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Wie der Streit zwischen Eminem & Machine Gun Kelly unser Hirn einschlafen lässt

Wahlloses Namedropping, Geschmacklosigkeiten ohne Sinn und Zweck und schamlose Promo für kommende Projekte – Der Beef zwischen MGK und Eminem macht einfach keinen Spaß.

von David Klein
17 September 2018, 1:10pm

Fotos: imago | UPI Photo / Screenshot von YouTube aus dem Video "Machine Gun Kelly "Rap Devil" (Eminem Diss) (WSHH Exclusive - Official Music Video)" von WORLDSTARHIPHOP

Er hat es also doch nicht sein lassen. Nachdem Eminem noch überlegt hatte, ob er überhaupt auf den Diss "Rap Devil" von Machine Gun Kelly antworten soll, ist am 14. September nun Slim Shadys Antwort erschienen. Und nach drei Tagen hat "Killshot" fast 60 Millionen Klicks auf YouTube gesammelt, die Lyrics wurden auf Genius innerhalb der ersten acht Stunden nach Veröffentlichung eine Million Mal angesehen. Damit kann Eminems Antwort auf den Disstrack Machine Gun Kellys eine größere Reaktion im Netz aufweisen als alles, was davor im Zuge der Veröffentlichung seines Albums Kamikaze erschienen war. Auf diesem war Eminem in "Not Alike" Machine Gun Kelly wegen dessen Kommentare über Eminems Tochter Hailie Mathers angegangen, woraufhin MGK seinen "Rap Devil"-Diss veröffentlichte.

Fasst man bis hierhin zusammen, hat man also einen Rapper aus Cleveland (MGK), der 2012 auf die grundsympathische Idee kam, zu Publicity-Zwecken auf Twitter ein 16 Jahre altes Mädchen als "hot as f***" zu bezeichnen. Dazu kommt deren Vater, der auf seinem neuen Album, ähnlich sympathisch Tyler, the Creator als "faggot" bezeichnet und mit 45 Jahren ein gewaltiges Problem mit aktuellen Entwicklungen im HipHop zu haben scheint. Dass so ein Album, auf dem eine Rap-Ikone der 2000er gegen Mumble Rap ätzt und einzelne Hits dieses Genres wie "Bad and Boujee" der Migos persifliert, auf einfachstem Wege für Aufmerksamkeit sorgt, hat sich also als richtig herausgestellt. Stumpf ist eben Trumpf.

Während Tyler, the Creator, Drake, Lil Yachty oder Lil Pump allesamt nicht auf die gefühlt wahllos gestreuten Vorwürfe Eminems reagierten, war es Machine Gun Kelly, der mit seinem Disstrack "Rap Devil" als einziger seine Erwähnung auf Kamikaze beantwortete. Warum eigentlich? Weil MGK einfach nicht damit hinter dem Berg halten konnte, dass Slim Shady mit der Wahl seiner Gesichtsbehaarung gehörig daneben liegt, leider schon 1972 geboren ist, nur um dann doch anzuerkennen, dass er der beste ist, der jemals vor einem Mikrofon stand?:

"Ayy, jemand soll ihm eine Schere geben, sein scheiß Bart ist komisch / Lass das Beefen mal 50 Cents Sache sein, Em, du gehst auf die 50 zu / Ja, ich geb's zu, du bist der GOAT, aber ich bin der Gewehrschütze, bitch, ich hab’ dich im Visier"

Oder ist das vielleicht auch ziemlich geil, einen Song zu veröffentlichen, für den man im Video auf einem LKW-Parkplatz rumspringt, fast 90 Millionen Klicks auf YouTube einheimst und dann mit ordentlich Publicity im Rücken seine neue EP "Binge" anzukündigen kann? Joa, sieht auf jeden Fall nach Spaß und einem ausverkauften Konzert aus:

Was Eminem nun in "Killshot" darauf antwortet, setzt fort, was er auf seinem Album begonnen hatte: Zählste mal paar Namen auf, kommt schon was bei rum. Wie auf Tracks wie "Fall" oder "The Ringer", auf denen Eminem Namen um Namen nennt und sich zumeist nur einzeilig an Rappern wie Drake und Lil Yachty abarbeitet, stellen sich auch nach “Killshot” mehr Fragen als zuvor: Warum werden Taylor Swift oder Iggy Azalea in diesem Diss erwähnt oder weshalb bekommt man aus dem Nichts zu hören, dass P. Diddy etwas mit dem Tod Tupacs zu schaffen hätte? Keinen Plan, es sorgt aber für Gesprächsstoff auf Twitter und damit für Publicity:

Auch wenn es nett sein mag, Eminem nicht auf einer seelenlosen Popkollabo mit Ed Sheeran zu sehen, verblassen die natürlich auch in "Killshot" krassen Skills des Meisters aus Detroit neben dem ganzen Promowirbel um die Fehde zwischen ihm und dem selbsternannten "Rap Devil" aus Cleveland. Eminem hat anscheinend kapiert, dass Revival 2017 dann selbst den eingefleischten Fans ein ganzes Stück zu gesichtslos war. Nun versucht er, gegen alles und jeden anzugehen, was in seinen Augen nach US-Mainstream-HipHop aussieht. Dass es ihm dabei aber eher um seine eigene Präsenz auf dieser riesigen Bühne, als um seine Aussagen geht, zeigen Peinlichkeiten wie die Tyler, The Creator-Line "I see why you called yourself a faggot, bitch". Das macht es dann für Leute wie Machine Gun Kelly möglich, aus dem Schatten der Scheinwerfer zu treten, die normalerweise auf Leute wie beispielsweise Drake gerichtet sind. Da der keine Notwendigkeit sieht, auf Eminems Lines zu reagieren, bietet sich für einen Rapper wie MGK das glänzende Spotlight, in dem die Ankündigung der neuen EP weiter strahlt als es seine eigenen Songs zuvor geschafft haben. Ganz schön ödes Gehabe um noch ödere Verkaufszahlen.

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