen beschreiben", sagt sie. „Wenn es schlimmer wird, kann es vorkommen, dass ich mich vor Schmerzen krümme. Das Einzige, was hilft, ist Wärme. Meine Freundin muss dann meistens den kleinen Löffel machen, sodass ich mich um sie herum legen kann, um mich an ihr zu wärmen. Ich nenne das die Magie des Hinterns."

Mehr lesen: Warum man während seiner Periode oft Durchfall hat

Sarah Pasquarelli bekommt meist kurz vor Beginn ihrer Periode Krämpfe in den Beinen. Sie meint, dass sie noch nie zuvor gehört hat, dass es anderen auch so geht. Dr. Raegen McDonald-Mosley, leitende Ärztin der Planned Parenthood Federation of America, dagegen sagt, dass das durchaus üblich ist. Sie schätzt, dass 50 bis 90 Prozent aller Frauen unter schmerzhaften Periodenkrämpfen leiden. „Manche Frauen bekommen andersartige Krämpfe—im Rücken, im Gesäß oder in den Oberschenkeln", erklärt sie gegenüber Broadly. „Das hat etwas mit der Ausschüttung eines chemischen Stoffes namens Prostaglandin zu tun, was ein ganz normaler Bestandteil des menstruellen Zyklus ist. [Das Prostaglandin] wird von der Gebärmutterschleimhaut ausgeschüttet und passiert dann den weiblichen Körper."

Während die meisten scheinbar abnormalen Krämpfe in Wahrheit doch ziemlich normal sind, gibt es auch Fälle, in denen starke Schmerzen in ungewöhnlichen Körperregionen ein Zeichen für eine ernstzunehmende Erkrankung sein können. Für Endometriose beispielsweise—eine Erkrankung, unter der schätzungsweise zwei bis sechs Millionen Frauen in Deutschland leiden. Dabei bildet sich das Schleimhautgewebe, das die Gebärmutter auskleidet, auch außerhalb des Uterus und macht die Menstruation zum Teil so schmerzhaft, dass die betroffenen Frauen nicht in der Lage sind, zur Arbeit oder zur Schule zu gehen. „[Das Gewebe der Gebärmutterschleimhaut] kann sich auf den Eileitern oder den Eierstöcken ansiedeln. Es kann sogar im gesamten Unterleib streuen und sich in anderen Körperregionen ansiedeln—das kommt aber nur äußerst selten vor", sagt Dr. McDonald-Mosley.

Kaya hat schon immer unter einer außergewöhnlich heftigen Periode gelitten, bei der sich die unerträglichen Periodenkrämpfen um ihre Hüftgelenke herum und in ihre Eingeweide ausdehnten. „Vor eineinhalb Monaten wurde bei mir eine riesige Zyste operiert und dabei hat sich herausgestellt, dass ich unter Endometriose im 4. Stadium leide", erzählt sie Broadly.

Der Schmerz ist wirklich kaum auszuhalten und dabei ich bin jemand, der sich selbst die Beine wachst.

Vor ihrer Diagnose und der OP hat ihr ein Allgemeinarzt gesagt, dass Kaya vermutlich nur unter einem RDS leiden würde und man da nicht viel machen könne. Gail* leidet ebenfalls unter Periodenkrämpfen, die in ihren Hintern, ihre Hüfte und in den unteren Rücken ausstrahlen und sie regelmäßig dazu zwingen, von der Schule zu Hause zu bleiben. „Der Schmerz ist wirklich kaum auszuhalten und dabei ich bin jemand, der sich selbst die Beine wachst", sagt Gail. „Ich kriege auch Migräne, aber dafür bekommt man leichter Mitgefühl. [Anders als bei Periodenkrämpfen] können die Leute nachvollziehen, wie es ist, Kopfschmerzen zu haben oder zu erbrechen."

Ärzte müssen versuchen, einen Weg zu finden, um die Menstruation wieder zu normalisieren—genau wie die Symptome, die damit einhergehen—, die Schmerzen der Frauen aber auch ernst zu nehmen. „Es ist schwierig, weil es zum Leben einer Frau eben dazu gehört, seine Tage zu bekommen, aber das Ganze kann auch ziemlich an einem zehren", sagt Dr. McDonald-Mosley. „Das kann zur Folge haben, dass Frauen nicht mehr zur Schule oder zur Arbeit gehen. Deswegen ist es äußerst wichtig, das Ganze nicht übermäßig zu medikalisieren. Uns muss aber auch klar sein, dass manche Menschen tatsächlich behandelt werden müssen."

Wie aber kann man wissen, ob der Schmerz in unserer Arschbacke einfach nur irgendein eigenartiger Krampf ist oder ob es sich dabei doch um einen Krampf handelt, mit dem man zum Arzt gehen sollte? „Ich würde sagen, falls der Schmerz außerhalb des Beckens, außerhalb des Uterus und nur einseitig auftritt, dann könnte das ein Zeichen dafür sein, dass irgendetwas nicht stimmt. Man kann es aber natürlich trotzdem abklären lassen, um Hilfe zu bekommen. Generell gilt aber, dass Schmerzen im Unterleib und beidseitige Schmerzen in den Beinen, dem Gesäß und dem Rücken ganz normal und für viele Frauen ein gewöhnlicher Teil des monatlichen Zyklus sind", sagt Dr. McDonald-Mosley.

Mehr lesen: Opium, Cannabis, Zaubertränke—wie Frauen früher Regelschmerzen bekämpften

Trotzdem verlangen auch normale Krämpfe und Schmerzen oftmals nach irgendeiner Form der Behandlung. Gegen Krämpfe im Gesäß, den Beinen oder der Hüfte rät Dr. McDonald-Mosley zu ähnlichen Maßnahmen wie bei Unterleibsschmerzen. „Einige Studien haben gezeigt, dass Sport und insbesondere Übungen, die die Durchblutung des Beckenbereichs fördern, helfen können, die menstruellen Beschwerden und vor allem Schmerzen im Rücken und in den Beinen zu lindern—zum Beispiel Yoga. Es kann aber auch helfen, wenn man einen Orgasmus hat", sagt sie. Neben dem Einsatz von Heizkissen (oder in Bartletts Fall der heißen Freundin) empfiehlt Dr. McDonald-Mosley auch Akupunktur und Vitamin-E-Tabletten. Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille, das Hormonpflaster und der Ring können die Symptome der Menstruation ebenfalls lindern.

„Ich rauche auch Gras und esse dreimal so viel wie normal", erzählt Bartlett über ihre persönlichen Taktiken zur Schmerzlinderung. „Ich habe das Gefühl, dass Essen gegen meine Krämpfe hilft."


*Name wurde geändert.

Foto: Porsche Brosseau | Flickr | CC BY 2.0

Tagged:
Broadly
gesellschaft
Gesundheit
schmerzen
Periode
menstruationsbeschwerden
zyklus
Broadly Health