Warum du dir die nächste Shisha definitiv zweimal überlegen solltest

Beim Rauchen einer Shisha ziehst du dir die gleiche Menge Qualm wie aus 100 Zigaretten rein.

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23 Juni 2016, 1:28pm

Dass Shisharauchen ungesund ist ist nun auch der Bundesregierung aufgefallen| Foto: Mate Marschalko | Flickr | Gemeinfrei (CC BY 2.0)

Eine einzelne Wasserpfeifen-Session entspricht dem Rauch von 100 Zigaretten.

Diese alarmiernde Zahl, die aus einer umfassenden WHO-Studie stammt, ist nun auch bei der Bundesregierung angekommen und hat ihren Weg in den aktuellen Drogen- und Suchtbericht gefunden, der sich erstmals ausführlich mit den Gefahren des Shisha-Konsums beschäftigt. Der erschreckende Wert ergibt sich aus dem durchschnittlichen Nutzungsverhalten bei Wasserpfeifen im Vergleich zu dem von Zigaretten, hinsichtlich der Anzahl der Züge, der Zugdauer in Sekunden, Zugvolumen in Millilitern und Gesamtvolumen in Litern.

Geht man bei der Dauer einer Wasserpfeifensitzung von etwa einer Stunde aus, zieht jeder Teilnehmer durchschnittlich über 100 mal an der Shisha, wobei mit jedem Zug knapp ein halber Liter Rauch inhaliert wird. Bei einer Zigarette sind es dagegen ca. 12 Züge pro Zigarette mit knapp 50 ml Rauch pro Zug.

Durchschnittliches Nutzungsverhalten bei Wasserpfeifen und Zigarette | Bild: Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2016, S. 43

Setzt man diese Durchschnittswerte nun in Verhältnis zueinander, sieht man, dass pro Wasserpfeifensitzung ein Gesamtvolumen von mindestens 50 Litern inhaliert wird, wohingegen es bei einer einzelnen Zigarette nur knapp 0,5 Liter sind. Was das reine Gesamtvolumen des eingeatmeten Rauchs angeht, entspricht eine Wasserpfeifensitzung also tatsächlich dem Rauch von 100 Zigaretten. Zu berücksichtigen ist aber auch, dass eine Shisha selten ganz alleine konsumiert wird. Oftmals versammelt man sich gemeinsam mit Freunden vor der qualmenden Vase.

Zudem enthält der dichte Dampf der Shisha eine Vielzahl an Schadstoffen: Neben Nikotin und mindestens 82 weiteren schädlichen, und davon 27 sicher, oder mindestens wahrscheinlich krebserregenden Substanzen, finden sich auch giftige Metalle, Kohlenmonoxid und andere sogenannte lungengängige Partikel im Rauch der Wasserpfeife. Dadurch erhöht der weiße Shisha-Dunst das Risiko für eine Vielzahl chronischer Erkrankungen: Der bunte Strauß an potentiell gefährlichen Folgen reicht von Lungen-, Speise- und Magenkrebs, chronischen Lungenerkrankungen und Bronchitis über Lungenemphyseme, erhöhten Blutdruck, erhöhte Herzfrequenz, Herz-Kreislauferkrankungen bis zu Parodontitis, Veränderungen des Kehlkopfes und Osteoporose. Bis auf Nikotin enthält auch der Rauch von Wasserpfeifenzubereitungen mit speziellen Tabak-freien Shiazo-Steinen all diese Schadstoffe, auch wenn bei den künstlichen porösen Mineralkomplexen nichts verbrannt, sondern nur verdampft wird.

Bild: imago | Winfried Rothermel

Aufgrund der unterschiedlichen Tabakzusammensetzung und der unterschiedlichen Verbrennung des Tabaks von Wasserpfeife und normaler Zigarette unterscheidet sich auch die Zusammensetzung des Rauches voneinander. Es lässt sich daher nicht pauschal sagen, dass eine Wasserpfeifensitzung den gleichen gesundheitlichen Schaden anrichtet, wie das Rauchen von 100 Zigaretten. Dies bestätigt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung in einem Bericht von 2009 und bei der Beantwortung ausgewählter Fragen zum Wasserpfeifenkonsum von 2011.

Trotz einer Reformierung des Jungendschutzgesetzes 2014, wodurch das Wasserpfeiferauchen erst ab 18 Jahren legal ist, findet das Shisha-Rauchen vor allem bei Jugendlichen große Verbreitung. Mehr als die Hälfte der 16- und 17-Jährigen in Deutschland hat bereits Wasserpfeife geraucht—jeder Zehnte hat das innerhalb der letzten 30 Tage gemacht, wie der Bericht noch einmal herausstellt:

Darstellung des Wasserpfeifenkonsums der 12-17-Jährigen in Deutschland im Drogen- und Suchtbericht 2016 Quelle: Tabakatlas Deutschland 2015 S. 42

Aus gesundheitlicher Perspektive ist sowohl von Zigaretten als auch vom Shisha-Rauchen gleichermaßen abzuraten. Obwohl in Deutschland nur jeder Vierte regelmäßig zur Zigarette greift, sterben immer noch 120.000 Menschen pro Jahr an den Folgen des Rauchens. Welchen Anteil die beliebte Wasserpfeife daran hat, ist allerdings weiterhin ungeklärt—noch immer gibt es nicht genug wissenschaftliche Studien zu diesem Thema.

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