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Die Ostkurve: Herz des Olympiastadions ist ein Mal im Jahr in fremder Hand

Die Hertha-Fans machten die Ostkurve zum Herzen des Olympiastadions. Ein Mal im Jahr stehen dort Bayern-, Schalke- oder BVB-Fans. Doch wer vertrat die Kurve würdig?
21.5.16
Foto: Imago

Das Berliner Olympiastadion hat ein Image-Problem. Vielen Stadiongängern ist es weder als Hexenkessel noch für seine besondere Persönlichkeit bekannt. Trotz Champions-League- und WM-Finale oder der 100-Meter-Weltrekordzeit von Usain Bolt, fehlt dem Stadion irgendwie die Magie.

Ende März beschwerte sich noch die halbe deutsche Medienlandschaft über die „Schlapp-Stimmung"—Zitat Bild Zeitung—beim ausverkauften Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und England. Wenn es nach Hertha-Manager Michael Preetz geht, soll sein Verein gar in eine neue Heimspielstätte ohne Laufbahn und mit weniger Kapazität ziehen. Obwohl Hertha in dieser Bundesligasaison lange auf Champions-League-Kurs war, kamen im Schnitt „nur" 49.704 Fans in das über 74.000 Zuschauer fassende Stadion. Hertha-Profi Alexander Baumjohann machte sogar das Desinteresse der Berliner Bevölkerung für fehlende Zuschauer und Stimmung verantwortlich. Dabei gibt es einen Hort der Liebe im weiten Rund.

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Das Herz des Olympiastadions ist die Ostkurve. Während Ober- und Unterrang in der Nähe des Marathontors immer spärlich besetzt sind, haucht die Heimat der Hertha-Fans auf der gegenüberliegenden Seite gegenüber wenigstens ein bisschen Leben in den weitläufigen Betonklotz. Trotz Laufbahn und Windböen ist die Ostkurve immer zu hören. Diese Beziehung wird aber mindestens ein Mal im Jahr unterbrochen, wenn die Hertha-Fans ihre Kurve einer fremden Fanszene überlassen müssen.

Da Hertha seit 1993—und damals war es die Amateur-Mannschaft der Berliner—nicht mehr ins DFB-Pokal-Finale einziehen konnte, stehen jedes Jahr andere Ultras, Kutten und Normalo-Fans in der Ostkurve. Das ist einzigartig in Deutschlands Profifußball. Lediglich 1860 und Bayern München teilen sich ein Stadion, doch die aktiven Fangruppen haben Nord- und Südkurve ganz klar verteilt. In Berlin machen sich jedoch zum DFB-Pokal-Finale fremde Anhänger in der Ostkurve breit. Ob vor fünf Jahren die Fans des FC Schalke 04, im letzten Jahr die Anhänger des VfL Wolfsburg oder in diesem Jahr erneut die Bayern-Fans. Sogar die Fans des FC Barcelona durften im letzten Jahr im Champions-League-Finale gegen Juventus Turin die Ostkurve ihr „Zuhause" nennen.

Aber wie sehen das die Hertha-Fans überhaupt, wenn da fremde Anhänger in ihrer Kurve stehen? „Das ist unterschiedlich", erzählt Herthas Fanbeauftragter Andreas Blaszyk auf Nachfrage von VICE Sports. „Die einen sehen das sehr gelassen, weil es ja auch nur für ein Spiel ist", führt er fort. „Für manche Fans ist das aber etwas schwerer. Wenn in dein Wohnzimmer jemand anderes kommt und alles umstellt, findest du das ja auch nicht schön." Viele Fanszenen können den Besuch im Olympiastadion jedoch nicht nutzen, um der Stimmung der Herthaner Fans in der Ostkurve irgendwie das Wasser zu reichen.

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Aber welche Fanszene hat sich denn ganz gut geschlagen und besonders performt? „Ich bin da der falsche Ansprechpartner, mein letzter Besuch zum DFB-Pokalfinale war 1993", erzählt Blaszyk. Wir haben trotzdem mal geschaut, wer das Wohnzimmer der Hertha-Fans in den letzten Jahren würdig vertreten hat und nach den Auftritten der letzten Ostkurven-Touris gesucht:

Fans des FC Nürnberg im Jahr 2007:

Fans des FC Schalke 04 im Jahr 2011:

Fans des FC Bayern München im Jahr 2013:

Fans von Borussia Dortmund im Jahr 2014:

Fans des VfL Wolfsburg im Jahr 2015:

Fans des FC Barcelona im Jahr 2015: