Fast Food

Fast Food ist in Wahrheit kein Armeleuteessen

Dieses Klischee wurde genau untersucht.
9.5.17

Eine der wichtigsten Taktiken, die bei Trumps Präsidentschaftswahlkampf zum Einsatz gekommen ist, war Fast Food. Er hat es als eine Art Requisite benutzt, um zu zeigen, dass er keinesfalls ein elitärer Siebzigjähriger ist, der die Häuser älterer Damen platt walzen lassen will, um dort Limousinen-Parkplätze zu errichten, sondern ein missverstandener Mann des Volkes ist. Im Grunde ist er doch nur ein ganz durchschnittlicher Typ wie du und ich, der auch ab und an mal gerne bei McDonald's oder KFC vorbeischaut – und danach in seinem Privatjet eine kleine Runde dreht.
Ob sich nun jemand von seiner Show hat überzeugen lassen oder auch nicht – die Taktik zeigt ganz deutlich, dass eine gewisse Vorstellung immer noch ziemlich weit verbreitet ist: Nämlich dass Fast Food mehr oder weniger das Essen der Armen ist.

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Tatsache ist aber, dass das nicht annähernd der Wahrheit entspricht. In einer kürzlich veröffentlichten Studie aus den USA, die in der Novemberausgabe der Zeitschrift Economics and Human Biology erscheinen soll, haben Forscher die Essensgewohnheiten von 8.000 willkürlich ausgewählten Amerikanern unter die Lupe genommen und herausgefunden, dass es so gut wie keinen Zusammenhang zwischen dem Einkommen der Amerikaner und ihrem Fast-Food-Konsum gibt. Die Autoren der Studie haben feststellen können, dass Amerikaner aus den mittleren Einkommensschichten am öftesten regelmäßig Fast Food konsumieren, die Unterschiede zwischen den einzelnen sozioökonomischen Gruppen aber verschwindend gering sind.


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Nachdem die Teilnehmer der Umfrage die Frage beantwortet haben, wie oft sie in der vergangenen Woche Fast Food aus Fast-Food-Ketten wie McDonald's, Kentucky Fried Chicken, Pizza Hut oder Taco Bell gegessen haben und die Antworten mit ihrem Wohlstand und Einkommen verglichen wurden, hat sich herausgestellt, dass selbst die am besten verdienenden Leute nur etwas seltener Fast Food essen, als die anderen.

Knapp 80 Prozent der Befragten der ärmsten 10 Prozent essen mindestens einmal die Woche Fast Food, bei den Leuten aus der mittleren Einkommensschicht sind es 85 Prozent und bei den Reichsten 10 Prozent auch immerhin 75 Prozent.

Jay Zagorsky, Wissenschaftler am Ohio State University Center for Human Resource Research und Co-Autor der Studie, sagt: "Es sind nicht überwiegend arme Leute, die in den USA Fast Food essen. Die Wohlhabenden haben vielleicht mehr Alternativen, sich für gesundes Essen zu entscheiden, aber das hält sie nicht davon ab, in Schnellrestaurants wie McDonald's oder KFC zu gehen."
Diese Studie ist außerdem keinesfalls die erste, die den Mythos widerlegt hat, dass nur arme Leute Fast Food essen. Auch eine Studie der CDC (Centers for Disease Control and Prevention), die im September 2015 veröffentlicht wurde und sich mit der Ernährung von Kindern beschäftigt hat, hat ergeben, dass es keinerlei Zusammenhang zwischen Armutsniveau und Konsum von Fast Food gibt. Eine Umfrage von Gallup aus dem Jahr 2013 hat sogar gezeigt, dass Erwachsene, die mehr als 75.000 US-Dollar pro Jahr verdienen, häufiger Fast Food essen als die weniger Verdienenden, und dass die Erwachsenen, die weniger als 25.000 US-Dollar pro Jahr verdienen, am seltensten zu Burger und Pommes von McDonald's und Co. greifen.

Es stellt sich also heraus, dass ganz Amerika verrückt nach günstigen Chicken Nuggets und Bohnen-Burritos ist. Wer hätte das gedacht?