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"Ich wünschte, ich könnte meinen Tod live übertragen" – Syrer aus Aleppo verabschieden sich auf Social Media

Während die syrische Armee den letzten Angriff startet, bereiten die Belagerten sich auf das Schlimmste vor.

von Matern Boeselager
13 Dezember 2016, 8:23am

Foto: imago | ZUMA Press

Als die syrische Armee gestern Nacht den Ring um die letzten Rebellengebiete Aleppos immer enger zog, bereiteten sich die verbliebenen Zivilisten auf das Schlimmste vor. Viele von ihnen posteten letzte Abschiedsbotschaften in den sozialen Medien oder schickten Sprachnachrichten.

"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie uns haben", erzählte der Fotograf und Aktivist Rami Zien VICE am Montagabend gegen 20 Uhr per Telefon, während im Hintergrund Schüsse zu hören waren. "Sie haben versprochen, uns alle zu töten, sie lassen niemanden raus. Ich weiß nicht, was ich tun soll."

Viele Bewohner und Aktivisten in Ost-Aleppo posteten ähnliche Nachrichten. "Ich warte darauf zu sterben oder vom Regime gefangengenommen zu werden ... Betet für mich und erinnert euch immer an uns", schrieb der Fotograf Ameen al-Halabi auf Facebook.

Der Befehlshaber der syrischen Armee, General Zaid al-Saleh, erklärte gegenüber Reuters: "Die Schlacht um Aleppo sollte zügig vorbei sein. [Die Rebellen] haben nicht viel Zeit. Sie müssen sich ergeben oder sterben."

Der amerikanische Video-Journalist Bilal Abdul Kareem, einer der wenigen, die noch Berichte aus Ost-Aleppo senden, nahm ein letztes Video auf, in dem er muslimischen Ländern wie der Türkei, Qatar und Saudi-Arabien vorwarf, es "versaut" zu haben, weil sie Aleppo nicht halfen. Am Montag häuften sich solche Botschaften den ganzen Tag über:

Gegen Abend berichteten mehrere Bewohner, dass die Eroberer massenweise Zivilisten exekutieren würden. "Sie schießen auf jeden, den sie sehen", berichtete Rami Zien am Telefon. "Ich habe auch gehört, dass sie Leute lebendig verbrennen." Ähnliche Berichte häuften sich gegen Abend. Die UN hat mittlerweile bestätigt, verlässliche Beweise zu haben, dass Dutzende Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, "an Ort und Stelle" erschossen wurden.

Gegen Mitternacht meldeten Assad-Anhänger den "Sieg" über die Rebellen in Ost-Aleppo und posteten Videos von jubelnden Zivilisten. Aber auch am Dienstagmorgen kamen noch—zunehmend verzweifelte—Nachrichten aus Ost-Aleppo:

Rami Zien berichtete gegen 11 Uhr, dass Frauen und Kinder auf die Regierungsseite fliehen. Er selbst könne nicht fliehen, weil er ein Mann sei.

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