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Terrorismus

Wie Boko Haram Hunger verursacht

Boko Haram hat Teile von Afrika so lange terrorisiert, dass dort die Lebensmittelversorgung zusammenbricht.

von Matthew Zuras
07 März 2016, 3:00pm

A loaded truck wait to carry people fleeing from Boko Haram Islamists at Mairi village outskirts of Maiduguri capital of northeast Borno State, on February 6, 2016. Photo by STRINGER/AFP/Getty Images.

Schon seit 2009 überfällt und plündert die Extremistengruppe Boko Haram Dörfer in Nigeria, Kamerun und anderen Nachbarländern. Die bisher wohl größte Aufmerksamkeit erlangte die Terrorgruppe vor zwei Jahren durch die Entführung von 276 Schulmädchen aus Nigeria. Daraufhin entstand auch die Kampagne #BringBackOurGirls, die unablässig die Freilassung der entführten Mädchen fordert—von diesen bleibt aber der Großteil weiterhin verschwunden.

Boko Harams Angriffe haben einen unglaublich großen Schaden verursacht und dieser holt die Mitglieder jetzt ein. Die Gruppe terrorisiert die Region schon so lange, dass selbst Boko Haram mittlerweile unter einer Nahrungsmittelkrise leidet—einer Krise, die sie eigenhändig verursacht hat.

Wie die New York Times berichtet, sind die Überfälle durch Boko Haram so tödlich wie eh und je. Die Kämpfer erschießen von ihren gestohlenen Trucks aus jeden, der ihnen auf dem Weg zum nächsten Dorf in die Quere kommt. Doch nun überfällt Boko Haram die Dörfer immer öfter, um vorrangig die Essensvorräte zu plündern statt Geiseln zu nehmen.

„Sie brauchen Lebensmittel. Sie müssen essen", so Midjiyawa Bakari, Gouverneur der kamerunischen Region Hoher Norden. „Sie stehlen alles."

Schätzungen zufolge hat Boko Haram in Kamerun mehr als 4.000 Rinder gestohlen. Laut der Times gab es sogar einen Vorfall, bei dem die Kämpfer von Boko Haram zuerst 150 Ziegen und andere Kleintiere aus einer kamerunischen Stadt gestohlen haben und geflohen sind, dann aber zurück kamen, um sechs Leute zu entführen, die ihnen dabei helfen sollten, die Tiere nach Nigeria zu treiben.

Jetzt droht tausenden Menschen im Nordosten Nigerias und in Kamerun eine Hungersnot. Die Märkte wurden aufgrund fehlender Nahrungsmittel geschlossen. Als sie noch funktionierten, wurden viele der Kunden durch die häufigen Selbstmordanschläge von Boko Haram jedoch vom Einkaufen auf dem Markt abgeschreckt.

Die Times berichtet, dass die Kämpfer mitten in der Trockenzeit im bereits abgeernteten Sambisa-Wald nach Nahrung suchen mussten und jedes Dorf in der Nähe überfielen, das Nahrungsmittel haben könnte. Auf der Suche nach Nahrung scheint Boko Haram tiefer nach Kamerun vorgedrungen zu sein, so das US-Außenministerium.

Am Mittwoch sollen im Nordosten Nigerias 76 „abgemagert aussehende" Boko Haram Mitglieder um Essen gebettelt und sich schließlich ergeben haben, teilte die Associated Press mit.

Nigerias Informationsminister, Lai Mohammed, sagte Vanguard Nigeria, dass der Anstieg der Selbstmordanschläge und Angriffe auf weiche Ziele ein Zeichen dafür sei, dass Boko Haram langsam schwächer werde und verzweifelt sei.

Nigeria ist auch das Land, das am stärksten unter Boko Haram gelitten hat. Mehr als 2,5 Millionen Menschen mussten aus ihrem Zuhause flüchten und laut dem Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) ist für insgesamt 4,6 Millionen Nigerianer die Ernährungssicherheit nicht gewährleistet.

Der seit mehr als sechs Jahren andauernde Konflikt hat in der gesamten Region mehr als 20.000 Tote gefordert. Ende letzten Jahres wurde Boko Haram mit 6.664 Todesopfern im Jahr 2014 als die weltweit tödlichste Terrorgruppe sogar vor dem IS genannt, auf dessen Konto 6.073 Tote gingen

Eine multinationale Streitmacht aus kamerunischen und nigerianischen Soldaten, unterstützt von Zusatzkräften aus dem Tschad und Niger, hat vor kurzem erfolgreich Einsätze gegen Boko Haram geführt, doch die Gebiete zu halten erweist sich als schwierig. Das amerikanische Militär, das eine eher beratende Rolle eingenommen hat, hilft den Koalitionstruppen dabei, das Hoheitsgebiet Boko Harams zu verkleinern und ihre Versorgungslinien abzuschneiden.

Noch ist aber keine Lösung in Sicht und so lange Boko Haram unter der Nahrungsmittelknappheit leidet, werden auch und vor allem die Zivilisten darunter leiden.