Die 11 besten Rapsongs des Jahres, die du verpasst hast
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Die 11 besten Rapsongs des Jahres, die du verpasst hast

Wir wissen alle, was die Hits des Jahres waren. Mit diesen Untergrund-Hymnen könnt ihr beim Deutschrap-Jahresabschluss-Auskenner-Talk noch anerkennendes Kopfnicken einheimsen.
19.12.16

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„Danke 2016" präsentiert von Spotify

Schon klar, die Deutschrap-Hits der letzten 12 Monate kamen von Rin und Yung Hurn oder Miami Yacine, hießen „Bianco" oder „Kokaina" und handelten von Konsum und Verkauf des—mal mehr, mal weniger reinen—Nasenwhiskeys. Aber seien wir mal ehrlich: Diese beiden Songs sind mittlerweile so dermaßen durchgenudelt, dass ihr mit den Koka-Kokainaaaa-Hymnen beim großen Deutschrap-Jahresabschluss-Auskenner-Talk keinen mehr überraschen dürftet. Aber weil ja bald Weihnachten ist und wir es außerordentlich gut mit euch meinen, haben wir für euch extra noch fix elf Tracks herausgesucht, die vielleicht nicht in der gleichen Klickzahl-Liga wie die oben genannten Herrschaften spielen, aber trotzdem nicht weniger gut waren. Das hier sind die 11 besten Underdog-Songs des Jahres 2016.

Gibmafuffi feat. Döll: „S3"

Schon Anfang des Jahres veröffentlichte der Offenbacher Beatkonducta Gibmafuffi nach dem Fast-Instrumentaltape Trinkhallenromantik das Fast-Instrumentalalbum Spielschulden. Fast, weil darauf nicht nur Beats, sondern mit—unter anderem—Döll auch einer der wohl begnadetsten MCs des Landes vertreten war. Für „S3" verschnitt Gibmafuffi knisternde Choral- und Blechbläsersamples mit sattem Bumm-Bumm-Tschack und Döll battlete auf gewohnt hohem Technik-Niveau nicht nur die Konkurrenz, sondern irgendwie auch sich selbst.

Muso: „Two Steps Further"

Nachdem Musos grandioses Debüt Stracciatella Now aus dem Jahr 2013 genau so grandios floppte, wurde es still um den Heidelberger und schließlich auch sein Vertrag mit Chimperator nicht verlängert. Gut drei Jahre später legte Muso diese Spätsommer ein zweites Album nach, das um einiges geordneter, aber nicht minder gut klang. Das beste Beispiel: „Two Steps Further", für das Muso über warme Synthie-Bänke und Sample-Ping-Pong gekonnt die Ambivalenz zwischen Animositäten und amourösen Ambitionen austarierte.

Ahzumjot: „Mein Bruh"

Einmal Star und zurück—das trifft zumindest im Ansatz auch auf Ahzumjot zu. Nach einem verkackten Majordebüt und Sinnkrisen-Sabbatical stellte der Rapper und Produzent nämlich auf DIY-Modus um und kämpfte sich 2015 mit seiner Minus EP eindrucksvoll wieder nach oben. Dieses Jahr legte er erst eine Remix-EP nach und demonstrierte dann mit 16QT02: Tag Drei eindrucksvoll, warum er mit zum Besten gehört, was deutscher Rap derzeit zu bieten hat—vor dem Mikro und an den Tasten wohlgemerkt. Wers nicht glaubt, hört bitte noch mal die Homie-Hymne „Mein Bruh" in Dauerschleife

Crack Ignaz: „K1 Zeit"

Für Crack Ignaz lief 2016 richtig gut. Erst die gemeinsame Geld Leben-Großtat mit Producer Wandl, dann direkt im Anschluss das Collabo-Mixtape Aurora mit LGoony, welches endlose Touren plus einen durchaus ahnbaren Festivalsommer nach sich zog. Kurz vor Jahresende legte Ignaz K mit Marmeladé dann gleich noch das nächste Mixtape nach und gewährte mit „K1 Zeit" einen knapp dreiminütigen Einblick in den bis zum Bersten gefüllten Terminkalender eines Ballers. Swah!

Hayiti feat. Joey Bargeld: „Zeitboy"

Apropos Zeit: von der hatte Haiyti dieses Jahr auch eher weniger. Gleich im Februar sorgte ihre Mixtape City Tarif inklusive Instant Classics wie „Runter von der Straße" und Frauenarzt-Feature für Begeisterungsschübe und holte auch die KitschKrieg-Produzenten auf den Plan, die kurz davor schon an der Seite von Trettmann bewiesen, dass sie den Zwosechzehn-Sound wie kaum jemand sonst draufhaben. Kurz darauf ging es mit Hayiti ins Studio, wo die grandiose Toxik EP entstand, die neben Tracks wie „Ein Messer" oder „Sergi"« auch das Bonnie & Clyde-Sequel „Zeitboy" mit Joey Bargeld in petto hatte.

Young Krillin: „Salamanderschnops"

2016 setzten mit Yung Hurn und Crack Ignaz auch wieder zwei Österreicher wichtige Impulse für deutschsprachigen Rap. Wer sich im Frühwerk der beiden umschaut, der stößt hier und da auf einen gewissen Young Krillin. Als Teil des HPF-Kollektives war der Salzburger maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass Ignaz und Konsorten mittlerweile auch hierzulande erfolgreich sein. Nach „Feel Me B4 Dey Kill Me" veröffentlichte Krillin 2016 gemeinsam mit Aloof Slangin das Salamanderschnops-Tape—und schon das selbstbetitelte Intro ist ob seiner düsteren Feels an Atmosphäre kaum zu überbieten.

Prezident: „Der ewige IKEA"

Wenn wir gerade schon bei Feels sind, darf Prezident nicht fehlen. Dessen im Frühjahr erschienenes Album Limbus war nämlich allerfeinste Misanthropenmusik straight outta Wuppertal. Warum Prezi in seiner Musik den maulenden Menschenhasser mimt, weiß er selbst nicht so genau, wie er uns im [Interview](https://noisey.vice.com/de/article/ich-bin- auf-jeden- fall-kein- leidender-typprezident- im-interview) verraten hat. Ist aber auch egal. Manchmal fühlt es sich eben einfach gut an, so richtig schön abzuhassen.

Chima Ede: „2023"

Vor lauter Wrestlingmoves und Meme-basiertem Gimmick-Rap vergisst man manchmal, dass es auch 2016 noch MCs gab, die richtig was zu erzählen hatten. Einer dieser Typen, die Consciousness und Technik aufs Bestmögliche miteinander verbinden, war Chima Ede. Gerade erst hat er gemeinsam mit Ghanaian Stallion die Principium-EP veröffentlicht, aber schon Anfang des Jahres mit „2023" eine nicht weniger gute Extended Play veröffentlicht und kehrt auf dem Titeltrack gefühlvoll sein Innerstes nach Außen. Groß!

Goldroger: „M.I.D.A.$"

Erst Videobattle-MC, dann ernstzunehmender Rapper? Das schaffen nicht viele—Goldroger schon. Mit Räuberleiter stellte sich das MPM-Signing 2015 eigen und eindrucksvollvor, ehe er diesen Herbst mit dem Nachfolger so richtig freidrehte. Avrakadavra war ein seltsam abstruses, dann wieder erstaunlich pointiertes und dadurch beeindruckendes Album. Ein riesengroßes Füllhorn aus Rap-Beats und Akustikgitarren-Loops, LSD-Trips und Literaturreferenzen, Punchlines und Politikbewusstsein. Eigentlich unmöglich, einen der Songs 13 Songs herauszupicken, aber mit „M.I.D.A.$" kann man es zumindest versuchen.

Pavy feat. Kurdo: „Mach Platz"

Straßenrap hatte dieses Jahr bis auf—zugegebenermaßen recht gut gemachte—Ami-Adaptionen nicht sonderlich viel Innovatives zu bieten. Auch PAYY erfand das Rad nicht komplett neu, zog ihm mit seinem Album Panik in der Szene aber wenigstens ein paar blitzeblank polierte Felgen auf.

Bimbo Beutlin: „Alles wird gut"

Schon für den Titel seiner letzten EP Von Pfeifenkraut und leichten Frauen gehört Bimbo Beutlin ein Preis verliehen. Für sein diesjähriges Lebenszeichen „Alles wird gut" aber auch. Über eine Bombenproduktion von Nikki 3k & Gee Futuristic—die im übrigen auch bei vielen anderen Deutschrap-Releases diese Jahr ihre talentierten Finger im Spiel hatten—blickt Bimbo hoffnungsvoll in die Zukunft und kommt zu dem Schluss, dass alles gut wird. Gute Einstellung, die wir am besten mit nach 2017 rüberretten sollten, oder?

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