Neue Musik

070 Shake zeigt bei "Colors" allen, wo das Mikro (aka der Hammer) hängt

Nach "I Laugh When I'm With Friends, But I'm Sad When I'm Alone" sind wir uns auf's Neue sicher: 070 Shake gehört zu den spannendsten neuen Sternen im Rap-Game.
18.9.18

Vor dem violetten Hintergrund des Colors-Videos wirkt 070 Shake fast ein wenig deplaziert. Zu düster scheinen ihre Lyrics vor der poppigen Farbe des Studio-Sets, geht es doch in "I Laugh When I'm With Friends, But I'm Sad When I'm Alone" um junge Menschen, die zwischen dem emotionalen Chaos ihrer Jugendjahre und den zerstörerischen Umständen ihrer Lebensrealität stehen.

"Growin' up tryin' to figure out who you are / Sniffin' shit at 14, it becomes a little hard / When you're livin' in a scene where the healthy shit is far / But the drugs are no further than your room or your car / Don't be alarmed, it'll get brighter, it'll get better"

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Ihre Stimme, die sich irgendwo zwischen nervenaufreibendem Emo-Rap und leise gehauchtem Soul bewegt, bleibt wie von selbst im Kopf, während der schonungslos offene Text die Hörerinnen und Hörer an beiden Händen packt und zu sich zieht. Wie eine Freundin, die im einen Moment vom tiefsten Tief des Jahres erzählt und dir im anderen auf der Tanzfläche euphorisch entgegenlacht.

070 Shakes Performance ihrer neuen Single lässt uns einmal mehr staunend und gleichzeitig fragend zurück: Warum ist die 21 Jahre alte Rapperin aus North Bergen, New Jersey noch kein Teil des funkelnden Pop-Olymps, in dem sich Beyoncé, Frank Ocean und Rihanna gegenseitig Strophe um Strophe vorspielen? OK, mit uns geht hier gerade ein bisschen der hysterisch wiehernde Fan-Gaul durch. Für alle, die sich jetzt denken, "von wem zum Fuck ist hier seit drei Absätzen die Rede!?", bitte jetzt weiterlesen:

Ende 2016 ist 070 Shake bereits mit ihrem Song “Honey” auf die BIldfläche getreten. Sagen wir so, hätten wir den damals wahrgenommen, wären wir uns sicher gewesen, wo die Reise für sie hingehen muss. Ganz weit nach oben. Wer "Honey" immer noch nicht gehört hat, sollte das schleunigst nachholen. Nach spätestens einer halben Minute stellt man fest: Das ist ein gottverdammter Hit. Und dieses Gefühl trägt sich über die kompletten sieben Minuten. Oder über die gesamten sechs Songs ihrer Debüt EP Glitter, die im März 2018 erschienen ist.

Ähnlich ging es beim Hören ebendieser EP wahrscheinlich auch dem auserwählten Hirn von niemand anderem als Kanye West. Der lud 070 Shake dazu ein, auf seinem Album Ye mitzuarbeiten. Obwohl der gemeinsame Song "Ghost Town" erst am Tag der Albumveröffentlichung fertiggestellt wurde, sorgte 070 Shake zum ersten Mal bei einem riesigen Publikum für gespitzte Ohren.

Wenn es nach uns geht, sollten die Ohren ab sofort rund um den Globus sperrangelweit offen stehen. Wer Popmusik so einnehmend emotional und mitreißend auf die Bühne bringen kann, sollte hiermit nicht nur im kleinen Regal des Internet-Recordstores stattfinden. Aber es geht ja zum Glück nicht nach uns und 070 Shake ist zum Glück erst 21. Das wird schon.

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