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Lasertarnkappe soll die Erde unsichtbar machen und vor bösen Aliens schützen

Nur 10 Tage im Jahr müsste ein 30-Megawattlaser strahlen, um die Erde zu verstecken.
4.4.16
Bild: ESO/G. Hüdepohl

Unsere Beziehung zu außerirdischen Lebensformen ist und bleibt kompliziert. Zum einen sendet die SETI-Forschung Botschaften ins All und fährt jegliche Antennen aus, um mit unseren galaktischen Brüdern und Schwestern in Kontakt zu treten. Andererseits jedoch hat der Erdenmensch Angst vor unfreundlich gestimmten Aliens, die ihn unterjochen oder die Erde zugunsten einer interstellaren Umgehungsstraße wegsprengen könnten—wie Douglas Adams in seinem visionären Werk Per Anhalter durch die Galaxis prophezeite. Was tun?

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Zwei Astronomen der New Yorker Columbia University sehen die Lösung dieses Kennenlern-Dilemmas in einem Lichtschutzschild für die Erde. Diese gigantische Tarnkappe soll den blauen Planeten im All verbergen und so vor ungebetenen Gästen schützen, bis wir uns entschieden haben, was wir eigentlich von unseren potentiellen extraterrestrischen Nachbarn wollen. Ihre Studie dazu veröffentlichten David Kipping und Alex Teachey letzten Donnerstag im britischen Fachmagazin Monthly Notices of the Royal Astronomical Society.

Die technologische Grundlage für das Versteckspiel ist die sogenannte Transitmethode: Wenn ein Planet an einer Sonne vorbeizieht, nimmt die Intensität ihres Lichtes ab oder wird verdeckt. Das verhält sich ebenfalls so, wenn die Erde ihre Position zwischen Sonne und Alienplanet einnimmt.

Solch winzige Unregelmäßigkeiten im Sternenschein sind ein klassischer Hinweis auf die Existenz eines Planeten. Das Kepler-Teleskop der NASA ist mit dieser Methode schon auf mehr als 1.000 Planeten gestoßen, von denen einige auch habitable Zonen (also potentielle Lebensräume) aufweisen. Auch die merkwürdige Alien-Architektur, die seit letztem Oktober für Spekulationen sorgt, wurde durch Beobachtung solch eines Lichteffekts entdeckt.

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Es ist also durchaus wahrscheinlich und anzunehmen, dass auch extraterrestrische Zivilisationen mit dieser Suchmethode vertraut sind und sie zur Erforschung des Alls nutzen.

„Wenn wir einen Planeten verstecken wollen, es also so aussehen soll als wäre dort überhaupt kein Planet, müssen wir diese kleine Unregelmäßigkeit auffüllen", erklärt Alex Teachey in einem Video zur Studie. „Wir haben herausgefunden, dass es absolut machbar ist, diese kleine Unregelmäßigkeit mit Lasern auszugleichen."

Um die Erde nun für Außerirdische unsichtbar zu machen, müsste man ganz einfach ihren verräterischen Weg an der Sonne vorbei verbergen, so die Idee der Wissenschaftler. Dafür müsste ein Laser so positioniert werden, dass er zur richtigen Zeit in die Richtung strahlt, in welcher außerirdische Zivilisationen am ehesten vermutet werden. Somit bliebe der Erdtransit unentdeckt, da das Licht der Laserstrahlen die Verdunkelung der Sonne ausgleicht.

Was nach einem utopischen Unterfangen klingt, ist nach Angaben der Astronomen gar nicht so realitätsfern und mit unserer heutigen Technik anscheinend gut machbar. Der Laser müsste auch gar nicht das gesamte Jahr hindurch strahlen. Per Annum würde es ausreichen, wenn ein 30-Megawattlaser gerade mal an zehn Tagen eingeschaltet ist. Dieser Energieaufwand entspräche dem jährlichen Verbrauch von 70 Häusern über die Spanne eines Jahres. Peanuts, wenn sich damit unser gesamter Heimatplanet hinter einer Mauer aus Licht verstecken lässt.

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Die Gefahr außerirdischer Zivilisationen ist nicht nur ein Hirngespinst terrestrischer Sci-Fi-Paranoiker. Auch Vertreter aus der Wissenschaft haben bereits Bedenken geäußert, dass Aliens die Erde ihrer Ressourcen berauben könnten (falls wir das nicht vorher bereits selbst erledigt haben). Und Stephen Hawking unterstützt die SETI-Forschung lediglich aus dem Grund, dass wir die Aliens finden, bevor sie es tun. Dann sind wir immerhin gewappnet, wenn sie kommen, um die menschliche Rasse auszulöschen.

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Dank des Tarnschilds hätten wir nun Zeit zu überlegen, ob wir die Aliens auf einen Besuch einladen sollen oder nicht. Doch nicht alle sind überzeugt von der Wirksamkeit der Tarnung. Meg Urry, Direktorin des Center for Astronomy & Astrophysics an der Yale University, bezeichnete den Plan bereits als „durchführbar, aber hirnrissig", wie die Huffington Post schreibt.

Da sich im gesamten Weltraum Planeten befinden, müssten wir unglaublich viele Laser installieren, um alle potentiellen Kandidaten abzudecken. „Ich bin mir sicher, jemand könnte die nötige Zeitperiode für jeden Stern berechnen, aber da die Transite nur mit der exakten Wellenlänge des Lasers kompensiert werden, würde das die Aliens nur täuschen, wenn sie eine ähnliche Technik benutzen wie wir", so Urry.

Auch Seth Shostak, Leiter des Center for SETI Research ist skeptisch, ob das Transitversteck wirklich so schlau ist: „Wenn sie die Erde bereits entdeckt haben und diese dann plötzlich „verschwindet", dann ist das ein Signal, dass wir hier sind."