Alkohol

Die grauenhaften Erlebnisse eines Barkeepers in einer Après-Ski-Hütte

Alkohol, viel nackte Haut und eine Runde auf dem Snowboard vor der Arbeit klingen eigentlich nach einem Traumjob. Wenn man allerdings Kacke von den Wänden des Frauenklos schrubben muss, sieht das wieder anders aus. Es ist Himmel und Hölle zugleich.

von Anonym
04 April 2016, 3:30pm

Willkommen zurück zu den Restaurant Confessionals, wo wir den Leuten aus der Gastronomie eine Stimme geben, die ansonsten viel zu selten zu Wort kommen. Hier erfährst du, was sich hinter den Kulissen in deinen Lieblingsrestaurants so alles abspielt. Heute berichtet uns ein 22-jähriger Barkeeper, was er während der Hochsaison in Frankreichs berühmtester Après-Ski-Bar, La Grotte du Yeti, erlebt hat.

Immer wieder meinen meine Freunde zu mir: "Dein Job muss doch echt geil sein!" In ihren Köpfen ist diese Saisonarbeit einfach ein Traum. Klar, wenn man vor der Arbeit noch eine Runde auf dem Snowboard drehen kann, ist das einfach großartig und ich verdiene auch nicht schlecht. Aber dafür arbeite ich sechs Tage die Woche, zehn Stunden am Tag in einer Bar, die nach Bier, Kotze und Achselschweiß riecht. Der Job als Barkeeper in einem Ski-Resort ist etwas anderes als zu Hause. Wir haben nicht einmal Zeit, überschüssigen Schaum vom Glas abzumachen, so viel ist hier einfach zu tun. Es geht einfach nur darum, so schnell wie möglich so viel wie möglich zu verkaufen, damit die Hemmschwelle schneller sinkt. Wenn man mal all die Sexabenteuer und Eskapaden auflistet, die sich vor und hinter der Bar bei uns abspielen, geht es hier heftiger zu als bei Jersey Shore.

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Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Lissa Van Eesbeeck. La Grotte Du Yeti ist eine Kette. Die Fotos in diesem Artikel wurden an anderen Locations aufgenommen, um die Anonymität zu wahren

Ich arbeite fast jeden Tag zuerst ab 16 Uhr in der Après-Ski-Schicht, dann habe ich vor der Nachtschicht noch eine kurze Pause. Um drei Uhr morgens sind wir fertig und je nachdem, wie betrunken wir sind und wie lustig alle drauf sind, gehen wir noch in einen Club oder feiern bei einem Kollegen zu Hause. Mittags bin ich dann wieder auf dem Snowboard und dann geht's wieder mit der Après-Ski-Schicht los. Wenn ich mal nicht ab um vier arbeiten muss, mache ich selber Après-Ski. Dieses Jahr ist unser Management da aber etwas strenger, weil viele Angestellten zu viel trinken, dann schlafen und nicht rechtzeitig zur Nachtschicht aufwachen. Jeder, der betrunken auf Arbeit auftaucht, wird nach Hause geschickt. Bis jetzt ist mir das diese Saison zwei Mal passiert und ich habe mich richtig über mich selbst geärgert. Aus "Eat. Sleep. Work. Repeat." wird hier "Eat. Snowboard. Work. Party. Sleep. Repeat." Daran muss man sich gewöhnen, wenn man hier arbeiten will.

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Ich versuche manchmal auch abstinent zu bleiben, aber das ist schwer durchzuhalten. Sowohl die Einheimischen als auch die Touristen wollen immer ein paar Shots mit uns trinken und wenn sie zahlen, dürfen wir nicht Nein sagen. Manchmal tue ich einfach nur so, als würde ich trinken, aber meistens bin ich am Ende sturzbetrunken. Zum Glück ist die frische Bergluft das beste Katerheilmittel.

Als einmal für eine Woche ein paar Studenten aus Amsterdam kamen, sind meine Kollegen völlig durchgedreht. Es gibt dieses Klischee, dass Verbindungsmitglieder eine Menge vertragen – aber das ist auch nur ein Gerücht. Wir mussten mehr Kotze aufwischen als sonst. An ihrem letzten Abend haben wir ein paar Jungs aus Groningen gesagt, dass sie gehen müssten, wenn sie noch einmal kotzen würden. Da hatten wir das Klo schon vier Mal geputzt.

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In solchen Urlaubsorten ist Alkohol meist teurer. Deshalb versuchen die Leute alles, um an Freibier zu kommen. Oft nehmen sie einfach das Glas eines anderen von der Bar mit. Was mich aber richtig aufregt, sind die Leute, die sich einfach selbst bedienen, während ich gerade mit dem Rücken zur Theke stehe und Jägermeister-Red-Bull mache.

Die gehen dieses Jahr richtig weg, weil einer der Barkeeper herausgefunden hat, wie er nur mit seinem Penis den Shot in das Glas mit Red Bull befördern kann. Er stellt zehn Shots in einer Reihe auf und stößt einen um, sodass durch den Dominoeffekt alle anderen auch umfallen. Wenn er das einmal gemacht hat, wollen alle anderen Kerle das auch machen und zeigen, wie männlich sie sind. Im Endeffekt bekomme ich also ziemlich viele kleine Schwänze zu sehen.


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Brennende Shots gibt's bei uns auch, die sind ziemlich beliebt, weil es wohl cool ist, wenn man die Dämpfe einatmet. Und meist gibt es ein paar betrunkene Frauen, die auf die Theke steigen und versuchen, die Barleute mit Bauchnabel-Shots anzubaggern.

Es gibt eine ungeschriebene Regel beim Sex mit Touristen: Man schläft nur mittwochs mit ihnen – der Abend vor ihrer Abreise. Ansonsten musst du diesen "Urlaubsflirt" eine ganze Woche lang ertragen. Am Anfang der Saison geht es noch wild zur Sache, aber mittlerweile haben die meisten irgendjemanden gefunden, der auch hier lebt oder arbeitet.

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Auch wenn wir sehr liberal sind, gibt es auch bei uns eine "Wall of Shame", auf der die Sex-Eroberungen von jedem an der Bar aufgelistet sind – die Kunden haben natürlich keinen Zutritt. Da stehen alle unsere Namen drauf, dahinter dann eine senkrechte Linie, wenn einer jemanden flachgelegt hat, ein Stern für ein besonderes Sexabenteuer – unser DJ hat einmal einen Blowjob bekommen, während er hinterm Pult stand – und ein großes F, wenn die Eroberung fett war.

Die Barkeeper und Kellner haben früher direkt über der Bar gewohnt, weil die Hälfte der Zimmer eh die ganze Zeit leer stand. Damals konnte man einfach einen Kunden abschleppen, heute passiert das vielleicht noch ein- oder zweimal pro Woche, meistens nach der Arbeit, manchmal aber auch gleich hinter der Bar. Wir müssen den Manager um Erlaubnis bitten, aber er sieht das locker – und so lange das so ist, ist alles gut.

Ein Ski-Resort ist ein bisschen wie eine Kleinstadt: Du kennst jeden und wenn du unterwegs bist, weiß jeder, was du gemacht hast. Mit dem ganzen Klatsch und Tratsch muss man klarkommen.

Trotz allem denke ich immer noch, dass diese Saisonarbeit hinterm Tresen dir ein paar wertvolle Erfahrungen fürs Leben mitgibt und deinen Horizont erweitert. Ich habe viele abartige Dinge gesehen – letzte Woche zum Beispiel musste ich Kacke von der Wand im Frauenklo schrubben –, aber bei diesem Job darf man das Leben nicht so ernst nehmen. Wenn ich meinen Winter damit verbringe, Shots und Bier zu servieren, den versifften Boden zu schrubben und im weißen Pulverschnee zu snowboarden, weiß ich wenigstens, dass ich noch nicht erwachsen werden muss.

Aufgezeichnet von Stefanie Staelens.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf MUNCHIES NL.