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Was die Party-Polizei den ganzen Tag im Internet macht

Ein Beamter hat uns erklärt, warum man jetzt Facebook-Events durchsucht und lustig über Drogen twittert.
2.6.16
„So geht lustig!" Ein deutscher und ein niederländischer Polizist beim Surfen. Foto: imago/Jochen Tack

Die Polizei hat ein Image-Problem. Immer wieder gibt es negative Berichte. Über Verbindungen zu Neo-Nazis. Über prügelnde Beamte. Über Kokser in den eigenen Reihen. Kein Wunder also, dass die Polizei nun neue Strategien entwickelt. Man will freundlich und locker wirken. Und dabei auch technisch mit der Zeit gehen. Deshalb wurden jetzt die sozialen Medien zum Einsatzgebiet erklärt.

Am vergangenen Wochenende führte so die Berliner Polizei zum bereits dritten Mal die Aktion #24hPolizei durch, bei der man alle Einsätze auf Twitter mitteilte. Es ging dabei um tote Waschbären, Messerangriffe und eingesperrte „Junkies". Eine weitere praktische Konsequenz der neuen Ausrichtung der Behörde konnte bereits bewundert werden, als die Berliner in das Facebook-Event eines Open-Airs posteten. Locker und lustig schrieb man: „Liebe Party-Freunde, wir finden es toll, dass Sie eine Party im Freien organisieren. Zur professionellen Vorbereitung gehört aber auch, dass die Party im Freien genehmigt werden muss. Wir gehen davon aus, dass der Veranstalter dies beim Naturschutz- und Grünflächenamt erledigt hat, denn andernfalls werden wir die Veranstaltung leider auflösen müssen."

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Vielleicht feiern die Beamten bald dann auch noch selbst mit, vorausgesetzt alle Genehmigungen liegen vor. Das wäre eine wahrlich amtliche Party. Aber die wichtigere Frage ist: Warum macht die Polizei das? Was verspricht sie sich davon? Wir haben einfach mal direkt nachgefragt. Michael Gassen, Pressesprecher der Berliner Polizei, hat uns geantwortet. Tatsächlich hat die Polizei-Berlin sogar extra Kräfte abgestellt, um auf Facebook nach möglicherweiße illegalen Partys zu suchen.

Herr Gassen, vor Kurzem postete die Polizei in eine Open-Air-Veranstaltung, die für Juni im Berlin-Prenzlauer Berg geplant war. Man schrieb, dass man das ganze Event „leider auflösen müssen" würde, sollte es keine entsprechenden Genehmigungen geben. Was versprechen Sie sich davon? Warum wird öffentlich und vorab ein mögliches Eingreifen angekündigt?
Es gibt immer wieder einmal den Aufruf zu einer Veranstaltung, die nicht vorher angemeldet worden ist. In einem Fall wurde eine derartige Veranstaltung auch von einem Radiosender beworben. Wir sehen es dann als unsere Pflicht an, die User darüber zu informieren, dass diese Veranstaltungen nicht rechtens sind.

Besteht die Aufgabe der Polizei nicht darin, erst bei einer Ordnungs- oder Rechtswidrigkeit einzugreifen—und nicht vorher?
Nein, in diesem Falle handelt es sich um eine gefahrenabwehrende Maßnahme. Die Wahrscheinlichkeit war bei diesem Aufruf doch sehr hoch, dass sich Leute treffen und somit Ordnungswidrigkeiten begehen würden. Daher haben wir bereits mit Bekanntwerden des Aufrufs im Internet reagiert und die User informiert.

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Also wollen Sie die Leute nur schützen?
Ganz genau, das wollen wir.

Wie finden Sie eigentlich diese Veranstaltungen bei Facebook? Haben Sie dafür eigene Kräfte, die die sozialen Netzwerke durchsuchen?
Ja, wir beobachten das Internet und sind im sozialen Netzwerk aktiv.

Am vergangenen Wochenende haben Sie wieder Ihre Twitter-Aktion #24hPolizei durchgeführt. Dabei versuchten die Berliner Beamten, alle Polizeieinsätze innerhalb eines ganzen Tages zu twittern. Mitunter auf betont humorvolle Weise. Auch hier die Frage: Warum das Ganze?
Wir wollen damit zeigen, mit was für verschiedenen Aufgabe Polizisten konfrontiert sind.

Und ein erwähnter Tankstellenbesuch, um das Dienstauto zu tanken, gehört auch zu den wichtigen Aufgaben?
Sicherlich, die Dienstautos müssen auch mal getankt werden.

Am Ende folgt ein rühriger Tweet über einen toten Waschbären in Marzahn auf einen familieninternen Messerangriff in Mitte. Das wirkt dann sehr beliebig.
Die Einsatzaufträge unserer Kollegen wurden unmittelbar nach Bekanntwerden getwittert. Hier wurde deutlich, wie unterschiedlich die Gründe sind, die Polizei anzufordern. Somit wurde der Polizeialltag doch sehr authentisch geschildert.

Ein anderer Tweet lautete: „Sieben bis acht Junkies in Toilette eingeschlossen. Smoke over #Mariendorf". Das wirkt, als ob Sie sich über die hier als „Junkies" bezeichneten Menschen lustig machen wollen.
Den Tweet hab ich sogar selbst verfasst. Ich empfinde das, ehrlich gesagt, nicht als ein Sich-lustig-Machen gegenüber Junkies. „Smoke over #Mariendorf" sollte eine Anspielung auf einen bekannten Rock-Song sein. Wir wollten das Ganze lockerer aber auch authentisch aufbereiten.

Also wird die Berliner Polizei jetzt in Zukunft immer lustiger und freundlicher?
Wir passen uns der Zeit an, dazu gehört auch der angemessene Umgang mit den sozialen Medien. Sicherlich gibt es immer wieder vereinzelt Berichte über unfreundliche Beamte, aber wir bemühen uns das zu ändern.

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Wenn du wirklich mal lustige und interessante Tweets lesen willst, dann folge THUMP auf Twitter.